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Über 100 Infizierte: Ohne Masken im Gottesdienst

Corona-Ausbruch in Frankfurt - Ohne Masken im Gottesdienst gesungen

© dpa

Mindestens 107 Coronavirus-Fälle stehen inzwischen wohl im Zusammenhang mit einem Gottesdienst vor zwei Wochen in einer freien baptistischen Gemeinde in Frankfurt. 120 Haushalte sind nach den Angaben des hessischen Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) betroffen. Jetzt hat sich die Gemeinde mit einem Schreiben auf ihrer Website zu Wort gemeldet. Es wurde offenbar ohne Masken gesungen.

"Rückblickend kann gesagt werden, dass bei der Versammlung separate und kontrollierte Ein- und Ausgänge genutzt wurden, entsprechende Hinweisschilder angebracht waren, ausreichende Desinfektionsmittel zur Verfügung standen und der Abstand von 1,5 m eingehalten wurde. Im Nachhinein betrachtet wäre es für uns angebracht, beim Gottesdienst Mund-Nasen-Schutz-Bedeckungen zu tragen und auf den gemeinsamen Gesang zu verzichten", heißt es in der Mitteilung.

Keine Maskenpflicht in Gottesdiensten - aber Empfehlung

Religiöse Versammlungen sind in Hessen seit dem 1. Mai unter Auflagen wieder erlaubt. So muss in Kirchen und anderen Gotteshäusern der Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Menschen eingehalten werden, nötig sind zudem weitere Hygienemaßnahmen wie das Aufstellen von Desinfektionsspendern. Eine Maskenpflicht oder ein Verbot von Gesang gibt es nicht. Mehere Kirchenverbände empfehlen jedoch das Tragen von Masken in Gottesdiensten. Und der Bund der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden (baptisten.de) schreibt in seinem Schutzkonzept: "Auf Gemeindegesang sollte verzichtet werden."

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Anzahl der Fälle nimmt weiter zu

"Wir sind tief bestürzt und traurig, dass die Infektion Eingang in die Gemeinde gefunden hat und sich mit einer starken Dynamik verbreitete", heißt es weiter in der Mitteilung der freien baptistischen Gemeinde in Frankfurt. Da es in der Gemeinde viele Familien mit fünf und mehr Kindern gebe, nehme die Anzahl der Ansteckungen zu Hause weiter zu. Die Betroffenen sind der Kirchengemeinde zufolge in häuslicher Quarantäne. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende der Gemeinde der Evangeliums-Christen-Baptisten, Wladimir Pritzkau, hatte am Samstag gesagt, es befänden sich sechs Betroffene in Krankenhäusern. Die anderen seien zu Hause. "Wir haben alle Versammlungen abgebrochen. Gottesdienste gibt es jetzt nur noch online", sagte der 64-Jährige. Auch der Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Frankfurt, René Gottschalk, geht davon aus, dass sich die meisten der betroffenen Frankfurter erst nach dem Gottesdienst wohl zu Hause infiziert haben.

Fälle auch außerhalb Frankfurt - Hanaus OB zürnt

Mehr als 40 der 107 Infizierten leben danach in Frankfurt. 26 Infizierte wohnen im Wetteraukreis, wie der Kreis mitteilte, und 17 in Hanau, wie es von der Stadt hieß. Zudem gibt es dem Ministerium zufolge noch mehrere Fälle im Hochtaunuskreis. Möglicherweise seien auch noch andere Landkreise betroffen, sagte eine Ministeriumssprecherin. Die genaue Zahl stehe noch nicht fest. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) kritisierte den Informationsfluss zu dem Infektionsgeschehen. "Das grenzt an organisierte Unverantwortlichkeit." Er forderte Informationen von den zuständigen Stellen, dem Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises und dem Land. Minister Klose betonte: "Diese Situation zeigt, wie wichtig es ist, dass wir alle - gerade während der Lockerungen, die jetzt wieder möglich gemacht werden - wachsam bleiben und nicht leichtsinnig werden." Denn: "Das Virus ist weiterhin da und will sich verbreiten."

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