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Medien: Notruf hat versagt bei Anschlag von Hanau

Medien-Recherche zu Hanau - Versagen des Notrufs bei Anschlägen

© dpa

Ein Gemälde unter der Frankfurter Friedensbrücke zeigt die Porträts von neun Opfer der Anschläge in Hanau. 

Beim rassistischen Terroranschlag in Hanau mit neun Getöteten soll es schwere Pannen beim Polizei-Notruf gegeben haben - die möglicherweise auch Menschenleben kosteten.

Das zeigen Recherchen des ARD-Magazins "Monitor", des Hessischen Rundfunks und des Spiegels.

Notruf nicht ausreichend besetzt

Ein Attentäter tötete vor knapp einem Jahr in Hanau neun Menschen - und der Polizei-Notruf ist wohl überlastet und nicht ausreichend besetzt gewesen. Laut Spiegel haben etliche Anrufer mehrfach erfolglos versucht, während der Tat die 110 zu erreichen. Besonders tragisch: Auch ein späteres Mord-Opfer des Täters soll vergeblich versucht haben, über den Notruf Hilfe zu holen.

Schweres Versäumnis

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, spricht gegenüber Monitor von einem schweren Versäumnis: Es sei "nicht unwahrscheinlich", dass man mit mehr Kenntnis von Zeugen auch "Gelegenheiten gehabt hätte, nachfolgende Taten noch zu verhindern."

Fünf Notrufe angekommen

Das Polizeipräsidium Südosthessen räumte auf Nachfrage ein, es sei "bei sehr hohem Anrufaufkommen" nicht auszuschließen, dass "Notrufe im Einzelfall nicht direkt angenommen werden können". Dass es sich angesichts lediglich fünf angenommener Anrufe im Tatzeitraum nur um Einzelfälle handelt, scheint indes fraglich. So konnten in der Tatnacht nach den vorliegenden Dokumenten nur an zwei Apparaten Notrufe entgegengenommen werden, und auch diese waren offenbar nicht durchgängig besetzt. Eine Rufumleitung zu einer Leitstelle war nicht eingerichtet.

Umleitung nach Frankfurt

Laut Spiegel sollen in Zukunft Anrufe bei einer Überlastung nach Frankfurt umgeleitet werden. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter sagt: Eine solche Umleitung sei "eigentlich seit Jahrzehnten Standard".

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