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Prozess um Knochenreste in Müll - Revision

Knochenfunde im Müll - Revision gegen Urteil eingelegt

© dpa

Im Prozess um eine getötete Frau, deren Knochen später im Müll gefunden worden waren, hat die Verteidigung Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Das teilte das Landgericht Frankfurt mit.

Er hat seine Frau aus Habgier getötet und die Leiche in einen Müllcontainer geworfen - wegen Mordes ist ein 38-Jähriger in Frankfurt zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Der Vorsitzende Richter am Landgericht, Jörn Immerschmitt, sprach in seiner Urteilsbegründung von einer verwerflichen und verachtenswerten Tat, die sittlich und moralisch auf tiefster Stufe stehe. Der Angeklagte habe die 43-Jährige Ende Oktober 2019 umgebracht, um in den Besitz ihrer Eigentumswohnung zu kommen. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Eine Tat, die sprachlos macht

Immerschmitt sprach von einem "Missverhältnis von Tat und Anlass", das sprachlos mache. Der 38-Jährige hatte seine Ehefrau in der Tatnacht als vermisst gemeldet. Die Leiche steckte er nach Feststellungen des Gerichts in einen Koffer oder Sack und warf sie in einen Müllcontainer an seiner Arbeitsstelle.

Es war ein Indizienprozess, denn der Mann schwieg zu den Vorwürfen. Vor Beginn des Verfahrens hatte er die Tat bei der Polizei bestritten. Zu seinen Lebensumständen wurde bekannt, dass ihm finanziell das Wasser bis zum Hals stand. Die Ehefrau jedoch war in Besitz der Eigentumswohnung, in der das Paar lebte, und hatte auch eine Ferienwohnung in der Nähe des spanischen Alicante gekauft.

Staatsanwalt Johannes Jacobi von Wangelin

"Der vollständige Leichnam ist nicht gefunden worden"

Mann verwickelt sich in Widersprüche

Nebenbei habe der Mann eine Beziehung begonnen, die neue Freundin war schon nach zwei Monaten schwanger, schilderte der Richter. Der 38-Jährige will demnach, dass sie sich von ihrem Mann trennt und mit ihm lebt. Eine eigene Wohnung habe er sich aber nicht leisten können - und so entsteht der Plan zu dem Verbrechen. Abzulesen in Internetprotokollen: Er gibt "Tod durch Ersticken" und später "Erdrosseln mit Schal" in eine Suchmaschine ein. Seiner Freundin habe er vorgelogen, seine Frau sei bereit zur Trennung und wolle ausziehen.

Nach der Vermisstenmeldung sucht die Polizei in Wäldern, an Bahngleisen, im Fluss, befragt Verwandte und Bekannte. Bei Vernehmungen verwickelt sich der Mann in Widersprüche. Die Polizei findet das Handy der Toten in der Wohnung. Mitte November wird der 38-Jährige in Untersuchungshaft genommen. Seine Freundin kehrt zu ihrem Mann zurück.

Mehr als 22.000 Tonnen Schlacke durchforstet

Die Information, dass der Angeklagte an seiner Arbeitsstelle Ende Oktober persönlich die Leerung des Müllcontainers veranlasst habe, erweist sich als die entscheidende Spur. Mehr als 22 000 Tonnen Schlacke, Reste der Müllverbrennung, werden auf einer Mülldeponie aufwendig durchsiebt und schließlich drei Knochenstücke mit DNA-Spuren der Gesuchten gefunden.

Der Anwalt der Familie, Ulrich Warncke, sagte am Rande des Prozesses, mit der Ermordung ihrer Tochter sei das Schlimmste, was Eltern passieren könne, eingetreten. Sie wüssten nach wie vor nicht, wie genau sie starb. Es sei beantragt, nun ihre sterblichen Überreste beerdigen zu können.

Ulrich Warncke, Anwalt der Familie

"Ein Mensch wurde getötet, weil man seine Wohnung als Liebesnest benötigt"

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