Nachrichten > Mittelhessen, Rhein-Main, Top-Meldungen >

Vielen Arztpraxen in Hessen fehlt Schutzausrüstung

Eine musste schon schließen - Arztpraxen fehlt Schutzausrüstung

Viele Arztpraxen in Hessen ringen jetzt in der Corona-Krise um Schutzkittel und Atemmasken. Eine Praxis habe wegen fehlender Schutzausrüstung sogar schließen müssen, wie die Kassenärztliche Vereinigung auf FFH-Nachfrage mitteilt.

Schutzanzüge aus der Molkerei

Der Gießener Hausarzt Witold Rak erzählt im FFH-Gespräch, dass er kaum noch Schutzkleidung hat und viele Patienten sich derzeit kaum zum Arzt trauten. Er habe Sorge, sich selber oder seine Mitarbeiter könnten sich anstecken. Sein Kollege Tobias Miklody hat sich Atemmasken im Gartencenter geholt, Schutzanzüge aus einer Molkerei. Von öffentlicher Seite komme aktuell nichts mehr nach.

Gießener Ärzte fordern Zentren für Atemwegserkrankungen

Die Gießener Hausärzte fordern jetzt die Einrichtung von ärztlichen Zentren, an die sich Menschen mit Atemwegsbeschwerden wenden können - zur Diagnose und Behandlung und nicht nur zum Coronatest. Das würde die Hausarztpraxen schützen. Viele Patienten, die sich derzeit nicht mehr in die Praxis trauten, würden dann auch wieder ihren Weg zum Arzt finden. Denn andere kranke Patienten, die Hilfe bräuchten, würden im Moment zu wenig Beachtung finden. 

Neue Atemmasken laut Gesundheitsminister im Anflug

Bundesgesundheitsminister Spahn hat aber die Lieferung von mehreren Millionen Schutzmasken nach Deutschland versprochen. Viele Praxen haben ihren Betrieb vor Ort schon so gut es geht heruntergefahren - und wickeln das, was möglich ist, telefonisch ab.

Hausarzt Witold Rak aus Gießen

"Wir brauchen Diagnose und Behandlungszentren für Atemwegserkrankungen"

Hausarzt Tobias Miklody aus Gießen

"Ich habe mir Mundschutz aus dem Baumarkt geholt"

Karl Roth, Kassenärztliche Vereinigung Hessen

"Es gibt Praxen, die deshalb schließen müssen."

Selbstgenähte Masken für Krankenhäuser

Andernorts tun sich Freiwillige zusammen und nähen selbst Atemschutzmasken, zum Beispiel für das St. Vincenz Krankenhaus in Limburg. Die Idee hatte Qualitätsmanager Peter Voss, ein Mitarbeiter holte dann die Landfrauen in der Region ins Boot. Seitdem rattern die Nähmaschinen, 500 Masken entstehen so pro Tag. Verarbeitet werden dafür Stoffreste, zum Beispiel alte Bettlaken. Sie werden mit Draht und Bändern verstärkt.

Peter Voss, Qualitätsmanager des St. Vincenz Krankenhauses Limburg

Für die Masken werden alte Bettlaken verwendet.

© FFH

Psychologischer Effekt

Die Masken werden ab Ende der Woche die rund 1.800 Mitarbeiter der Krankenhäuser in Limburg und Diez tragen. Allerdings haben sie nur einen psychologischen Effekt, sagt Voss. Der Träger schützt damit eher andere vor Infektionen, als sich selbst. 

nach oben