Nachrichten > Mittelhessen >

Medizinstudium nach 20 Wartsemestern

Mit 3,7er-Abi Medizin studieren - Katharina Wienecke wartete 10 Jahre

© FFH

Endlich: Katharina Wienecke darf ab dem Sommersemester 2019 Medizin studieren!

Frisch aus der Schule werden am 15. April fast 200 aufgeregte Erstis ihr Medizinstudium an der Uni Gießen beginnen. Doch am meisten aufgeregt dürfte die 30-jährige Katharina Wienecke aus Hameln sein. Sie wartet nämlich nicht seit ein oder zwei Semestern auf ihren Studienplatz, sondern seit geschlagenen 10 Jahren. Alles andere habe sie im Kopf gehabt, sagt sie, außer der Schule. So ging sie am Ende mit einem 3,7er Abitur von der Schule. Jetzt endlich ist auch sie an der Reihe.

"Ich habe es immer noch nicht realisiert"

Völlig außer sich war Wienecke an dem Tag, an dem sie die Zusage erhielt: Sie stand an einer Baustellenampel und checkte ihre E-Mails. Da war sie, die so lang ersehnte Nachricht. Sofort schrieb Wienecke in den Familien-WhatsApp-Chat: "Sie müsse nach Gießen umziehen", mehr sagte sie nicht. Ihre Schwester brach am Telefon in Tränen aus, rief sofort ihre Mutter an, die an der Arbeit saß und von all dem noch nichts ahnte. Wienecke erschien weinend an der Arbeit, sodass ihre Kolleginnen schon Schlimmes vermuteten, doch sie konnte stattdessen frohe Botschaft überbringen. Am Abend feierte sie mit ihren Freunden. Das war vor fast einem Monat. Wienecke selbst kann immer noch nicht glauben, dass sie wirklich bald als eingeschriebene Medizinstudentin über den Campus in Gießen spaziert.

Patenkind stachelte sie an

Erst ihr 18-jähriges Patenkind hatte sie wieder motiviert, es nochmal mit dem Medizinstudium zu versuchen. Bei einem Gespräch über seine Zukunft riet sie ihm, Medizin zu studieren. Er konterte: "Studier' du doch Medizin!" Mit einem "Warum eigentlich nicht" bewarb sie sich wieder in Gießen - diesmal erfolgreich.

Nebenjob statt Bafög

Bafög kann Wienecke leider nicht mehr beziehen - mit 30 Jahren ist sie zu alt. Deshalb muss sie neben dem Studium noch an der Uniklink Gießen arbeiten.

Semestermutti

Während ihrer Wartezeit hat Wienecke viel Erfahrung in verschiedenen Ausbildungen im Krankenhaus gesammelt. Erst machte sie eine Ausbildung als Medizinische Fachangestellte und entwickelte dabei schnell Interesse am Operieren. Später machte ihr vor allem die Arbeit an einer Neurologischen Reha-Klinik riesigen Spaß. Sogar auf der Krankenstation eines Kreuzfahrtschiffes arbeitete Wienecke eine zeitlang, aber der ständige Husten und Schnupfen der Patienten langweilte sie. Vielleicht bringt die Berufserfahrung der „Semestermutti“ jetzt einen Vorteil.

nach oben