Nachrichten > Nordhessen, Top-Meldungen >

Wilke-Wurst-Skandal: Produktliste veröffentlicht

Wilke-Wurst-Skandal - Ministerium veröffentlicht Produktliste

Nach zwei Todes- und mehreren Krankheitsfällen durch keimbelastete Wurst hat das hessische Verbraucherschutzministerium am Montagnachmittag eine Liste veröffentlicht, mit Produkten die von der Wilke-Wurst betroffen sind.

Demnach sind alle Eigenmarken der Firma Wilke mit dem Identitätskennzeichen "DE EV 203 EG", ebenso folgende Marken und Handelsnamen, sofern sie das Identitätskennzeichen „DE EV 203 EG“ tragen, betroffen:

  • Haus am Eichfeld
  • Metro Chef
  • Service Bund „Servisa“
  • CASA
  • Pickosta
  • Sander Gourmet
  • Rohloff Manufaktur
  • Schnittpunkt
  • Korbach
  • ARO
  • Findt
  • Domino
  • Wilke

"Foodwatch" fordert Liste mit allen belieferten Betriebe

Heute läuft das Ultimatum der Verbraucherorganisation Foodwatch ab. Diese hatte am Sonntagmittag einen Eilantrag an hessische Behörden gestellt, binnen maximal 48 Stunden die Namen der vom Rückruf betroffenen Produkte und Verkaufsstellen herauszugeben. Diese Forderung sehe man bisher nicht erfüllt, sagte Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Ob der Klageweg Sinn macht, wollte Foodwatch noch prüfen.

Auch IKEA betroffen

Auch der Möbelkonzern Ikea ist vom Rückruf betroffen. Über einen Großhändler habe Ikea Deutschland Wurst-Aufschnitt für Kunden- und Mitarbeiterrestaurants von diesem Hersteller erhalten, sagte eine Sprecherin des Möbelkonzerns. Sie bestätigte damit entsprechende Angaben der Verbraucherorganisation foodwatch. Ikea war nach eigenen Angaben am Mittwoch durch den Großhändler über die Schließung von Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH informiert worden.

"Aus diesem Grund haben wir als Vorsichtsmaßnahme den Verkauf aller Produkte des Herstellers umgehend gestoppt", sagte die Sprecherin. Nicht betroffen sei das übrige Fleisch- und Wurstwaren-Sortiment aus dem Restaurant, dem Schwedenshop und dem Bistro. Mittlerweile gebe es einen neuen Lieferanten für Aufschnitt.

Andreas Winkler von «foodwatch» zu den Wilke-Produkten bei IKEA...

Andreas Winkler von «foodwatch» rät den Verbrauchern...

© Audio: HIT RADIO FFH / Bild: foodwatch/Darek Gontarski

Wurst könnte noch im Umlauf sein

Die Organisation "Foodwatch" sieht Gefahr im Verzug. Es sei als äußerst wahrscheinlich zu betrachten, "dass sich vom Rückruf betroffene Produkte der Firma Wilke noch im Umlauf" befänden, heißt es in dem Antrag. In den Produkten des Herstellers Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG aus Twistetal waren mehrfach Listerien-Keime nachgewiesen worden.

Liste gibt es, aber nicht öffentlich

Nach Angaben des zuständigen Landkreises Waldeck-Frankenberg hat die Firma mittlerweile der Schnellwarnstelle beim Regierungspräsidium Darmstadt eine Liste der belieferten Betriebe zur Verfügung gestellt. Die Schnellwarnstelle habe diese europaweit an alle Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsbehörden verteilt, heißt es auf der Website des Landkreises mit Verwaltungssitz in Korbach.

Landkreis verspricht Aufklärung

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hatte am Samstag versprochen, alles für die Aufklärung des Wurstskandals zu tun. In einer Mitteilung vom Nachmittag heißt es, man werde den Vorgang auch intern ohne Wenn und Aber aufarbeiten. „Wir bedauern die Vorfälle außerordentlich. Die Kreisverwaltung und die ganze Region sind bestürzt und geschockt, dass Menschen durch die Zustände in einer in unserem Kreis ansässigen Firma zu Schaden gekommen sein sollen“, sagt Landrat Dr. Reinhard Kubat. Im Moment werde mit Hochdruck an der Aufklärung der Vorgänge gearbeitet.

Insolvenz beantragt

Die Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH ist unterdessen auch in wirtschaftliche Schieflage geraten. Das Unternehmen habe die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Korbach. In einem solchen Verfahren werde geprüft, ob die Voraussetzungen zur Durchführung eines Insolvenzverfahrens vorliegen.

foodwatch kritisiert die Firma Wilke und die Behörden

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch, im FFH-Gespräch.

