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Mauerfallhits und die Geschichten dahinter

Zum Tag der Deutschen Einheit - Mauerfallhits und ihre Geschichten

© dpa

Zum Tag der Deutschen Einheit spielen wir bei FFH im Programm immer wieder Mauerfallhits. Lieder, die mit dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung von DDR und BRD verbunden sind. Einige davon sind eher zufällig zum Mauerfallhit geworden, andere wurden zum Beispiel in Berlin geschrieben. Hört hier die Mauerfallhits und die Geschichten dahinter...

Scorpions - Wind of Change

Die Geschichte hinter "Wind of Change"

Es ist ein lauer Augustabend 1989 in Moskau. Die Scorpions aus Hannover haben mit ihren Hits wie "Still loving you" und "Rock you like a hurricane" gerade ein Festival für Frieden und Völkerverständigung gerockt. Vor zigtausend begeisterten, russischen Fans.

Sänger Klaus Meine, der Mann mit der Batschkapp und der Sonnenbrille, sitzt nach dem Gig ein bisschen melancholisch rum, guckt auf den Fluss und denkt sich einen Monsterhit aus! Quasi den Gorbatschow unter den Wendesongs. 

"Wind of Change" ist der Wiedervereinigungssong, das Lied, bei dem jeder an den Fall der Mauer und vom Eisernen Vorhang denkt. Die Nummer gibt's sogar auf russisch - Der Pfeifpart ist aber international überall gleich.

Die Geschichte hinter "Mein Osten"

"Mein Osten" ist - ähnlich wie Grönemeyers "Bochum" oder "Erbarme" von den Rodgau Monotones - eine Hymne auf die Heimat. Und die liegt bei Silbermond "tief im Osten" in Bautzen, auch, wenn die Band mittlerweile in der gesamtdeutschen Hauptstadt Berlin lebt. 2019 veröffentlicht die Band "Mein Osten". 

Silbermond sind von Anfang an eine Band für ganz Deutschland. Als sie anfangen, ist die Mauer schon fast ein Jahrzehnt Geschichte, die Bandmitglieder haben die DDR nur noch als Kindergartenkinder erlebt. 

Aber sie merken, und darum geht’s auch in "Mein Osten", dass es immer noch Mauern in den Köpfen gibt. Stefanie Kloß von Silbermond meint aber, trotz Schwierigkeiten zwischen Ost und West und vor allem im Osten: Immer noch besser als früher!

David Hasselhoff - Looking for Freedom

Die Geschichte hinter "Looking for Freedom"

Wenn es ein Lied gibt, bei dem jeder an den Mauerfall vor 30 Jahren denken muss, dann ist das wohl "Looking for Freedom" von David Hasselhoff. 1989 stand der Titel monatelang auf Platz eins der damals noch westdeutschen Charts. 

Eigentlich hat das Lied von Schlagerkomponist Jack White so gar nix Politisches. Es geht um einen Typen, der von zuhause abhaut. Aber dann kam David Hasselhoff, Ende der 80er ein Top-TV-Star als Knight Rider. Und Jack White hat für ihn einen seiner alten Schlagersongs receycelt: "Auf der Straße nach Süden" von Tony Marshall

Silvester 1989 steht Hasselhoff in einer mit Glühlämpchen beleuchteten Lederjacke auf der Berliner Mauer. Menschen weinen, andere klopfen Betonbrocken aus der Mauer. Auch Hasselhoff selbst wird in der Nacht zum Mauerspecht und verschenkt später gerahmte Originalstücke an seine Freunde.

Marius Müller-Westernhagen - Freiheit

Die Geschichte hinter "Freiheit"

Zwei Jahre vorm Mauerfall schrieb Marius Müller-Westernhagen "Freiheit" und der Text klingt so, als hätte Westernhagen den Song für seine Fans in der DDR maßgeschneidert. Dabei glaubt er damals gar nicht mehr an die Wiedervereinigung. Also auch nicht daran, jemals im Osten singen zu können. 

Als die Mauer dann doch fällt, bringt Marius bringt das Lied als Liveversion raus, aufgenommen übrigens im Westen - in Dortmund vor jubelnden Fans. Und die Begeisterung ergreift die ganze Republik: "Freiheit" wird die inoffizielle Hymne rund um den 3. Oktober 1990.

Udo Lindenberg - Horizont

Die Geschichte hinter "Horizont"

"Horizont" von Udo Lindenberg ist eigentlich ein Liebeslied, aber inzwischen auch ein Symbol für die Hoffnung im kalten Krieg, dass irgendwann Deutschland doch wieder eins sein kann. 

Lindenberg hatte so nicht geplant -  er schreibt "Horizont" drei Jahre vor dem Fall der Mauer an der Ostsee, guckt aufs Meer und denkt an eine Freundin, die gerade verstorben ist. "Du und ich das war einfach unschlagbar, ein Paar wie Blitz und Donner", singt er. Gabi Blitz ist 33, als sie an zuviel Drogen und Alkohol stirbt. Udo ist traurig, schaut aber nach vorne.

Der Song wird 25 Jahre später der Titel von Udo Lindenbergs eigenem Musical. Und darin geht’s tatsächlich um eine Liebe zwischen Ost und West. Etwas, das Udo angeblich auch selbst erlebt und in seinem Song "Mädchen aus Ostberlin" verewigt hat. Dass es über ihn, den westdeutschen Panikrocker, eine meterhohe Stasiakte gibt - das wird Udo erst nach der Wiedervereinigung klar. Er legt‘s aber auch drauf an: Bei seinem einzigen, offiziellen Auftritt unterm SED-Regime haut er Abrüstungssprüche raus - obwohl es ihm verboten wurde. 

