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Mehrwertsteuer sinkt für ein halbes Jahr

Weniger Steuern beim Einkaufen - Mehrwertsteuer sinkt für ein halbes Jahr

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Viele Einkäufe im Supermarkt, Möbelhaus oder Elektromarkt sollen für ein halbes Jahr billiger werden. Dafür sinkt der Mehrwertsteuersatz ab heute bis zum 31. Dezember von 19 auf 16 Prozent. Der ermäßigte Satz, der für viele Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs gilt, wird von 7 auf 5 Prozent reduziert. Die Menschen in Kassel sind unsicher, ob die Senkung wirklich etwas bringt. Die Verbraucherzentrale Hessen appelliert an Unternehmen und Dienstleister, den Nachlass weiter zu geben. Strom- und Gas-Kunden sollten sicherheitshalber ihren Zählerstand ablesen und fotografieren.

Günstiger wird es für die Verbraucher nur, wenn der Einzelhandel die Steuersenkung auch weitergibt und die Preise senkt. Viele Läden haben das angekündigt, teils waren bereits am Montag niedrigere Preise ausgezeichnet.

Opposition hat Zweifel

Trotzdem zweifelt die Opposition, dass genügend Einzelhändler mitziehen. Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht zitierte im Bundestag Studien, nach denen nur 15 Prozent der Steuersenkung wirklich beim Verbraucher ankommen.

Appell der Verbraucherzentrale

Die Unternehmer und Dienstleister müssen den Nachlass weitergeben, sagt Katharina Lawrence von der Verbraucherzentrale Hessen. "Wir als Verbraucher können nicht einfach die Rechnung kürzen und deshalb der Appell: Macht die Preise billiger!", so Lawrence weiter.

Verbraucherzentrale: "Macht die Preise billiger"

Katharina Lawrence von der Verbraucherzentrale Hessen sagt, dass die Unternehmen die Senkung weitergeben müssen und appelliert: "Macht die Preise billiger"

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Symbolbild

Bürger müssen trotz Krise mehr kaufen

Einen Anschub für die Konjunktur bringt die Steuersenkung auch nur, wenn die Bürger mehr einkaufen und teure Anschaffungen trotz Krise ein paar Monate vorziehen. Deshalb will Finanzminister Scholz auch unbedingt im Januar zum alten Steuersatz zurückkehren - sonst verpuffe der Effekt, befürchtet er.

Im Alltag gibt es nur wenig Ersparnis

Beim Lebensmitteleinkauf dürfte der neue Steuersatz nur wenige Cent Ersparnis bringen. Größer ist der Unterschied bei teuren Anschaffungen wie einer Waschmaschine. Nach Rechnung der FDP spart ein durchschnittlicher Haushalt aber nur 30 Euro im Monat.

"Die wenigsten werden darauf achten"

Die Mehrheit der Bürger (57 Prozent) fühlt sich dadurch nicht zum Geldausgeben ermuntert, wie eine aktuelle Umfrage des Yougov-Instituts ergab. Und auch eine FFH-Umfrage in Kassel zeigt: Die meisten Befragten glauben, dass der Effekt gering ist.

FFH-Umfrage: Kaufen Sie jetzt mehr ein?

Die Menschen in Kassel glauben am FFH-Mikro dass der Effekt der Senkung eher gering ist

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Strom- und Gaszähler ablesen

Auch Energieversorger müssten für die Zeit von Juli bis Dezember die Mehrwertsteuersenkung an ihre Kunden weitergeben, schreibt die Verbraucherzentrale NRW. Dabei gelte, was die Unternehmen im Kleingedruckten ihrer Strom- oder Gaslieferverträge vereinbart haben. Sieht der Vertrag vor, dass Preisänderungen zeitanteilig berechnet werden, müsse der Anbieter den Energieverbrauch in der Schlussrechnung aufteilen und für Juli bis Dezember 2020 anteilig die 16-prozentige, für die übrigen Monate die 19-prozentige Mehrwertsteuer ansetzen.

Sonst wird geschätzt

"Wir raten dazu, den Strom- und Gaszähler zum 30. Juni 2020 abzulesen und zu Beweiszwecken ein Foto vom Zählerstand per E-Mail an den Versorger zu schicken", schreibt die NRW-Verbraucherzentrale. Liegen keine Werte vor, werde der Verbrauch geschätzt.

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