Martin Rücker von foodwatch kritisiert die Informationspolitik.

© Audio: HIT RADIO FFH / Bild: foodwatch/Darek Gontarski

Probleme beim Rückruf

Wegen des Feiertags am Donnerstag hatten die Behörden teilweise Schwierigkeiten, die betroffenen Händler zu erreichen. In Köln zum Beispiel erreichte die Stadt erst am Freitag alle betroffenen Großhändler - drei Tage nach der Schließung des nordhessischen Betriebs.

"Wegen des Feiertags wurden vom Verbraucherschutzamt nicht alle Großhändler unmittelbar erreicht", teilte die Stadt Köln mit. Die Großhändler seien von der Stadt aufgefordert worden, "alle Abnehmer/Kunden der bereits ausgelieferten Ware zu benachrichtigen".

Die Pflicht, über einen Produktrückruf zu informieren, liege aber auch in erster Linie bei den Groß- und Zwischenhändlern selbst, erläuterte ein Sprecher des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW. Aufgabe der Ämter sei es lediglich, zu kontrollieren, ob dieses System auch funktioniert.

Am Freitag hatte bereits die Kölner Uniklinik Fehler nach dem Rückruf der Wilke-Wurstwaren eingeräumt. Einige Reha-Patienten hätten trotz des Rückrufs noch Wurstwaren der Firma Wilke bekommen, hatte die Klinik mitgeteilt.

Uniklinik Köln hatte Wurstwaren trotzdem verwendet

Das Universitätsklinikum Köln hat nach dem Rückruf von Wurstwaren durch den hessischen Hersteller Wilke einen Fehler bei einer Tochtergesellschaft eingeräumt. "Aufgrund der Kurzfristigkeit und des Zeitpunktes der Information ist es im Zusammenhang mit unserer Tochtergesellschaft UniReha zu einem Fehler innerhalb der Speisenversorgung gekommen, so dass einigen Reha-Patienten dennoch Wurstware der Firma Wilke angeboten worden ist", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Uniklinik Köln.

Kreis sieht Informationspflicht bei Wilke

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg sagt im FFH-Gespräch, man sehe die Informationspflicht beim Verursacher, also der Firma Wilke. Weiter heißt es, ein Jurist werde jetzt auf die Herausgabe einer Liste mit betroffenen Produkten drängen - oder erwirken, dass die Firma Wilke selbst diese Informationen veröffentlicht.

Wilke-Produkte wurden welt- und bundesweit ausgeliefert

Behörden hatten zuvor erklärt, eine solche Rückruf-Liste sei nicht nötig, da alle Produkte von Wilke als solche deklariert seien. Waren unter anderen Markennamen seien nicht bekannt. Das Unternehmen selbst hatte in einer Mitteilung vom Mittwoch alle Waren mit der Kennzeichnung "DE EV 203 EG" zurückgerufen. Es erklärte aber auch, dass Produkte in loser Form an Fleischtheken und Küchen in Krankenhäusern und Kantinen geliefert wurden. Laut Behörden wurden Wilke-Produkte über alle Bundesländer verteilt und auch weltweit ausgeliefert.

Dr. Christoph Specht im FFH-Interview

Was sind eigentlich Listerien und wie kann ich mich schützen?

Listerien für geschwächte Personen gefährlich

Listerien sind in der Natur häufig vorkommende Bakterien. Nur sehr wenige Menschen, die Listerien aufnehmen, erkranken an der so genannten Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Personen: Neugeborene, alte Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Transplantierte und Schwangere. Bei ihnen und bei Ungeborenen kann Listeriose zum Tod führen.

Beide Todesfälle seien ältere Menschen aus Südhessen gewesen, so der Pressesprecher des Landkreises Waldeck-Frankenberg, Hartmut Wecker, zu HIT RADIO FFH. Allerdings würden derzeit 37 Krankheitsfälle beobachtet. Auch sie hingen möglicherweise mit Wilke-Produkten zusammen.

Landrat Kubat am FFH-Mikro: "Fälle sind eindeutig Wilke zuzuordnen".

© FFH

Schon länger Beanstandungen

Gegenüber HIT RADIO FFH bestätigte Wecker, dass es bereits im März Beanstandungen und einen Listerien-Befund gegeben habe. Damals habe es bereits eine Inspektion gegeben. Dennoch gebe es weitere Fälle von Verunreinigung. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt. 

Landrat Kubat begründet den Rückruf am FFH-Mikro.

© FFH
nach oben