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UKGM-Betriebsrat: "Wir müssen mehr ausbilden"

Kündigungswelle am UKGM Marburg - Betriebsrat will Imageschaden verhindern

An der Uniklinik in Marburg sorgt eine Kündigungswelle von Pflegern und Pflegerinnen einer chirugischen Abteilung weiter für Unruhe. HIT RADIO FFH hat mit dem Betriebsratsvorsitzenden Frank Eggers gesprochen. Er sagt: "Wir sollten weitere Imageschäden vermeiden und die Situation einfach verbessern." 

"Situation kann schon bald an anderen Krankenhäusern entstehen"

Der Betriebsratsvorsitzende und langjährige OP-Pfleger versucht sichtlich zu deeskalieren: "Der Pflegenotstand ist überall", sagt Eggers im FFH-Gespräch. "Die Situation an der Uniklinik Marburg kann schon bald an anderen Krankenhäusern entstehen, wenn wir keine Antworten auf diesen Notstand finden." Das gelte auch für Servicekräfte und Verwaltungsangestellte.

Frank Eggers, Betriebsratschef an der Uniklinik Marburg im FFH-Interview

"Der Pflegenotstand kann auch andere Krankenhäuser treffen"

Freizeitausgleich muss möglich sein

Allerdings fordert Eggers auch bessere Dienstpläne, in denen zum Beispiel bei Ausfällen nicht einfach Kollegen aus der Freizeit herbeigerufen würden. "Denn der Pflegeberuf ist eine Hochleistungstätigkeit. Die Kollegen müssen sich erholen können, wenn sie frei haben und Überstunden abbauen können."

"Eigentlich ein wunderbarer Beruf"

Als vordringlichste Aufgabe sieht der Verdi-Gewerkschafter, die Einstellung neuer Pflegekräfte und mehr Bemühen um Ausbildung und um Auszubildende. Als langjähriger OP-Pfleger fügt er hinzu: "Es ist eigentlich ein wunderbarer Beruf. Wir sollten es schaffen, dass man am Uniklinikum Marburg ein Leben lang arbeiten und angestellt sein kann, ohne dabei Schaden zu erleiden." Dabei sei aber auch die Landespolitik zur Unterstützung gefordert, denn das UKGM habe einen Versorgungsauftrag.  

"Die Kündigungen waren wie ein Donnerschlag"

Jüngst hatten 15 von 16 Pflegekräften einer chirurgischen Station gekündigt wie zuerst die Oberhessische Presse berichtete. Die Pflegerinnen wechseln laut Hessischem Rundfunk fast geschlossen zum evangelischen Krankenhaus in Gießen. Hiervon versprechen sich die Kollegen bessere Arbeitsbedingungen. Ihre eigenen Überlastungsanzeigen in der Marburger Uniklinik seien ohne ausreichende Reaktion geblieben. Laut Oberhessischer Presse seien Kräfte teils weinend in den Dienst gekommen, "weil sie so fertig waren."

Sorge vor weiteren Abwanderungen

Nach der Kündigungswelle erklärte die Klinikleitung nun, den "Weckruf" verstanden zu haben und will das Gespräch suchen. Allerdings geht nun die große Sorge an der Uniklinik um, dass den Abgewanderten weitere folgen werden. In allen Krankhäusern werden Pflegekräfte gesucht, es herrscht Pflegenotstand. 

Anne Schmidt

Reporterin
Anne Schmidt

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