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Hessische Gastro-Branche kämpft ums Überleben

Corona-Verzweiflung in Hessen - Gastro-Branche kämpft ums Überleben

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Die Stühle bleiben hochgestellt: Restaurants, Bars und Kneipen bleiben weiter geschlossen, auch die Caterer sind durch den anhaltenden Lockdown schwer getroffen

Die Gastro- und Event-Branche ist einer der Hauptverlierer der Corona-Krise. Der hessische Hotel- und Gaststättenverband befürchtet eine Pleitewelle. 

Wo wir uns umhören: Verzweiflung pur. Etwa beim Caterer Bantschow & Bantschow aus Groß-Umstadt. Ein über Jahre gewachsenes, erfolgreiches Unternehmen. Jetzt: Insolvenz in Eigenverwaltung.

Warten auf Überbrückungshilfen

Ben Bantschow sagt uns: „Es tut einfach nur weh, der Frust ist massiv.“ Ausgelöst vor allem auch durch ewiges Warten auf versprochene Überbrückungshilfen im knapp sechsstelligen Euro-Bereich.

"Kredit verpufft"

Das südhessische Unternehmen habe auch einen Kredit über eine Viertelmillion Euro aufgenommen - "alles verpufft", so Ben Bantschow im FFH-Interview. Ein weiterer Rückschlag kam bereits im vergangenen Herbst: Ein neues Restaurant als weiteres Standbein des Unternehmens musste nach vier Wochen durch den Lockdown in der Gastronomie wieder schließen.

David Bantschow: "Gefühl der Machtlosigkeit"

Caterer "Bantschow & Bantschow" aus Groß-Umstadt

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Trotz Insolvenz weiter eigenverantwortlich

Vorteil der jetzigen Insolvenz in Eigenverwaltung: Die Firmeninhaber können das Catering-Unternehmen weiterhin eigenverantwortlich fortführen. Das zuständige Gericht sei von einer Sanierung und einer Fortführung des Unternehmens überzeugt.

Umsatz beim Schul-Catering eingebrochen

Das betreffe auch den Geschäftsbereich des Schul-Caterings: Bantschow & Bantschow beliefert mehr als 50 Kitas und Schulen im Kreis Darmstadt-Dieburg. Durch Schließungen, Distanzunterricht und Notbetreuung sei aber auch hier der Umsatz dramatisch eingebrochen, während hohe Fixkosten weiterliefen.  

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Symbolfoto

Keine Hoffnung mehr

Ganz ähnlich ist die Lage auch bei FPS Catering in Frankfurt. Geschäftsführer Markus Spengler sagte uns: „Es ist ein permanentes Hin und Her, wir werden der Lage kaum Herr." Die Einnahmen für Messe- und Eventcatering lägen bei Null. Spengler: „Hoffnungen sind nicht mehr da, wir kämpfen über die Überbrückungshilfen.“

Befürchtung: Im Frühjahr "gravierende Insolvenzen"

Julius Wagner, der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbandes DEHOGA Hessen, bestätigt: Die Lage im Gastgewerbe sei extrem angespannt. Im Frühjahr werde es wahrscheinlich die ersten gravierenden Insolvenzen im Gastgewerbe geben.

Schluss nach zehn Jahren

Auch etwa in Osthessen stellt sich das Bild der Gastro-Branche nicht besser dar: So betreibt Felix Wessling in Fulda drei Gaststätten: die "Heimat" am Buttermarkt, die "Alte Schule" im ehemaligen Museumscafé am Vonderau Museum und die Party-Kneipe "Löwe". Alle drei liegen sehr nahe beieinander in der Fuldaer Altstadt.

Planungssicherheit fehlt

Anfang Dezember hat Wessling bekanntgegeben, dass er den "Löwen" schließen muss. Er konnte die laufenden Kosten nicht mehr decken und hatte keinerlei Planungssicherheit, wann er wieder öffnen könnte.

30 Mitarbeitern gekündigt

Außerdem glaube er nun, dass das Konzept Kneipe mit Tanzbereich in Zukunft nicht mehr funktioniere und er es nach Corona nicht mehr richtig zum Laufen bringen könnte. Er habe sich also schweren Herzens vom "Löwen" getrennt, den er zehn Jahre lang betrieben hat. Rund 30 Mitarbeitern musste Wessling kündigen.

Felix Wessling: "Es ist unfassbar traurig"

Gaststätten-Betreiber aus Fulda

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Marc Wilhelm

Reporter
Marc Wilhelm

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