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Virologe Stürmer: Beginn einer dritten Welle

Virologe Stürmer bei FFH - "Wir sind am Beginn einer dritten Welle"

© dpa

Dr. Martin Stürmer ist Virologe, leitet das IMD Labor in Frankfurt und lehrt am Institut für medizinische Virologie an der Universität in Frankfurt

Bedeuten die steigenden Infektionszahlen eine dritte Welle? Wie gefährlich ist die britische Mutation des Virus? Birgt die AstraZeneca-Impfung schädliche Risiken? Dozent für Virologie an der Universität Frankfurt und Corona-Experte Dr. Martin Stürmer beantwortet im FFH-Gespräch Fragen rund um die aktuelle Situation in der Corona-Pandemie.

Im Februar ist die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Personen noch gefallen, lange waren die Aussichten gut auf eine entspanntere Lage in der Pandemie. Jetzt steigen die Infektionszahlen aber wieder. Das habe jedoch nichts damit zu tun, dass jetzt mehr getestet wird, sagt Stürmer im Gespräch mit HIT RADIO FFH.

"Denn wenn man sich die Positiven-Quote anschaut, also den Anteil der Positiven an der Gesamttestung, dann sehen wir auch dort einen Trend der Zunahme. Und insofern führe ich das auf eine Dynamik zurück, die hauptsächlich auf der Verbreitung der britischen Variante in Deutschland beruht".

"Neue Dynamik im Infektionsgeschehen"

Virologe Dr. Martin Stürmer bei FFH

Britische Mutation setzt sich durch

Die Infektion mit dem ursprünglichen sogenannten Wildtyp des Virus hat hingegen abgenommen, so sind auch die fallenden Infektionszahlen im Februar zustande gekommen. Nun setzt sich jedoch die britische Mutation durch, mit dieser sind aktuell 50 Prozent der positiv getesteten Personen infiziert, Stürmer geht durch Analysen sogar von 75 Prozent aus.

"Es gibt immer mehr Berichte aus Großbritannien und auch wissenschaftliche Publikationen, die einen Hinweis darauf geben, dass die britische Variante des Coronavirus mit einem stärkeren Krankheitsbild und auch einer höheren Todesrate assoziiert sein kann." Das könne dann auch die Kliniken wieder mehr belasten, so Stürmer. "Und das ist eines der Dinge, die wir aktuell nicht gebrauchen können." 

"Schwerere Krankheitsverläufe durch britische Corona-Variante"

Virologe Dr. Martin Stürmer im FFH-Interview

"Wir sind am Beginn einer dritten Welle"

Das jetzige Infektionsgeschehen sei auch ein Indikator dafür, dass wir uns schon am Beginn einer dritten Welle befinden, sagt der Corona-Experte. Als Ursache neben den Mutationen sieht Stürmer auch die Lockerungen, die die Bundesregierung Anfang März beschlossen hat.

"Die gute Nachricht ist, dass wir mit einer konsequenten Einhaltung der Corona-Regeln auch die britische Variante gut in Schach halten können. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden." Stürmer geht davon aus, dass wir diese dritte Welle gut in den Griff bekommen können.

"Steigende Zahlen auch in den nächsten Tagen"

Virologe Dr. Martin Stürmer im FFH-Interview

Keine Sorge bei Astrazeneca-Impfung

Dänemark, Norwegen, Island und Rumänien haben die Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca erstmal gestoppt. Grund sind Berichte über schwere Fälle von Blutgerinnseln nach der Impfung. Ob der Wirkstoff tatsächlich der Auslöser war, müsse noch geprüft werden, sagt Dr. Martin Stürmer.

"Das sind Einzelfälle, die noch geprüft werden, inwieweit das wirklich mit der Impfung zu tun hat. In Österreich haben wir schon die Entwarnung bekommen und ich gehe davon aus, dass wir auch in Dänemark sehen werden, dass das jetzt nicht unbedingt mit dem Impfen assoziiert ist."

Nebenwirkungen sind normal

Auch wenn nach der Impfung gegen das Coronavirus Nebenwirkungen auftreten, bestehe kein Grund zur Sorge, meint der Virologe. Schmerzen und Unwohlsein nach einer Impfung sei nichts Bedenkliches, dies sei vollkommen normal und sogar ein Zeichen dafür, dass der Impfstoff auch tatsächlich wirkt.

"Wahrscheinlich bald Entwarnung für Astrazeneca"

Virologe Dr. Martin Stürmer im FFH-Interview

Lukas Schäfer

Reporter
Lukas Schäfer

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