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Bad Zwesten: Camping-Club weist Sinti-Familie ab

Rassismus-Eklat in Bad Zwesten - Camping-Club weist Sinti-Familie ab

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Symbolbild

Große Empörung in Bad Zwesten (Schwalm-Eder-Kreis): Der Camping Club dort wollte nach eigenen Angaben wegen schlechter Erfahrungen pauschal keine Sinti und Roma beherbergen – und hat letzte Woche erst aus diesem Grund eine Sinti-Familie vom Platz geworfen.

"Sowas habe ich noch nicht erlebt"

"Sowas habe ich noch nicht erlebt", sagt Familienvater Robert Unger im FFH-Gespräch. "Dass wir vor meinen Kindern wieder einpacken und zurückfahren mussten - ich war schockiert, dabei wollten wir nur Urlaub machen." Die Familie habe dann wieder ganz zurück nach Paderborn fahren müssen. "Wir leben schon immer in Deutschland, man kann doch nicht alle in einen Sack stecken."

"Ein Skandal"

"Dieser Vorfall ist ein Skandal, dass so etwas im Jahr 2021 in Deutschland noch passiert", sagt Rinaldo Strauß vom Verband Deutscher Sinti und Roma in Hessen im FFH-Gespräch. Wenn man negative Vorfälle mit Angehörigen von Minderheiten erlebt habe, dürfe man das Problem nicht auf die ganze Minderheit übertragen.

Rinaldo Strauß vom Verband der Sinti und Roma: "Ein Skandal"

Camping-Platz-Betreiber: "Das war diskriminierendes Verhalten"

Der Camping Club Kassel, der den Platz betreibt, hat mittlerweile um Entschuldigung gebeten. "Das war diskriminierendes Verhalten. Wir werden versuchen, das wieder gerade zu biegen", sagt Michael Zollmann vom Vorstand des Platz-Betreibers auf FFH-Anfrage. Er gibt zu, dass es eine mündliche Verabredung gab, Sinti und Roma nicht zu dulden. Man habe so auf Sachbeschädigungen in der Vergangenheit reagiert. Diese mehrere Jahre alte Weisung habe man aber jetzt aufgehoben. "Das war einfach zu kurz gedacht", so Zollmann. Andere Fälle dieser Art habe es bisher nicht gegeben.

Verstoß gegen das Grundgesetz

Der Verband der Sinti und Roma in Hessen begrüßt die Entschuldigung. Trotzdem habe der Camping Club gegen das Grundgesetz verstoßen und es gebe noch immer zu viele Vorfälle wie diesen, wo Sinti und Roma benachteiligt werden. Auch Bad Zwestens Bürgermeister Michael Köhler hatte bereits vor der Entschuldigung des Vereins Konsequenzen gefordert. Weil man schlechte Erfahrung mit Einzelnen gemacht habe, dürfe man nicht ganze Gruppen ausschließen, so Köhler im FFH-Gespräch. Wenn sich einzelne danebenbenehmen, müsse das auch einzeln sanktioniert werden. Alles andere sei diskriminierend.  

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