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Booster-Impfungen bringen Arztpraxen ans Limit

FFH-Umfrage zum Impf-Booster - Viele Arztpraxen in Hessen am Limit

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Die Lage bei vielen Arztpraxen in Hessen ist angespannt. Die Telefone klingeln rund um die Uhr, die Nachfrage nach Booster-Impfungen ist riesig.

"Aber auch etliche Menschen, die sich nun doch ihre Erstimpfung abholen wollen, fragen nun an. Dazu gibt es viele Eltern, die ihre Kinder impfen lassen wollen. Und dazu kommen natürlich noch alle anderen Patienten, die wegen einer Erkältung oder eines sonstigen Leidens kommen. Bei uns durchzukommen, ist derzeit nicht leicht", sagt der Hausarzt Dr. Ralph Hönscher aus Petersberg im Interview mit HIT RADIO FFH.

Jeden Samstag Extra-Schichten

Er schiebt mit seinem Team schon seit Wochen Extra-Schichten. "Jeden Samstag impfen wir - bis zu 200 Dosen verabreichen wir dann immer. Und das tun auch viele andere Arztpraxen in Osthessen, weil es nur so geht", so Hönscher. Er habe zum Glück ein tolles Team, das die Extra-Schichten mitmache.

Hönscher: "Wir schieben seit Wochen jeden Samstag Extraschichten."

Der Hausarzt Dr. Ralph Hönscher aus Petersberg impft zusätzlich jeden Samstag gegen Corona.

Also jeden er samstags in der montanen. Er dabei im noch mal ungefähr ein Hundert fünfzig bis zwei Hundert Impfung noch zusätzlich zu verabreichen. Viele Kollegen machen hat das nichts. Aber es gibt auch einige bei uns im Gesundheits Osthessen her, die das auch im machen, dass wir jeden Samstag noch zusätzlich Patienten einbestellen. Da eine Hundert. Zwei Hundert gibt auch große Praxis. Fünf Hundert Leute im von an den Wochenende. Wenn du so ist, das zu bewältigen,

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Hönscher: "Größtes Problem ist, dass das medizinische Fachpersonal die Praxen verlässt"

"Das größte Problem, das Arztpraxen haben, ist aber, dass das medizinische Fachpersonal durch die Corona-Krise fehlt. Viele haben die Praxen verlassen wegen der Mehrbelastung. Das Personal ist oft in Kliniken gewechselt, wo es meist bessere Arbeitszeiten hat. Dadurch die die Basis-Versorgung durch die Arztpraxen massiv gefährdet", so Ralph Hönscher am FFH-Mikro.

"Impfzentren hätten in kleinerem Stil weitergeführt werden sollen"

Hönscher hätte es befürwortet, wenn die Impfzentren in Hessen nicht komplett geschlossen hätten, sondern in kleinerem Maßstab weitergeführt worden wären. "Ich habe selbst im Impfzentrum mitgearbeitet und weiß deswegen, dass die Abläufe dort eingespielt waren und alles hoch-professionell abgelaufen ist. Es wäre gut gewesen, diese Zentren weiterzuführen - denn bei uns in den Arztpraxen glühen nun die Telefonleitungen. Und viele Patienten sind auch ungehalten, wenn sie nicht sofort ihren Impftermin bekommen können", so Hönscher am FFH-Mikro.

Hönscher: "Ich hätte es befürwortet, wenn die Impfzentren in kleinerem Stil weiterbetrieben worden wären."

Dr. Ralph Hönscher über die Fortführung von Impfzentren.

Ich hätt ihr persönliches befürwortet in im kleineren Rahmen als das war ein im Zentrum weiter beizubehalten. Ich mein, wenn man ein eingespieltes Team. Es war ne sehr, sehr gut durch organisiertes. Im Zentrum zum Beispiel im Vogelsbergkreis machen, Sie das jetzt wieder auf. Das halte ich für sehr gut, weil einfach die Belastung in den Praxen so massiv geworden ist. Und schwierig ist wirklich auch die Erreichbarkeit der Praxen mittlerweile die Telefonleitungen glühenden, die ich im Prinzip. Jeder, der hier reinkommt, fragt nach der Booster im und jede der Anruf Frank nach der Impfung. Sodass sie betreuen natürlich schon darunter leidet.

