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Lübcke-Prozess: Angeklagter schweigt zum Auftakt

Lübcke-Prozess in Frankfurt - Mutmaßlicher Mörder schweigt zum Auftakt

Am ersten Prozesstag im Mordfall Lübcke hat sich der Angeklagte Stephan Ernst in Schweigen gehüllt. Am Nachmittag verlies die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift: Detailliert wurde darin beschrieben, wie der mutmaßliche Täter bei dem Mord an Walter Lübcke vorgegangen sein soll. Der Neonazi und sein Komplize Markus H. sollen aus rechtsextremistischen Motiven gehandelt haben. Die Tat sei heimtückisch erfolgt, so der Vertreter des Generalbundesanwalts.

Anträge der Verteidigung verzögern Prozessauftakt

Zum Prozessauftakt hatten die Verteidiger der beiden Angeklagten das Gericht mit Anträgen überzogen. Die Verteidiger des mutmaßlichen Mörders, Stephan Ernst, forderten schon kurz nach Beginn eine Aussetzung der Verhandlung. Zudem stellten sie einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter. Anwalt Frank Hannig begründete den Antrag auf Aussetzung der Verhandlung unter anderem damit, dass der Gesundheitsschutz wegen der Corona-Pandemie nicht gewährleistet und der Zugang der Öffentlichkeit zu dem Prozess stark eingeschränkt sei.

Auch Anwältin von Markus H. stellt Antrag auf Verfahrensaussetzung

Auch die Verteidiger des Mitangeklagten Markus H. stellten mehrere Anträge. Die zweite Pflichtverteidigerin von H., Nicole Schneiders, forderte, das Verfahren auszusetzen oder für mehrere Wochen zu unterbrechen. Sie begründete das unter anderem damit, dass nicht alle Akten in der kurzen Zeit vor dem Prozess gelesen werden könnten.

Lübcke als Hassfigur der extremen Rechten

Beide Angeklagte haben eine rechtsextremistische Vergangenheit und darin soll laut Anklage auch das Motiv für den Mord liegen: Lübcke hatte sich 2015 für die Aufnahme von Flüchtlingen ausgesprochen und war so zu einer Hassfigur der extremen Rechten geworden. Drohungen, Hass und Hetze im Internet waren die Folge. Vor gut einem Jahr wurde der CDU-Politiker auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen aus nächster Nähe erschossen.

Stephan Ernst zog Geständnis zurück

Zwei Wochen später wurde der Tatverdächtige Stephan Ernst festgenommen. Er gestand den Mord zunächst und führte die Ermittler zu einem Waffendepot, wo auch die Tatwaffe gefunden wurde. Später dann zog Ernst sein Geständnis zurück und beschuldigte seinen mutmaßlichen Komplizen Markus H.. Dieser habe die Waffe gehalten. Der Schuss habe sich nur versehentlich gelöst, so die neue Aussage des Tatverdächtigen.

Markus H. als Komplize vor Gericht

Die Anklage dagegen geht davon aus, dass der Mitangeklagte Markus H. Stephan Ernst bei der Planung bestärkt und auch den Kontakt zu einem Waffenhändler hergestellt hat.

Nebenklage: "Wir wollen alle Umstände zur Mordtat erfahren"

Rechtsanwalt Holger Matt vertritt Familie Lübcke als Nebenkläger

"Teilnahme am Prozess als Zeichen gegen Hass und Gewalt"

Dirk Metz, Sprecher der Familie Lübcke

Großes Medieninteresse

Hunderte Journalisten aus dem In- und Ausland hatten sich für den Prozessauftakt angemeldet, doch wegen Corona wurden nur die allerwenigsten in den Gerichtssaal zugelassen. Zwar findet der Prozess im größten Frankfurter Gerichtssaal statt, doch auch dort gibt es nur 19 Plätze für die Berichterstatter.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Eine Verlegung in einen größeren Saal außerhalb des Gerichts wurde verworfen, "weil die für ein Staatsschutzverfahren erforderliche Sicherheit dort nicht in ausreichendem Maße hergestellt werden kann", begründete das Gericht. 30 Verhandlungstermine sind bis Ende Oktober bereits angesetzt. Es gelten umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen: Mobiltelefone, Laptops und andere Gegenstände dürfen nicht mit in den Saal genommen werden.

FFH-Reporter Andreas Kohl berichtet vom Prozess

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