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Schüsse in Wächtersbach: Aufruf zu Wachsamkeit

Nach Schüssen in Wächtersbach - Bürgermeister ruft zu Wachsamkeit auf

Der Täter ist tot, doch der Schuss auf einen 26-jährigen Eritreer im hessischen Wächtersbach hat nicht nur im Ort viele aufgerüttelt. "Dass ein Mensch einzig wegen seiner Hautfarbe auf offener Straße angeschossen wird, ist entsetzlich", sagte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Es sei unsäglich, "wenn aus rassistischer Hetze Gewalt entsteht". Die Sicherheitsbehörden täten alles, "um diese augenscheinlich fremdenfeindlich motivierte Straftat in Wächtersbach und ihre Hintergründe restlos aufzuklären".

Aufruf zu mehr Wachsamkeit

Der Bürgermeister von Wächtersbach rief unterdessen zur Wachsamkeit auf. "Jeder sollte hellwach sein. Wenn etwa bei einem Kneipen-Gespräch Drohungen ausgesprochen werden, sollte das bei der Polizei gemeldet werden. Das sollte nicht überhört werden mit dem Gedanken: Das macht der eh nicht. Solche Signale sollten ernst genommen werden", sagte Rathaus-Chef Andreas Weiher (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Laut Medienberichten soll der Täter die Tat in einer Kneipe angekündigt haben. 

Opfer wegen seiner Hautfarbe ausgewählt 

Das Opfer sei "aufgrund seiner Hautfarbe" ausgewählt worden, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Alexander Badle. Abgesehen davon sei der 26-Jährige wohl zufällig Opfer des Täters geworden. Er war am Montagnachmittag offenbar zur falschen Zeit am falschen Ort und wurde zum Ziel des 55-jährigen mutmaßlichen Schützen Roland K.. Dieser hatte wohl von Anfang an vor, sich nach der Tat das Leben zu nehmen, so die Generalstaatsanwaltschaft zu HIT RADIO FFH. Die Polizei fand bei Durchsuchungen einen entsprechenden Abschiedsbrief. 

Ein Nachbar von Roland K. in Biebergemünd sagte zu FFH: Der Mann sei schon häufiger durch fremdenfeindliche Sprüche aufgefallen. 

Wer war der mutmaßliche Schütze?

Schüsse in Wächtersbach: Aufruf zu Wachsamkeit

Nachbar Michael Munsberg erzählt unserem Reporter vor Ort...

© FFH

Waffen gefunden

Bei einer Durchsuchung der Wohnung des mutmaßlichen Schützen konnten die Ermittler drei Waffen sicherstellen, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Alexander Badle. Dabei handele es sich um eine halbautomatische Pistole und zwei Langwaffen. Zuvor hatten Einsatzkräfte bereits im PKW des mutmaßlichen Schützen zwei halbautomatische Schusswaffen gefunden. Eine weitere Schusswaffe habe der Mann kurz vor der Tat verkauft. Der Käufer sei bereits ausfindig gemacht und die Waffe sichergestellt worden. Sämtliche Waffen habe der mutmaßliche Schütze legal besessen. Er war Mitglied in einem Schützenverein.

 

Alexander Badle, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft am FFH-Mikro

Schüsse in Wächtersbach: Aufruf zu Wachsamkeit

Die Ermittler gehen von Fremdenfeindlichkeit als Motiv aus.

© FFH

Schützenverein: "Er hat sich immer korrekt verhalten"

"Wir sind erschrocken und total überrascht. Damit war nicht zu rechnen", sagte Hans-Georg Jost, Vorsitzender des Schützenvereins Neudorf 61, der Deutschen Presse-Agentur. Der 55-jährige sei im Verein nicht negativ aufgefallen: "Er hat sich immer korrekt, freundlich und vorbildlich verhalten", so Jost. "Zu seiner Gesinnung kann ich nichts Negatives sagen. Er hat sich politisch nie verdächtig geäußert".

In jüngster Zeit habe er die Lust am Schießsport verloren. Er sei nur noch selten gekommen. "Er wollte aufhören und seine Waffen verkaufen", sagte Jost. Er betonte, unter den 200 Mitgliedern des Vereins habe es keine fremdenfeindlichen Äußerungen gegeben: "Wir sind alles Schützenbrüder - da sind auch Ausländer dabei. Diskriminierungen gibt es da nicht." 

In Kneipe über Tötungsabsichten gesprochen?  

Vor der Tat soll Roland K. noch in seiner Stammkneipe in Biebergemünd gewesen sein. Der Wirt sagte zu FFH, er sei "ganz normal" gewesen und es sei nichts Ungewöhnliches passiert. "Er hat seine zwei, drei Bier getrunken und ist wieder heim.", sagte uns der Wirt. In der Vergangenheit sei von Roland K. aber hin und wieder der Spruch gekommen: "Wenn er mal das Zeitliche segnet, nimmt er einen mit". 

Schütze war vor der Tat noch in seiner Stammkneipe

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Der Wirt berichtet im FFH-Interview über seine Eindrücke... 

© FFH

Zustand des Opfers stabil 

Der verletzte Eritreer ist nach dem Bauchschuss laut Polizei sofort in ein Krankenhaus gekommen, wo er operiert worden sei. Sein Zustand habe sich stabilisiert. Der mutmaßliche Schütze sei später von Polizisten in einem Auto in Biebergemünd lebensgefährlich verletzt aufgefunden worden und kurz darauf gestorben. Nach bisherigen Erkenntnissen hat sich der 55-jährige Deutsche mit einem Kopfschuss getötet.

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