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Hessens Kitas öffnen im Regelbetrieb

Rückkehr zum Regelbetrieb - Hessens Kinder dürfen wieder in die Kitas

© FFH

Ein FFH-Kita-Präsentkorb für die Kita Eschbachtal (v.r.n.l.: Leiter Christian Röder, Katharina Pleines und Piera Löw). 

Darauf haben viele Eltern in Hessen gewartet: Ab heute dürfen auch Erst-, Zweit- und Drittklässler zurück in die Schule. Und in den Kitas beginnt der - wenn auch noch eingeschränkte - Regelbetrieb. Nicht alle Kita-Kinder bekommen dabei direkt wieder einen Betreuungsplatz - und es gelten Auflagen. In Hessen gibt es laut Landesregierung rund 4300 Kitas, in denen normalerweise rund 278 000 Kinder betreut werden.

Kita-Besuch mit Auflagen

Einzelheiten zum "eingeschränkten Regelbetrieb" und zu Hygienemaßnahmen sind in einer Verordnung des Sozialministeriums geregelt. So ist gründliches Händewaschen für Kinder und Beschäftigte Pflicht, beispielsweise nach dem Betreten der Kita, vor und nach dem Essen, vor und nach dem Toilettengang und vor dem Aufsetzen und nach dem Abnehmen einer Schutzmaske. Die Kinder sollen altersgerecht die Hygieneregeln lernen und spielerisch einüben, wie sie sich am besten ihre Hände waschen. Eine Maskenpflicht sieht die Verordnung weder für Kinder noch für Mitarbeiter vor.

Riesige Herausforderung für Kommunen und Träger

Für die Kommunen und die Träger der Kitas ist das eine riesige Herausforderung, denn die Landesregierung hat ihnen die Entscheidung überlassen, in welchem Umfang die Kitas geöffnet werden. Die Verantwortlichen vor Ort müssen den Infektionsschutz der Kinder und der Beschäftigten in der Corona-Pandemie abwägen gegen den Wunsch vieler Familien nach einem verbesserten Betreuungsangebot.

Zum Start des "eingeschränkten Regelbetriebs" macht sich Sozialminister Kai Klose (Grüne) in der Kita am Sana Klinikum in Offenbach ein Bild über die aktuelle Situation. Eltern fordern derweil eine komplette Öffnung der Kitas.

Kritik: "Minimale Erweiterung des Notbetriebs"

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert den Beginn des eingeschränkten Regelbetriebs in hessischen Kindertagesstätten als zu zaghaft. "Was uns die hessische Landesregierung als Öffnung der Kitas und Schulen verkauft, ist in Wahrheit nicht mehr als eine minimale Erweiterung des Notbetriebs", monierte Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen. "Eltern bekommen dadurch kaum mehr Planungssicherheit, wenn sie ihre Kinder beispielsweise an zwei Tagen in der Woche für jeweils drei Stunden in die Betreuung geben können."

Auch viele Eltern, deren Kinder aktuell nicht in den Kindergarten gehen dürfen, sind sauer. So krititisiert Diane Siegler von der Initiative "Familien in der Krise": "Wir sollen uns jetzt tatsächlich mit unseren Kita-Leitungen darüber streiten, dass wir unsere Kinder wieder in die Kita schicken dürfen - und zwar nicht, weil wir zu Hause Kaffee trinken wollen, sondern weil wir arbeiten gehen müssen!" Die Initiative überreichte Sozialminister Kai Klose (Grüne) eine Petition mit einer Unterschriftensammlung. Klose besuchte die Kita des Sana-Klinikums in Offenbach, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Kritik am Konzept: Diane Siegler von der Initiative "Familien in der Krise"

Diane Siegler von der Initiative "Familien in der Krise" kritisiert am FFH-Mikro: "Das ist kein Konzept!"

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FFH-Reporter Marc Wilhelm (links) übergibt Ralph Gettel, Leiter der Kita Fuldastraße in Bensheim, und seiner Kollegin Laura Weirich Nervennahrung und Sekt mit und ohne Alkohol. 

Klose: Erstmal beobachten, was jetzt passiert

Sozialminister Klose hat Verständnis gezeigt für die Kritik. "Am Ende ist es unser aller Ziel, dass die Kitas mit möglichst vielen Kindern öffnen können", sagte er und verwies zugleich auf die andauernde Corona-Pandemie und sagte, mit der Situation müsse verantwortungsvoll umgegangen werden. Die Betreuung von deutlich mehr Kindern sei ein wichtiger Schritt. Weitere sollen folgen, Voraussetzung sei aber, dass sich die Infektionszahlen nicht erhöhten. Bisher fehlten auch gesicherte Erkenntnisse zum Infektionsgeschehen bei Kindern. Nun solle zunächst beobachtet werden, wie sich die weitergehende Öffnung ab diesem Dienstag auswirke. Dann sei ein erneuter Austausch mit den Kommunen geplant.

