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Apothekerin: "Hatten über 50 Impfpass-Fälschungen"

"Über 50 Impfpass-Fälschungen" - Niestetaler Apothekerin zu Corona-Betrug

© HIT RADIO FFH / RUGE

Anne Schirmer und ihre Kolleginnen in der Sandershäuser Apotheke in Niestal haben nach eigenen Angaben schon über 50 gefälschte Impfpässe entdeckt.

3G am Arbeitsplatz und in der Bahn, 2G in Restaurants oder bei Veranstaltungen: Für Ungeimpfte wird es immer ungemütlicher im Alltag. Einige versuchen sich deshalb, den Impfnachweis illegal zu beschaffen. Eine Apothekerin berichtet im FFH-Gespräch von zahlreichen Betrugsversuchen.

Mit einem gefälschten, gelben Ausweis in der Apotheke den Impfnachweis als QR-Code abholen – wer das schafft, hat seinen falschen Ausweis so gut wie reingewaschen. Und das wird häufig tatsächlich versucht.

Über 50 Betrugsversuche in Niestetaler Apotheke

Zwar spricht das Landeskriminalamt (LKA) Hessen im Zusammenhang mit gefälschten Impfpässen nur von bekannten Fällen im unteren dreistelligen Bereich - zuletzt gab es auch mehrere Razzien in Hessen. Die Dunkelziffer dürfte aber tatsächlich viel höher sein. Alleine in der Sandershäuser Apotheke in Niestetal hätte es schon 50 bis 60 Betrugsversuche gegeben, sagt Filialleiterin Anne Schirmer im FFH-Interview. Darunter auch Stammkunden aller Altersschichten.

"Dann gehe ich eben in eine andere Apotheke"

"Die Menschen, die wir kennen, stammeln dann irgendwas und versuchen dann ganz schnell das Weite zu suchen, andere können aber auch ausfallend werden", so Schirmer. Manche würden ganz dreist sagen: "Dann gehe ich eben in eine andere Apotheke." Viel tun konnte Anna Schirmer da nicht. Jemanden festhalten, bis die Polizei kommt, kam für sie nicht in Frage. Zudem war zuletzt gar nicht klar geregelt, wie eine solche Tat bestraft wird.

FFH-Reporter Marcel Ruge berichtet aus Niestetal

Fälschungen gibt es ab 50 Euro

Die Vertriebswege von gefälschten Impfpässen und Impfausweisen gestalten sich laut LKA vielfältig - darunter fallen Messenger-Dienste sowie Internetforen. Dort finden sich Impfskeptiker, Impfgegner und Menschen, die der Querdenkerszene zugeordnet werden können, so die Polizeibehörde. Preislich beginnen die Angebote laut LKA bereits ab 50 Euro für eine Fälschung. Den Impfausweisen mangele es laut LKA an Sicherheitsstandards, hier müsse nachgebessert werden. Auch sollte niemand Fotos seines Ausweises online posten.

Apothekerin: Situation ist furchtbar

Apothekerin Anna Schirmer findet die Situation furchtbar. Sie hoffe, dass ihr keine Fälschungen durch die Lappen gegangen sind. "Dann würde sich ja einfach ein Ungeimpfter ohne Mundschutz unter eine 2G-Veranstaltung mischen." Auch die Zahlen zu Geimpften auf Intensivstationen könne sie angesichts der Vielzahl von Fälschungen kaum noch glauben. Immerhin: Mit dem geänderten Infektionsschutzgesetz soll es nun auch härte Strafen für Impfass-Fälscher geben.

Marcel Ruge

Reporter
Marcel Ruge

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