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Gießener Forscher: Mehlwürmer sind gutes Essen

Gießener Lebensmittelforscher - "Mehlwürmer werden Teil des Essens sein"

Chips, Hackfleisch oder Leberwurst auf Mehlwurm-Basis - vor ein paar Jahren hat uns das noch als Ekel-Highlight im Dschungelcamp die Schauer über den Rücken getrieben. Jetzt könnte es schon bald zu unserem ganz normalen Essen gehören. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat gerade Mehlwürmer als Lebensmittel zugelassen. Ein Freudentag für das Fraunhofer-Institut für Bioressourcen in Gießen. Dort forscht Dr. Martin Rühl und sein Team. Er züchtet Mehlwürmer, füttert sie - und verarbeitet sie weiter zu Lebensmitteln zum Beispiel zu einer Art Leberwurst.

Mehlwurm-Leberwurst-Verkostung

Das wollte sich FFH-Reporterin Anne Schmidt genauer anschauen und war bereit als nicht-dogmatische Vegetarierin auch eine Kostprobe durchzustehen (siehe Audio-File und Video). Ihr Ergebnis vorweggenommen: Mehlwurmwurst schmeckt vielleicht nicht anders als andere Leberwurst, aber gar kein Fleisch essen ist eindeutig am schönsten.

FFH-Reporterin Anne Schmidt kostet Mehlwurm-Leberwurst

Proteeinreiche Nahrung

Die Erlaubnis der EFSA bedeutet, dass laut Bundesverbraucherschutzministerium die getrocknete Larve des Mehlkäfers als Ganzes oder gemahlen verkauft werden darf. "Außerdem kann sie als Zutat bis zu einem Anteil von zehn Prozent in verschiedenen Lebensmitteln, zum Beispiel Nudeln oder Keksen, eingesetzt werden".

Werden die Verbraucher das neuartige Lebensmittel akzeptieren?

© FFH

Lebensmittelforscher Dr. Martin Rühl glaubt, dass Insekten irgendwann Teil unserer Ernährung werden

Nachhaltigere Zucht als die von Schweinen und Hühnern

Lebensmittelforscher Martin Rühl sieht große Vorteile in der Insektenzucht für die Lebensmittelproduktion. Mehlwürmer seien sehr eiweißreich und stünden als tierisches Protein Schweinen odern Hühnern nicht nach, sagt er im FFH-Interview. Ihre Zucht sei aber sehr viel nachhaltiger, zumal man sie mit Resten aus anderer Lebensmittelproduktion füttern könne. Man brauche lediglich Wärme. Er geht davon aus, dass in einigen Jahren, Insekteneiweiß zum Beispiel in Wurstersatz oder auch Hackfleisch zu finden sein könnte. Allerdings beruhigt Rühl: "Sicher wird das immer klar gekennzeichnet sein. Das schreibt das Gesetz vor." 

Hoffnung auf Akzeptanz durch die Verbraucher

Und das hat große Vorteile, findet Martin Rühl, vom Fraunhofer Institut für Bioressourcen in Gießen. Er erforscht Insekten als Lebensmittel. "Wenn ich die Käfer oder die Larven nicht mehr als solche sehe, also nicht mehr angucken muss, sondern wenn sie dann zum Beispiel in einer Wurst verarbeitet sind oder in einem Brot oder in Chips, dann ist natürlich auch die Akzeptanz eine ganz andere."

Bisher überschaubares Angebot

Bis Mehlwürmer oder später auch Insekten von Verbrauchern als Teil der Lebensmittel akzeptiert werden, wird aber noch Zeit vergehen. Allerdings finden sich jetzt bereits die ersten Produkte in den Supermärkten. Die Gießener Forscher wollen nun jedenfalls die eigene Zucht ausbauen und kooperieren bereits mit Firmen. Auch der leberwurstähnliche Brotaufstrich aus Mehlwurm ist bereits Teil dieser Forschung.

FFH-Reporterin Anne Schmidt bei der Mehlwurm-Leberwurst-Verkostung

Lebensmittelforscher des Fraunhofer-Institutes in Gießen züchten Mehlwürmer und kreieren daraus zum Beispiel Leberwurst. FFH-Reporterin Anne Schmidt hat sich das angeguckt und auch probiert

Anne Schmidt

Reporterin
Anne Schmidt

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