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Silvia am Sonntag - zu Gast: Luisa Neubauer

Silvia am Sonntag - der Talk - LUISA NEUBAUER BEI HIT RADIO FFH

© Oguz Yilmaz

Klimaaktivistin Luisa Neubauer: „Ich hatte eine wahnsinnig gute Beziehung zu meinem Vater."

Klimaaktivistin Luisa Neubauer (24) ist in Deutschland eine der Hauptorganisatoren des von Greta Thunberg inspirierten Schulstreiks „Fridays for Future“. Im Interview mit HIT RADIO FFH spricht sie über die Klimagerechtigkeitsbewegung („Wir sind in einer essenziellen Krise“), Gespräche mit Politikern („Frau Merkel ist neugierig“), aber auch über private Dinge wie zum Beispiel die wichtige Rolle ihrer Großmutter („Sie hat mich politisch geprägt“) und über den frühen Tod ihres Vaters. Sie wollte nie zu privat in der Öffentlichkeit werden: „Ich bin angetreten, um mehr Aufmerksamkeit für die Klimakrise zu erreichen und nicht für meine Person.“

Allerdings merkte sie, dass das ‚Nicht-Sprechen‘ über ihren Vater Auswirkungen auf ihr privates Leben hatte. „Dadurch, dass ich ihn komplett aus dem öffentlichen Leben herausgehalten habe, habe ich ihn unbewusst auch aus meinem tatsächlichen Leben herausgehalten. Ich habe ihn ein bisschen ‚invisible‘ – unsichtbar – gemacht und das war nach zwei Jahren zunehmend anstrengend. Ich hatte das Gefühl, dass es auch für mich keine gesunde, keine hilfreiche Situation war.“

Durch ihren eigenen Podcast („1,5 Grad“) konnte sie das auf eine Art und Weise tun, die komplett selbstbestimmt war und es zugleich auch mit ihrer Familie besprechen. „Das erste Mal konnte ich ganz, ganz ehrlich die Frage beantworten, warum ich das mache, was ich mache. Ich bin überrascht, dass ich das vorher noch nie so richtig gefragt wurde.“

Die Nachricht, dass ihr Vater todkrank sei, erfuhr sie mit 19 Jahren. Sie wollte ausziehen, mit dem Studium anfangen. „Und auf einmal ist diese Botschaft im Raum. Das war ein Moment von maximaler Unsicherheit. Ich glaube, dieses Gefühl kennen viele Menschen, dass auf einmal etwas, was immer da ist, was unverrückbar scheint, was Stabilität gibt nicht mehr da ist – dass der berühmte Teppich unter den Füßen auf einmal weg ist. Ich dachte, kein Mädchen kann so traurig sein, wie ich.“

Was sie in der Trauer gemerkt habe, sei, dass Zeit keine Wunden heilt, nur sie selbst konnte sich helfen. „Ein bisschen hat mich eine kleine Stimme im Hintergrund daran erinnert. Luisa, da wird dich jetzt niemand rausholen, das musst du selbst machen. Das hat mich so sehr bekräftigt und auch befähigt, das zu machen, was ich heute mache.“

Geholfen habe ihr dabei ihr Studium der Geografie, das sie mittlerweile, nach sechs Jahren, erfolgreich mit einem Master-Abschluss beendet hat. „Ich kam aus der Vorlesung raus und war traurig um die Arten, die wieder verschwinden. Ich war traurig um die Perspektive, dass ich mein Leben lang mit der Klimakrise verbringen werden muss. Und aus dieser Erfahrung heraus habe ich den Entschluss gefasst, alles, was ich tun kann, Teil davon zu werden – um aus dieser Krise gemeinsam rauszukommen, aus dieser kollektiven Krise, aus dieser kollektiven Trauer-Verlusterfahrung.“

Es ist ihr wichtig, diese Erfahrung mit anderen zu teilen. „Wenn man so jung einen Elternteil verliert, ist es eine Erfahrung, die so viele Menschen machen und die so schnell isoliert und abkapselt, weil man nicht darüber spricht. Und ich ermutige Menschen so sehr, sich nachhaltig zu öffnen und über Verlusterfahrung zu sprechen, in jeglicher Hinsicht.“

Am Ende des Tages, so Luisa Neubauer im Gespräch, seien es höchstpersönliche Fragen, die uns zu dem machen, die wir sind – politisch und persönlich. „Die Geschichte heißt für mich ja nicht, ich hatte ein gutes Verhältnis zu meinem Vater und dann ist er leider gestorben und dann bin ich manchmal traurig. Sondern: Ich habe eine enorme, herausfordernde Phase meines Lebens durchleben müssen.“

„Silvia am Sonntag – der Talk“ läuft sonntags zwischen 9 und 12 Uhr mit Moderatorin Silvia Stenger. Das komplette Gespräch mit Luisa Neubauer, sowie alle anderen Interviews, können in voller Länge bei FFH in Web und App und überall dort, wo es Podcasts gibt, gehört werden.

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