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Kaum Raser-Rekorde beim Blitzer-Marathon

Blitzer-Marathon in Hessen - Polizei zieht zufriedenstellendes Fazit

Was die hessische Polizei gestern gestartet hat, kann man getrost einen Großeinsatz nennen: 500 Polizistinnen und Polizisten sind im ganzen Land unterwegs gewesen, sie stellten 200 mobile Blitzer auf und führen in 16 Stunden tausende Geschwindigkeitskontrollen durch.

Fazit der Polizei: Kaum Raser-Rekorde

Einen Tag nach dem großen Speed-Marathon zieht die Polizei ihre abschließende, zufriedenstellende Bilanz: Viele Autofahrer waren gestern im angemessenen Tempo unterwegs, heißt es vom zuständigen Polizeipräsidium Mittelhessen. "Die meisten Verkehrsteilnehmer hatten sich eingehend mit dem gestrigen Speedmarathon befasst und waren offensichtlich gut informiert über die polizeilichen und kommunalen Blitzstellen", so Polizeisprecher Guido Rehr. In Zahlen heißt das: etwa 210.000 Autos sind gestern insgesamt an den rund 200 Blitzern vorbeigefahren, davon in ganz Hessen nur etwa 3,4 Prozent zu schnell. Ein paar richtige Raser gab es aber natürlich trotzdem: 93 fuhren so schnell, dass sie für mindestens vier Wochen den Führerschein abgeben müssen. Unerwartete Bilanz außerdem aus Frankfurt: Da waren die Autofahrer oft viel zu langsam statt zu schnell unterwegs: Im Schnitt 20 km/h unter dem vorgeschriebenen Limit, heißt es von der Polizei.  

Halbzeitbilanz der Polizei

Dabei hat die Polizei am Nachmittag eine Halbzeitbilanz gezogen. Demnach haben sich bislang die meisten Verkehrsteilnehmer an die Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten - es gab aber auch krasse Ausreißer. Zum Beispiel im Lahn-Dill-Kreis: Dort war ein Autofahrer heute Morgen mehr als 50 km/h zu schnell unterwegs. Dort war auch ein LKW unterwegs, der auf regennasser Fahrbahn statt der erlaubten 60 km/h auf 83 km/h beschleunigte - und auch noch einen anderen LKW überholte, so die Polizei. 

Spitzenreiter war am Wiesbadener Kreuz unterwegs

Der Spitzenreiter ist bislang ein Autofahrer, der auf der A3 beim Wiesbadener Kreuz statt der erlaubten 100 mit 177km/h unterwegs war. Eher entspannt ist die Lage bislang in Ost- und Südhessen: Dort wurden nur relativ wenige Verkehrsteilnehmer geblitzt, die auch nur wenige km/h zu schnell waren, so die Polizei. 

Die Polizei geht heute verstärkt gegen Raser vor. FFH-Reporter Yanik Schick zieht mit der Frankfurter Polizei ein Zwischenfazit.

Um 6 Uhr hat der Blitzer-Marathon begonnen - zum Beispiel mit einem Check-Point auf der B275 bei Niedermörlen in der Wetterau. Dort hat FFH-Reporterin Dominique Bundt den Start der Aktion begleitet. Schon in der ersten Stunde blitzte Polizist Björn Lübcke 36 Autofahrer, die hier zu schnell unterwegs waren, einer fuhr sogar 40 Stundenkilometer zu schnell.

FFH-Reporterin Dominique Bundt in Niedermörlen

"In der ersten Stunde schon 36 Raser geblitzt"

"45 Raser in anderthalb Stunden ist leider normal"

Sagt uns Polizist Björn Lübcke am Messstandort an der B275

"Wenn man hier steht, kommen Sprüche"

Björn Lübcke sagt, dass das Verständnis vieler Autofahrer leider fehlt: Er wird beim Blitzen regelmäßig beschimpft und angehupt

Fast jeder zweite Unfall mit zu hohem Tempo verbunden

Die Polizei ist auf kleinen und großen Straßen, an Autobahnen wie der A 45 bei Haiger und kurvigen Bikerstrecken am Aartalsee unterwegs. Die Polizei veröffentlicht alle Blitzerstellen vorab, denn sie will Autofahrer vor allem sensibilisieren. Begründung auf Twitter: „Es geht uns nicht um die Anzahl der Verstöße, sondern darum, auf die Gefahren überhöhter / nicht angepasster Geschwindigkeit hinzuweisen und damit die Anzahl der schweren Unfälle zu reduzieren.“

© FFH

FFH-Reporter Christoph Visone am A3-Parkplatz Johannispfad bei Flörsheim

Aller Blitzerstellen auch bei FFH in Web und App

Deswegen sind die Blitzerstellen in Absprache mit der Polizei auch alle bei FFH in Web und App zu finden. Ein Aufruf zum Schnellfahren an allen anderen Tagen im Jahr ist das keineswegs, so Rehr weiter. Auch da werde geblitzt. Zum Speedmarathon werde nur deutlicher als sonst kommuniziert: Nur wenige km/h mehr oder weniger entscheiden bei Unfällen oder über Leben und Tod, über eine leichte oder schwere Verletzung oder bleibende Beeinträchtigungen.

Wir blitzen zum Speed-Marathon und an allen anderen 364 Tagen

Sagt Guido Rehr von der Polizei am FFH-Mikro

FFH-Reporterin Dominique Bundt beim Blitzer-Marathon bei Nieder-Mörlen in der Wetterau. 

Überhöhte Geschwindigkeit als Hauptursache

Im Jahr 2020 registrierte die Polizei in Hessen insgesamt 122.786 Verkehrsunfälle, bei denen 22.614 Menschen verunglückten. Davon erlitten 3831 teils schwere Verletzungen, 205 Menschen verstarben. Bei knapp der Hälfte der Verstorbenen trugen eine nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit zu den Unfällen bei. Damit gilt Geschwindigkeit als Hauptunfallursache bei Verkehrsunfällen mit Getöteten und Schwerverletzten, erklärt Guido Rehr vom Polizeipräsidium Mittelhessen.

Geschwindigkeit ist der entscheidende Faktor

sagt Guido Rehr vom Polizeipräsidium Mittelhessen im FFH-Interview

Runter vom Tempo kann Leben retten

Untersuchungen würden zeigen, so berichtet die Polizei anläßlich des Speedmarathons, dass innerorts eine Reduzierung um zwei Stundenkilometer die Zahl der Verunglückten bereits um 15 Prozent senkt. Gerne würde die Polizei den Rasern diese Botschaft persönlich und direkt mitgeben. Wegen Corona wird aber weitgehend darauf verzichtet, die Autofahrer anzuhalten. Stattdessen gibt es dann nur das Knöllchen nach Hause, sagt Guido Rehr.

Wir wollen den Schnellfahrer mit dem Verstoß konfrontieren

Guido Rehr erklärt, dass durch Corona der Speed-Marathon dieses Jahr etwas anders abläuft

FFH-Reporter Felix Breiner beim Speed-Marathon in Darmstadt. 

Hessens Innenminister Peter Beuth zu FFH

Was ist der Speedmarathon?

Fokus auch auf illegalen Rennen

© FFH
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