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FFH-Reporterin Anne Schmidt zur Lage in hessischen Arztpraxen

Booster-Impfungen müssen wegen Impfstoffmangels teilweise wieder abgesagt werden

In der Gießener Hausarztpraxis von Dr. Withold Rak müssen die Sprechstundenhilfen die ersten Booster-Impftermine bereits wieder absagen. Grund: Es werde weniger Impfstoff geliefert, als ursprünglich zugesagt. So gehe es auch anderen Hausarztpraxen, sagt uns Dr. Rak im FFH-Gespräch. In vielen Gießener Hausarztpraxen würden jetzt bereits Booster-Termine für März vergeben, vorher sei nichts mehr frei.

Sich durch AHA-Regeln selber schützen

Allerdings würden die Impfzentren und Impfambulanzen ja auch mitimpfen. Der erfahrene Hausarzt fodert gerade angesichts der neuen Corona-Variante dazu auf, sich selber zu schützen, wenn es keinen schnellen Booster-Termine geben: Abstand, Kontaktreduzierung, Lüften und vor allem: FFP-2-Maske tragen.

Dr. Rak: "In meiner Praxen fragen viele nach einer Erstimpfung"

In seiner Praxis würden nun viele Erstimpfungen durchgeführt. „Wir sehen, dass Ungeimpfte am ehesten einen schweren Krankheitsverlauf erleiden. Deshalb müssen wir sie als erstes impfen.“ Außerdem, so Dr. Rak, sei der Druck auf die Ungeimpften gerade an den Arbeitsplätzen sehr hoch. Es gebe viele Nachfragen in seiner Praxis nach Terminen für eine Erstimpfung.

Rak: "Müssen Termine wieder absagen, weil nicht genug Impfstoff nicht da ist."

Der Gießener Arzt Wihold Rak sagt, dass viele Hausarztpraxen nicht so viel impfen können wie sie wollen, weil der Impfstoff fehlt.

Ja, das ist tatsächlich der Fall. Viele der Hausarztpraxen haben heute nicht die im Stoffmenge geliefert bekommen, die bisher geplant war. Das heißt, enttäuschender Weise werden einige Patienten angerufen, wo die Termine zu einer Bustour im Funk nicht stattfinden können, so daß wir zurück zu den b sechs Räume zu lüften, Abstand zu halten. Kontakt Reduzierung und die F F P. Zwei mers, so die der Schutz, der Person selbst und der umgebenden Person. Um die Pandemie zu reduzieren.

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Roth: "Katastrophale Zustände in den Praxen"

Auch Karl Matthias Roth von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen spricht am FFH-Mikro von "katastrophalen Zuständen". Die Telefone in den Arztpraxen stünden nicht still, Patienten seien oft aggressiv und fordernd und hätten auch kein Verständnis, warum sie sich auf eine Impfung mit Biontech eingestellt hätten und jetzt den Impfstoff von Moderna gespritzt bekommen sollten. "Diese Probleme wurden alle nicht in den Praxen verursacht, sondern durch politische Fehler in Berlin - aber die Praxen müssen alles ausbaden", so Roth.

"Alle sollen sich boostern lassen - und dann ist nicht genug Impfstoff da"

Besonders ärgert Karl Matthias Roth die vom Bund beschlossene Kontengierung des Impfstoffes von Biontech, damit zuerst der gelagerte Moderna-Impfstoff verbraucht wird. "Alle sollen sich boostern lassen - und dann ist nicht genug Impfstoff da. Die Impfbereitschaft in den Praxen ist riesig - und dann wird der Impfstoff kontengiert. Das ist eine Katastrophe", so Karl Matthias Roth im Interview mit HIT RADIO FFH.

Roth: "Telefone stehen nicht still, Patienten sind teilweise auch aggressiv."

Karl Matthias Roth von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen nennt die Zustände in den Arztpraxen katastrophal.

