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Gastro in Hessen sucht jetzt Mitarbeiter

FFH-Stichprobe im Gastrogewerbe - Branche kämpft um Kunden und Aushilfen

© FFH

Kaffee trinken im Cafe in Wiesbaden - geht endlich wieder 

In ganz Hessen dürfen die Gastwirte ihre Restaurants wieder öffnen - draußen wie drinnen. Viele Biergärten sind längst wieder voll, dennoch kämpfen die hessischen Gastwirte auch mit den Folgen der Coronakrise.

Gerade Aushilfskräfte sind abgesprungen, Umsätze liegen deutlich unter Vor-Corona-Niveau, manchen Gäste behagt die Testpflicht nicht - das zeigt eine FFH-Stichprobe. Trotzdem: die meisten Gastwirte blicken demnach zuversichtlich in die Zukunft.

Start mit angezogener Handbremse

"Wir haben einen Restart mit angezogener Handbremse", sagte der Präsident des Branchenverbandes Dehoga Hessen, Gerald Kink, denn gerade die Testpflicht für die Innenräume der Lokale sei ein großer Hemmschuh. Nach einer Dehoga-Umfrage unter 600 Hoteliers und Gastronomen aus Hessen sei die Außengastronomie wieder zu 70 Prozent in Betrieb. Jeder zweite Gastwirt habe die Innenräume aber noch geschlossen, da die Testpflicht Gäste vom Besuch abhalte. Die Gastronomen fordern deshalb, die Testpflicht zu streichen. Zudem planten viele Betriebe, ihre Öffnungszeiten weiterhin einzuschränken und nach einem zweiten auch einen dritten Ruhetag pro Woche einzuführen.

FFH-Reporter fragen nach

Die FFH-Reporter haben bei Gastwirten in ganz Hessen nachgefragt, wie Auslastung und Umsätze sind. Was die Gäste bemängeln und ob alle Mitarbeiter zum Ende des Lockdown noch an Bord sind.

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Der Gasthof zur Sonne in Marburg legt wieder los! 

Mittelhessen

Im Limburger Burgkeller sagte uns Geschäftsführer Roman Bender, dass die Gäste auch gerne im Innenraum Tische buchen würden. Allerdings seien aufgrund der Abstandsregelungen, die Umsätze geringer als vor Corona. Der Burgkeller in Limburg ist auf Mitarbeitersuche, weil vor allem Studenten sich während des Lockdowns umorientiert hätten, viele würden jetzt zum Beispiel in Supermärkten jobben. 

Im Geschmacksverkehr Gießen trifft FFH Geschäftsführer Cihan Akths. Nach einer ruhigen Anfangswoche, brumme der Laden nun - "als ob jeden Tag Wochenende gewesen wäre". Entsprechend gut seien die Umsätze, zumal die Menschen die Kontakt- und Testpflicht entspannt mitmachen würden. Bei minimal erhöhten Preisen will das Geschmacksverkehr nun zwei weitere Locations in Gießen eröffnen und sucht hierfür bereits Mitarbeiter. Aus der Kurzarbeit seien bereits alle Mitarbeiter zurückgeholt.

Im Gasthaus zur Sonne in Marburg stehen die Zeichen ebenfalls auf Vollgas: Die Festangestellten seien bereits zurück aus der Kurzarbeit, deshalb müsse jetzt auch kräftig Umsatz gemacht werden, sagte Geschäftsführer Enrico Tontara. Mit der Einstellung neuer Aushilfen halte man es noch vorsichtig. Die Preise im Gasthof zur Sonne sind stabil geblieben, obwohl das Restaurant sich eine neue Außenfassade gegönnt hat. 

Nordhessen

Im Restaurant Pelikan im Werra-Meißner-Kreis ist die Zufriedenheit durchwachsen, da die Außengastro zwar gut angenommen wird, die Innengastro aber bislang deutlich schlechter. Ähnlich ist die Stimmung im Brauhaus Fritzlar im Schwalm-Eder-Kreis. Der große Außenbereich könne mehr Gäste vertragen, heißt es. Die Bar Mayakoba in Kassel ist auf Mitarbeitersuche, vor allem, weil jetzt auch die Innengastro wieder öffnen darf in Kassel. Preise und Öffnungszeiten seien aber gleich geblieben. 

Enrico Tontara (Zur Sonne, Marburg): "Noch sind die Touristen nicht wieder da"

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Das Restaurant "Der kleine König" in Wiesbaden

RheinMain

Im Cafe Marcello in Offenbach freuen sich Betreiber und Kellner, dass die Normalität zurückkommt und berichten, dass viele Leute überraschend gut informiert gewesen seien, was Tests angehe. Der Umsatz verlaufe also wie vor dem Lockdown. So gut ist die Stimmung in den ersten Öffnungstagen im Restaurant Hofbrauhaus in Hanau-Steinheim nicht. Der Umsatz sei noch nicht auf Vor-Corona-Zeit und zu Beginn habe das kalte Wetter die Leute von der Außengastro abgeschreckt. Das Hofbrauhaus sucht nun Mitarbeiter für die Sommersaison. 

