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Veranstaltungsreihe zu Hexenverfolgung in Marburg

Hexenverfolgung in Marburg - Stadt lädt zu Vorträgen und Workshops

© Stadt Marburg

"Andersartig" heisst das Programm der Stadt zur Hexenverfolgung und zur Volksmagie der Weisen Frauen

Was geschah in Marburg zu Zeiten der Hexenverfolgung? Damit beschäftigt sich die Stadt Marburg in Vorträgen, Workshops und Konzerten in der Reihe „andersartig“ - ab Mitte März bis zum Spätherbst. In den vielen Vorträgen geht es nicht nur um die Verfolgung, sondern auch um das Geheimnis der Weisen Frauen. Das sagte Ruth Fischer, Leiterin des Kulturdezernates Marburg, zur Vorstellung der Veranstaltungsreihe im Rathaus.

Broschüre zur Hexenverfolgung erscheint im Februar

„Der Gedanke ist unerträglich, dass hier an diesem wichtigen demokratischen Ort – sozusagen direkt unter unseren Füßen – Menschen der Hexerei angeklagt, verhört und gefoltert wurden.“ sagt Oberbürgermeister und Kulturdezernent Dr. Thomas Spies beim Blick in das Lochgefängnis im Rathaus. Dass dort zwischen 1517 und 1712 systematisch der Hexerei Beschuldigte verhört, gefoltert und im Namen der damals gültigen Rechtsprechung zum Tode verurteilt wurden, berichtet Dr. Ronald Füssel.

Aus den dunklen Stadtkapiteln lernen

Die Universitätsstadt hatte den freien Historiker beauftragt, eigens für Marburg eine Studie zur Hexenverfolgung anzufertigen. Die liegt nun vor – pünktlich zum Themenjahr „Andersartig. Hexen.Glaube.Verfolgung“ 2020. „Damit Vergleichbares nie mehr geschieht, sollten wir auch aus diesem dunklen Kapitel der Stadtgeschichte lernen“, so Spies.

Ruth Fischer, Kulturdezernat Marburg

"Wir haben werden uns auch mit den Weisen Frauen und mit Kräutern beschäftigen"

2020 startet nun das Gedenkjahr mit einem umfangreichen Programm, an dem auch die Evangelische Kirche, die Philipps-Universität, das Staatsarchiv und die Stadtgesellschaft maßgeblich beteiligt sind. „Andersartig“ ist der Titel, der die Beschäftigung mit dem Thema leitet: Mehr als 100 größere und kleinere Veranstaltungen beleuchten Aspekte rund um Hexenglauben und Verfolgung aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Ringvorlesung und Kinofilme

Von einer wissenschaftlichen Tagung im Archiv über offene Ringvorlesungen an der Universität und Bürger*innenvorträgen im Rathaus bis hin zu Workshops, Konzerten, Ausstellungen, Kinofilmen, Führungen und Angeboten für Kinder. Dazu kommt ab März die Beschäftigung mit der Magie der Kräuter als einem Beispiel für Heilwissen, das Hexen oft zugeschrieben wurde.

120 Hexenprozesse allein in Marburg

Historiker Dr. Ronald Füssel hat recherchiert, dass es in Marburg 120 Hexenprozesse gab, eine Hälfte der Angeklagten stammte aus Marburg, die andere Hälfte aus dem Gerichtsbezirk. In Marburg habe es 24 Todesopfer gegeben – 22 Frauen und zwei Männer. 21 wurden hingerichtet, drei Frauen verstarben in der Haft beziehungsweise während der Tortur. Im Mai wird auch die Studie „Gefoltert. Gestanden. Zu Marburg verbrannt. Hexenprozesse in Marburg“ im Buchhandel erscheinen. 

Anne Schmidt

Reporterin
Anne Schmidt

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