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Auftragsmord-Prozess in Kassel: Mann wollte Chef zwei Mal töten lassen

Auftragsmord-Prozess in Kassel - Mann wollte Chef zwei Mal töten lassen

© FFH

Am Kasseler Landgericht geht es ab heute um einen gescheiterten Auftragsmord. 

Vor dem Landgericht Kassel hat am Freitag ein Mammut-Prozess nach einem gescheiterten Auftragsmord begonnen. Der Hauptangeklagte soll unter anderem aus Habgier zwei Mal einen Mord an seinem Geschäftspartner Auftrag gegeben haben.

Die Anklageschrift liest sich wie ein Krimi. Der 56-Jährige soll über 200.000 Euro von der Firma in Vellmar für sich abgezwackt haben.

Opfer lebensgefährlich verletzt

Damit der Chef das nicht herausfindet, beauftragte er - so die Anklage - über Mittelsmänner einen Mord. Beide Anläufe scheitern. Beim ersten Versuch wurde das Opfer bereits schwer verletzt. Beim zweiten Mordversuch erlitt der Mann lebensgefährliche Verletzungen, konnte gerade noch selbst den Notruf absetzen – und so sein Leben retten.

"Mit brachialer Gewalt"

"Es wurde laut Anklage mehrfach mit brachialer Gewalt mit einem Schlagstock und einem Zimmermannshammer auf den Kopf des Geschädigten eingeschlagen - und zwar solange, bis er reglos am Boden liegen blieb", sagt Andreas Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, vor Prozessbeginn zu HIT RADIO FFH. "Es ist ein Glück, dass der Geschädigte überlebt hat." Das Opfer leide bis heute unter Angstzuständen, lag im Koma und musste mehrfach operiert werden.

Thöne: "Mit brachialer Gewalt"

Andreas Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, über den Tatablauf.

Der Hauptangeklagte war angestellter Geschäftsführer, einer Gesellschaft in für Emma. Und er soll über mehrere Jahre hinweg ungefähr zwei Hundert Tausend Euro Gelder veruntreut haben dürfte nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft auch ausschlaggebendes Motiv für die anschließenden Mordversuch gewesen sein.

Thöne: "200.000 Euro veruntreut"

Andreas Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, über das Mordmotiv.

Der vier und zwanzigJährige hat ja mit mit mit brachialer Gewalt mehrfach mit einem Schlagstock und einem Zimmermanns Hammer, so der Anklagevorwurf auf den Kopf des Geschädigten eingeschlagen. Und zwar so lang, bis sehr bewusst und reglos am Boden liegen blieb. Es ist ein Glück, dass der Geschädigte noch überlebt hat. Denn als Sie kurzzeitig das Bewusstsein wiedererlangt, war er noch in der Lage, die Rettungskräfte zu alarmieren.

© HIT RADIO FFH

Angeklagter soll es auch auf Erbe abgesehen haben

Dem Hauptangeklagten ging es offenbar aber nicht nur um die Verdeckung von früheren Straftaten, er wollte laut Staatsanwaltschaft auch noch Profit aus dem Mord ziehen. So soll er im Testament des Opfers mit einem sechsstelligen Euro-Betrag bedacht worden sein. Zudem soll der 56-Jährige einen Aufhebungsvertrag gefälscht haben, um durch Abfindung- und Sonderzahlung noch einmal 200.000 Euro zu kassieren. Für die Mordaufträge sollen mehrere tausend Euro an die anderen Tatbeteiligten gezahlt worden sein.

Urteil fällt wohl erst im nächsten Jahr

Zum Prozessauftakt kommt der Hauptangeklagte frisch rasiert im weißen Hemd. Er trägt eine Brille und grau-melierte Haare. Angeklagt sind insgesamt sechs Männer zwischen 24 und 56 Jahren. Sie kommen unter anderem aus Kassel, Wiesbaden und Fulda. Zunächst war laut Staatsanwaltschaft nur von fünf Männern die Rede. Ein Urteil wird erst nächstes Jahr erwartet.

Marcel Ruge

Reporter
Marcel Ruge

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