Telefone, die nicht still stillstehen, Patienten, die aggressiv sind, Patienten, die fordern sind, die kein Verständnis haben, warum sie sich auf ner Beyer und Heck Impfung eingestellt haben. Plötzlich moderner bekommen diese Dinge, die in den Praxen diskutiert werden müssen und die dort aber überhaupt nicht verursacht werden, sondern durch politische Fehler in Berlin

Roth: "Alle sollen sich boostern lassen - und dann ist nicht genug Impfstoff da."

Karl Matthias Roth sieht viele Fehler in der Politik, die die Arztpraxen ausbaden müssten.

Wenn wir an einem Tag hören, alle sollen sich Boostern lassen und am nächsten Tag herauskommt, das gar nicht genügend im Stoff dafür vorhanden ist. Die Impfbereitschaft in Praxen Riesig ist die Praxen. Trotz der Umstände. Mitmachen wollen dann feststellen, dass Bestellungen kontingentiert werden. Dann ist das natürlich ne Katastrophe.

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Klose: "Es war richtig, die Impfzentren zu schließen"

Hessens Sonzialminister Kai Klose verteidigt am FFH-Mikro die Entscheidung, die Impfzentren zu schließen. "Es war richtig, die Impfzentren zu schließen - denn im September war dort kaum noch etwas los. Alle, die zu diesem Zeitpunkt eine Impfung haben wollten, hatten sie bekommen. Der Run jetzt liegt an der Stiko-Empfehlung, dass sich alle ab 18 Jahren sechs Monate nach der zweiten Impfung boostern lassen sollten", so Sozialministern Kai Klose im Gespräch mit HIT RADIO FFH. Es würden gerade überall in Hessen Kapazitäten aufgebaut, um die Ärzte zu entlasten.

Älteren bei den Booster-Impfungen den Vortritt lassen

Bei den Booster-Impfungen legt Klose den Jüngeren nahe, älteren Menschen den Vortritt zu lassen. "Es ist ja nicht so, dass die Schutzwirkung der Impfung nach einem halben Jahr sofort weg ist. Sondern sie wird schwächer - und bei älteren Menschen geht das schneller", so Klose am FFH-Mikro. Die Jüngeren, die auch nach einem halben Jahr noch gut geschützt seien, könnten deswegen auch noch etwas mit dem Boostern warten, wenn es Engpässe bei den Impfangeboten gebe.

Klose: "Es ist ja nicht so, dass man nach einem halben Jahr plötzlich überhaupt keinen Impfschutz mehr hat."

Sozialminister Kai Klose appelliert, dass Jüngere den Älteren bei den Booster-Impfungen den Vortritt lassen sollten, wenn es gerade wenige Termine gibt.

Es ist ja nicht so, dass der Impfschutz plötzlich am sechsten Monat plus einen Tach einfach aufhört, sondern die Menschen Bauende den Immunschutz langsam ab. Und je älter sie sind, desto schneller geht es deshalb es jetzt ganz wichtig. Das zunächst mal die älteren, die Vorerkrankung Immunsuppression führten zur auf frisch Impfung kommen können alle anders. Dann kann uns vielleicht noch Moment gedulden. Bei den wenigsten von und dürfte es auch wirklich schon sechs Monate her sein.

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Hessischer Apothekerverband: "Apotheker sollten Booster-Impfungen anbieten dürfen"

Der Hessische Apothekerverband fordert unterdessen, dass auch Apothekern erlaubt sein sollte, Booster-Impfungen anzubieten.Viele vollständig Geimpfte benötigen Booster-Impfungen, doch die Kapazitäten in den Arztpraxen seien begrenzt, sagte der Verbandsvorsitzende Holger Seyfarth: "Apotheken sind flächendeckend vorhanden, auch an Samstagen geöffnet und ihre Teams haben ein breites Wissen über Impfungen." Deshalb erwartet er vom Gesetzgeber, Booster-Impfungen nach den erforderlichen Schulungen des Personals auch in Apotheken zu erlauben. Grundvoraussetzung für seinen Plan sei jedoch, dass genügend Impfstoff vom Bund bereitgestellt werde.

Eva-Maria Lauber

Reporterin
Eva-Maria Lauber

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