Morningshow

10.01.2017

Schranken-Irrsinn: 100€ um zum eigenen Haus zu kommen

Stellen Sie sich vor, vor Ihrem Haus ist eine Schranke, die Sie nicht öffnen dürfen. Um zu Ihrem Haus zu kommen, müssen Sie einen Termin beantragen, damit jemand kommt und die Schranke aufmacht. Und dafür müssen Sie dann auch noch jedesmal über 100 Euro zahlen! Was sich nach einer Räuber-Geschichte anhört, passiert so zur Zeit im Odenwald und ist ein echter Bahn-Bürokratie-Irrsinn.

Eigentlich klingt es gut: Ein hübsches kleines Häuschen im Schöllenbach im Odenwald. Gebaut aus rotem Backstein, gut erhalten. Davor ein kleiner Garten, eine grüne Holzbank lädt zum Ausruhen ein. Dahinter ein dichter, grüner Wald. Die Bahnstrecke vor dem Grundstück ist wenig befahren, nur rund alle zwei Stunden kommt mal eine Bahn vorbei. Trotzdem machen diese Schienen den Hausbesitzern Tobias und Fabian Swyter eine ganze Menge Ärger. Denn um zu ihrem Häuschen zu kommen, müssen Sie über einen Bahnübergang mit Schranke, diese ist immer unten und die Brüder dürfen Sie nicht aufmachen.

Nur ihr Vater, der vorher in dem Haus wohnte, durfte die Schranke hochkurbeln. Denn er war Bahnbeamter mit entsprechender Ausbildung. Wenn jetzt jemand zu dem Haus will, gibt es nur eine legale Möglichkeit, erzählt Fabian Swyter: "Ich müsste bei der Bahn die Öffnung des Bahnübergangs beantragen. Daraufhin prüft die Bahn das und  sagt mir einen Termin, wann sie die Schranke öffnen. Und nur an diesem Termin könnte ich dann die Schranke queren. Diese Öffnung kostet dann auch ein bis zweihundert Euro mindestens".

Schienen überqueren wäre eine Straftat

Die Schienen einfach so zu überqueren ist auch keine Option, denn das wäre eine Straftat und bei Zuggeschwindigkeiten von 120 km/h auch sehr gefährlich. Kein Wunder, dass die Brüder ihr Haus weder nutzen noch vermieten oder verkaufen können.

Am liebsten wäre es den Brüdern, wenn die Bahn das Haus kaufen würde oder aber ein Andreas-Kreuz statt der Schranken installieren würde. Eine Umrüstung des Übergangs würde laut Bahn allerdings rund 800.000 Euro kosten - Geld, dass der Konzern nicht ausgeben will.

Regierungspräsidium fordert Lösung

Seit Jahren versuchen die Brüder, das Problem zu lösen - ohne Erfolg. Jetzt haben sie das Regierungspräsidium Darmstadt eingeschaltet. Das hat der Bahn bis Februar Zeit gegeben, eine Lösung zu finden. Wir haben bei der Bahn nachgefragt. Dort heißt es: Gerade werden alle Beteiligten angehört und Vorschläge erarbeitet. Die Entscheidung müsse am Ende aber das Regierungspräsidium Darmstadt treffen.

Marc Adler

Reporter:
Marc Adler

blog comments powered by Disqus

Mehr aus der FFH-Morningshow

shoping

Just 90s - Das Neunziger Festival

Feier zu den größten Kulthits des Partyjahrzehnts mit DJs und Originalstars wie den "Vengaboys" oder "Twenty 4 Seven". Live & Open...

Logo HIT RADIO FFH Webradios