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Eisenbahner mit Herz: Der fahrende Holländer

Bahnfahren in Rhein-Main - Kultansagen vom fahrenden Holländer

© VIAS/RMV

Lokführer Wytze De Jong in seinem Zug.

Wer bei Wytze De Jong in der Regionalbahn sitzt, bei dem stehen die Chancen gut, dass er fröhlicher aussteigt als er eingestiegen ist. Denn der Lokführer mit dem sympatischen holländischen Akzent versteht es immer wieder seine Fahrgäste mit ungewöhnlichen Ansagen zu unterhalten und gleichzeitig zu informieren. Das gefällt seinen Fahrgästen so gut, dass ihn gleich mehrere für den Preis "Eisenbahner des Jahres" nominiert haben.

Wenn plötzlich die "Star Wars" Melodie durch die Lautsprecher des Zuges schallt, dann sitzt sehr wahrscheinlich Wytze De Jong vorne im Triebwagen. Denn Durchsagen im typischen Bahn-Deutsch gibt es bei ihm nicht. Stattdessen eine sympathische Erklärung, weshalb der Zug gerade Verspätung hat, zusammen mit dem Versprechen dass er sein Bestes geben wird, um die Verzögerung wieder aufzuholen - und dann eben der Star Wars-Melodie wenn De Jong sein 10.000 PS Gefährt beschleunigt.

So klingen De Jongs Durchsagen

So sagt De Jong eine Verspätung durch

Von sprachlichen Einschränkungen zur Kultdurchsage

Begonnen hat alles mit einer sprachlichen Einschränkung, erzählt er uns im FFH-Interview. Als Holländer hatte er Probleme mit der Aussprache von Wortmonstern wie "Verzögerungen im Betriebsablauf" und beschloss daher, es seinen Fahrgästen einfach so zu erklären, wie er auch mit einem Kumpel sprechen würde. Und nachdem er sowieso schon einmal von den Standard-Texten der Eisenbahner abgewichen war, lag es nahe das noch etwas auszubauen. Dazu kam dann noch, erzählt De Jong, dass er einmal eine Durchsage machen musste und am Ende des eigentlichen Satzes aus Versehen mit der Stimme oben blieb und so den Eindruck erweckte, dass nun noch etwas kommen müsse. De Jong rettete sich mit einen "ähm, also ich geb dann mal Gas..." - und das kam bei den Fahrgästen gut an, wie ihm später ein Schaffner aus dem Zug berichtete.

Nominiert zum Eisenbahner mit Herz

Von diesem Moment an, gab es für De Jong kein Halten mehr und seit dem bemüht er sich mit gut gelaunten, überraschenden und unterhaltsamen Ansagen den Menschen den Tag etwas zu verschönern. Und die schätzen seinen Einsatz - gleich mehrere haben sich an die Jury des Preises "Eisenbahner mit Herz" gewandt und De Jong als besten Bahnmitarbeiter des Jahres vorgeschlagen. Dass De Jong den Preis wirklich bekommt, glaubt er selber allerdings nicht. Dafür sei die Konkurrenz zu stark und er würde ja nur "lustige Ansagen" machen. Aber trotzdem freut er sich natürlich extrem über die Nominierung. Neben dem Jury-Preis wird außerdem auch ein Publikumspreis vergeben. Für diesen kann jeder auf der Facebook-Seite des Preises seinem Lieblingskandidaten ein "Gefällt mir" geben.

Wer De Jong einmal selber in Aktion erleben will, der kann sein Glück auf der Rheingau-Linie versuchen. Denn hier auf der Strecke zwischen Frankfurt und Neuwied ist der Fahrer in den Zügen des privaten Betreibers VIAS im Einsatz. Seine Chefs machen für De Jong übrigens eine Ausnahme: Solange es den Fahrgästen gefällt ist es okay, aber treib es bitte nicht zu bunt, lautet die Ansage an den Bahnfahrer mit der Star Wars Musik...

Marc Adler

Autor
Marc Adler

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