Usingen öffnet komplett

In Marburg, Baunatal oder Gießen sollen besonders die Vorschulkinder kommen. In Usingen öffnet die Stadt die Kitas einfach wieder komplett. Bürgermeister Steffen Wernard sagte im Gespräch mit HIT RADIO FFH, dass die Kapazitäten und das Personal dafür in Usingen vorhanden sind. "Wir haben gesagt, wir wollen jetzt die Eltern entlasten und das Beste für die Familien herausholen", so Wernard. Natürlich gibt es auch in Usingen strenge Hygienevorgaben, so müssen etwa die Eltern Masken tragen, wenn sie ihre Kinder an der Tür der Kindertagesstätten abgeben und abholen.

FFH-Reporter Lorenzo Rendón Valencia in einer Marburger Kita

Bei vielen Eltern und Kindern der Kita "Auf der Weide" in Marburg ist die Freude über den Start groß

Usingens Bürgermeister Steffen Wernard im FFH-Gespräch:

"Wir wollen die Eltern entlasten."

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Melissa Haack (links) und Jutta Böhm, Leiterin der Kita Ahornbaum in Fulda-Haimbach.

Taunusstein nimmt – zusätzlich zu den bereits bisher betreuten Kindern – die Vorschulkinder und deren Geschwister wieder in die Betreuung. Ab 8. Juni dürfen alle Kinder wieder in ihre Einrichtung, die auch vor den Schließungen einen Platz hatten. In Wiesbaden gibt es 180 Kitas, hier sollen zunächst nur die Vorschulkinder und deren Geschwister tagesweise, dann eine Woche später die Vier- und Fünfjährigen betreut werden.

Situation in Fulda

"Wir werden pro Gruppe nur ungefähr die Hälfte der Kinder betreuen können", sagte etwa Fuldas Magistrats-Sprecherin Monika Kowoll-Ferger zu HIT RADIO FFH. Man werde aber die Einrichtungen bitten, zum Beispiel in Mehrzweckräumen weitere Gruppen einzurichten, um so noch mehr Kinder betreuen zu können.

Fuldas Magistrats-Sprecherin Monika Kowoll-Ferger

Über die Situation an den städtischen Kitas in Fulda

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Betreuungszeit fällt in den meisten Kitas kürzer aus

Am unsichersten ist die Situation für Eltern, bei denen Mutter oder Vater Teilzeit oder gar nicht arbeiten. Auch die Betreuungszeit wird eingeschränkt sein: Sie wird in den meisten Kitas erstmal kürzer ausfallen. Für viele berufstätige Eltern ist das eine extrem belastende Situation, denn immer mehr Arbeitgeber holen ihre Angestellten aus dem Home Office zurück.

Brigitte Molter vom Zusammenschluss KitaEltern Hessen sagte zu HIT RADIO FFH: "Es gibt viele Rückmeldungen von Eltern, die noch keine Kitabetreuung wieder haben, dass ihre Arbeitgeber schon mit Kündigungen gedroht haben. Vereinzelt wurden sogar schon Kündigungen ausgesprochen."

Bouffier weist Kritik zurück

Der "eingeschränkte Regelbetrieb" ist umstritten: Während die schwarz-grüne Landesregierung angesichts der großen Zahl von Einrichtungen mit ihren unterschiedlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten den Kita-Trägern bei der Umsetzung viel Spielraum überlässt, werfen ihr Kritiker vor, die Verantwortung abzuwälzen. Ministerpräsident Volker Bouffier wies im Landtag Kritik aber entschieden zurück. Man habe alle Kita-Träger in die Planungen miteinbezogen, aber von den großen Kita-Trägern keine Vorschläge erhalten.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sagte im Landtag:

"Wir haben von den großen Kita-Trägern keine Vorschläge erhalten."

Auf dem Friedensplatz in Darmstadt haben heute rund 200 Menschen für mehr Kita-Lockerungen demonstriert. Die Forderung: Alle Kinder sollen wieder in den Kindergarten dürfen und nicht nur die mit Eltern aus systemrelevanten Berufen. Viele Eltern haben ihre Kinder mitgebracht und halten Schilder hoch. „Alle Kinder sind systemrelevant.“ Oder „Kneipen auf, Kitas zu? Irrsinn!“ ist darauf zu lesen. Organisatorin Jutta Prochaska von der Initiative FamilieninderKrise sagte uns: „Jedes Kind hat das Recht, die Kita zu besuchen. Wir dürfen die Kinder nicht aufteilen in systemrelevant und nicht systemrelevant“ Auch die Eltern sind der Meinung, viele würden jetzt aus dem Homeoffice zurückgeholt werden, die Kinder blieben aber erstmal zuhause. Das ginge nicht!

Eva-Maria Lauber

Reporterin
Eva-Maria Lauber

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