Kein Wunder, dass Lindenberg erst nach dem Mauerfall offiziell wieder im "Osten" singen darf. Natürlich dann auch den "Horizont".

Udo Lindenberg - Sonderzug nach Pankow

Die Geschichte hinter "Sonderzug nach Pankow"

Als Udo Lindenberg 1983 "Sonderzug nach Pankow" aufnahm, war noch keine Rede von Mauerfall und Wiedervereinigung. "Sonderzug nach Pankow" ist sein offener Brief an Erich Honecker, damals Staatsratsvorsitzender der DDR. Oder, wie Udo das formuliert: Der Oberindianer "... ich muss da was klären mit Eurem Oberindianer... Jodeltalent... mit einer Band", singt er. Darf der Udo aber nicht. Viele westdeutsche Popstars dürfen in den 80ern zwar in der DDR auftreten, aber Lindenberg nicht. 

Seine Musik sei "nicht bereichernd für die Rezipienten", für Udo Lindenberg "Ein Spruch, den ich nie vergessen werde." Es gibt dann aber doch noch ein Treffen zwischen dem Panikrocker und dem Oberindianer: 1987, bei Honeckers Besuch im Westen. Lindenberg schenkt ihm eine E-Gitarre, auf der steht "Gitarren statt Knarren".

Erst 1990 gibt’s die erste, offizielle Panikorchester-Tour im Osten. Und er singt alle seine gesamtdeutschen Hits: "Mädchen aus Ostberlin", "Horizont" und natürlich den "Sonderzug".

David Bowie - Heroes

Die Geschichte hinter "Heroes"

David Bowies "Heroes" von 1977 ist von Anfang an untrennbar mit Deutschland verbunden - Bowie nimmt das Lied nämlich in Berlin auf. West-Berlin, da zieht die Popikone 1976 hin. Ziggy Stardust mietet sich in der Schöneberger Hauptstraße 155 ein, zusammen mit Kollege Iggy Pop. Bis, der Sage nach, David Iggy rauswirft, weil der ihm immer die Lebensmittel aus dem Kühlschrank klaut.

Trotzdem kommt der drogensüchtige Superstar in Berlin zum ersten Mal seit Jahren zur Ruhe. Mit Schnurrbart und Karohemd kann er unerkannt durch die Straßen laufen oder sich ins Café setzen. Was in London schon seit Jahren nicht mehr geht. 

In den Hansastudios, direkt an der Berliner Mauer, schreibt Bowie "Heroes". Inspiriert von einem Paar, das er auf einer Bank im Schatten eines DDR-Grenzturms beim Flirten beobachtet...

Und zehn Jahre später schreibt der Rockstar Geschichte mit einem Konzert direkt an der Mauer in Berlin. In einer legendären Ansprache grüßt er seine jubelnden Fans auf der anderen Seite der Mauer. 

U2 - One

Die Geschichte hinter "One"

Das U2-Album, auf dem "One" drauf ist, heißt "Achtung Baby". Und es entsteht fast komplett in Berlin, genau in dieser Zeit der Wende damals. Aber Bono und die anderen Jungs sind damals nicht so gut drauf, es gibt Stress in der Band. Silvester '89 ist sogar davon die Rede, dass U2 sich auflösen... "Did I disappoint you or leave a bad taste in your mouth?", singt Bono, "Hab' ich dich enttäuscht? Hast du einen fiesen Nachgeschmack wegen mir?"

"One" wird in den Berliner Hansastudios aufgenommen. Eigentlich ein Song über Menschen am Rande der Trennung - aber mit versöhnlichem Ausgang ("One life... sisters, brothers..")

Einer der ersten Welthits made im wiedervereinigten Berlin: "One". Das erste Musikvideo dazu haben U2 übrigens damals in Berlin gedreht. Mit Trabbis und allem!

Deshalb auf jeden Fall und gleich im doppelten Sinn ein echter Wiedervereinigungssong: "One" - bei dem sich U2 und Bono 1989/90 wieder zusammengerauft haben. Und der danach auch im vereinten Deutschland ein Hit geworden ist.

Pink Floyd - Another Brick in the Wall

Die Geschichte hinter "Another Brick in the Wall"

Viele Mauerfallhits haben textlich gar nichts mit der Wende zu tun. So auch "Another Brick in the Wall" von Pink Floyd. Die Mauer in dem Welthit von Roger Waters ist gar nicht die Berliner Mauer, sondern eine im Kopf. Das Mastermind von Pink Floyd verarbeitet in seiner Rockoper "The Wall" seine Kindheit und Jugend: Vater im Krieg gefallen, Mutter klammert und Lehrer sind eine Katastrophe ("Teachers, leave those kids alone!")

Die Mauerbühne wird dann tatsächlich gebaut! Zur ursprünglichen "The Wall"-Tour in den frühen 80ern, und dann nochmal zur legendären Aufführung in Berlin, im Sommer 1990. In den Monaten nach dem Mauerfall setzt sich Roger Waters nämlich dann in den Kopf, dass er unbedingt an der "echten" Mauer spielen will. 

Übrigens das erste und einzige Konzert, das jemals gleichzeitig in zwei Staaten stattgefunden hat! Die insgesamt 300.000 Fans auf dem Potsdamer Platz stehen in Ost und West, in der Bundesrepublik und in der DDR. Sie erleben "The Wall" mit Gastmusikern wie den Scorpions, Bryan Adams und Cyndi Lauper.

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