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Prozess um ausgesetztes Baby: "Er war eiskalt"

Prozess um ausgesetztes Baby - "Das Kind war eiskalt"

© dpa

Die Angeklagte beim Prozessauftakt am Münchner Landgericht mit einer Gebärdendolmetscherin. 

Der Fall hatte im vergangenen August für bundesweite Schlagzeilen gesorgt: Eine Frau aus Gießen soll damals ihr Neugeborenes in München in einer Hecke ausgesetzt haben. Am Dienstag hat dort der Prozess gegen sie begonnen. Die gehörlose Frau muss sich wegen versuchten Mordes verantworten. 

Baby in eine Hecke im Vorgarten gelegt

Die 27-Jährige soll damals hochschwanger nach München gefahren sein, um einen 47 Jahre alten Mann zu treffen, den sie aus dem Internet kannte, so die Anklage der Münchner Staatsanwaltschaft. Sie verbrachte demnach den Abend und die Nacht mit ihm. Am nächsten Morgen soll sie blutend und unter Schmerzen die Wohnung im Stadtteil Neuperlach verlassen und einen kleinen Jungen zur Welt gebracht haben, den sie dann in einer Hecke im Vorgarten des Hauses zurückgelassen haben soll. Die Nabelschnur biss sie nach der Geburt nach Erkenntnissen der Ermittler mit den Zähnen durch. 

Zeugin findet Baby

Eine Fußgängerin fand das Baby wenige Stunden später. "Mir ist fast das Herz stehengeblieben", sagte sie am ersten Prozesstag im Zeugenstand. Sie hat dem kleinen Elias Justus wahrscheinlich das Leben gerettet. "Das Kind war einfach eiskalt. Er lag dort auf der bloßen Erde, ohne Decke. Mir läuft's jetzt noch eiskalt den Rücken runter." Der kleine Junge war unterkühlt, hatte mehrere Knochenbrüche und innere Blutungen. 

Mutter will schweigen

Die Internetbekanntschaft soll die Mutter kurz nach der Geburt zum Bahnhof gebracht haben. Er hat nach eigener Aussage weder bemerkt, dass sie schwanger war, noch dass sie zwischenzeitlich ein Kind geboren hatte. Die Frau will zu den Vorwürfen erst einmal schweigen. Ein Urteil könnte im Juni fallen. 

Miriam Bott

Reporter:
Miriam Bott

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