So unterschiedlich ist die Welt der Gastronomen. Im Cafe Extrablatt in Bad Homburg trifft FFH auf zufriedene Gesichter: Wir machen guten Umsatz. An den Wochenende komme man draußen fast nicht hinterher. Deshalb will das Cafe nun eine Kampagne starten, um Mitarbeiter zu werben. 

Wiesbaden/Mainz

Mitarbeiter, das ist auch das Thema in der Weinpump in Eltville im Rheingau. Wirt Meziu konnte einen Koch über persönliche Kontakte finden. Im Service sei es aber schwieriger geworden, Studenten anzuheuern, denn die, so Meziu "zeigen heute lieber Turnschuhe als Influencer auf Insta." Deshalb hat die Weinpump derzeit nur den gut gefüllten Außenbereich geöffnet.

Osthessen

In Osthessen hat die Innengastro erst seit kurzem geöffnet. Doch wo immer erlaubt, versuchen die Gastwirte auch Innen- wie Außengastro anzubieten. 

Das Restaurant Peterchens Mondfahrt auf der Wasserkuppe hofft, dass mit steigenden Temperaturen, mehr Gäste kommen. In den ersten kühlen Tagen seien die Umsätze doch sehr verhalten geblieben, sagt Geschäftsführer Boris Kiauka. Sein Team hat sich verändert: Einige Mitarbeiter hätten während der Kurzarbeit gekündigt und sich beruflich neu orientiert, andere seien wieder voll dabei. "Wir warten, aber auf lange Sicht werden wir uns nach neuen Mitarbeitern umsehen müssen", so Boris Kiauka. Allerdings sei vielen Gästen die Testerei zu umständlich. 

Im Fuldaer Haus in Poppenhausen sagt uns Inhaberin Jutta Rau, dass die Umsätze noch bei 25 - 30 Prozent vom letzten Jahr lägen. Auch die Testerei schrecke die Gäste ab. Von den 30 Mitarbeitern, die mal beim Fuldaer Haus gearbeitet haben, sind noch 10 übrig, von denen alle in Kurzarbeit waren. "Die 10 Mitarbeiter, die wir noch haben, sind uns zum Glück treu geblieben. Wir haben ihren Lohn zusätzlich zur Kurzarbeit aufgestockt. Ansonsten finde ich einfach keine Leute. Viele haben sich was anderes gesucht und wollen auch nicht mehr in die Gastronomie. Ich muss nun wirklich suchen, um wieder ein tolles Team zusammen zu kriegen", so Rau. Das Fuldaer Haus hat die Außengastronomie erweitert, mit Wärmeschirmen ausgestattet. Für die Innengastronomie wurde die Karte in eine Mittags- und Abendkarte gesplittet, um mit weniger Personal auszukommen. Preise mussten etwas angehoben werden.

Das thailändische Restaurant Chaang Noi in Fulda hat bislang nur die Außengastronomie geöffnet, da der kleine Innenraum sich angesichts vorgegebener Abstandsregelungen nicht lohnen würde. Auch hier werden derzeit studentische Aushilfskräfte gesucht. 

Jutta Rau (Fuldaer Haus in Poppenhausen): "Neue Mitarbeiter zu finden ist gerade wahnsinnig schwierig"

Boris Kiauka (Peterchens Mondfahrt auf der Wasserkuppe): "Nicht alle Gäste haben Verständnis für den Nachweis eines negativen Corona-Tests."

Nur etwa die Hälfte der Gäste können einen negativen Test vorweisen.

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Südhessen

Das Restaurant Burg Frankenstein ist über den langsamen Start gar nicht unglücklich. Ralph Eberhardt sagt uns: "So konnte man nach der langen Zwangspause erstmal wieder reinkommen und kleinere Fehler beheben."

Das Restaurant Treuschs Schwanen in Reichelsheim freut sich dagegen über eine gute Auslastung. Manche Leute hätten ein Problem damit Tests zu machen, die würden dann aber draußen sitzen. Als Mitarbeiter habe man sowieso nur Festangestellte, deswegen suche man niemanden. Auch eine Änderung der Preise oder der Öffnungszeiten gibt es nicht.

Im Restaurant Bootshaus Fuchsbau in Stockstadt am Rhein beklagt man sich über die niedrige Auslastung gerade unter der Woche. Am Wochenende kämen mehr Gäste. Man suche nach einem Koch, der alte habe sich während Corona einen anderen Job gesucht. Durch die hohen Verluste werde man die Preise der Speisen etwas erhöhen.

Ralph Eberhardt (Burg Frankenstein): "Wir brauchten Vorlauf"

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Anne Schmidt

Reporterin
Anne Schmidt

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