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Pilotprojekt startet: "Lolli-Tests" in Kitas

Pilotphase im Kreis Groß-Gerau - Kita-Kinder machen morgens "Lolli-Test"

© dpa

Der "Lolli-Test" wird - ganz ähnlich wie bei einem Nasenabstrich - mit einer Art dünnem Wattestäbchen gemacht  

Bei Kita-Kindern mit sogenannten Lolli-Tests Corona-Infektionen aufdecken - das versucht ab sofort der Kreis Groß-Gerau in einem hessischen Pilotprojekt. Mehr als 20 ausgewählte Kindergärten in Büttelborn und Rüsselsheim machen mit.

Statt sich das pieksende Teststäbchen in die Nase zu stecken, lutschen die Kinder einer Gruppe an einem Tupfer wie ein Lolli - nur, dass der Tupfer eigentlich nach nichts schmeckt. 

Verlässlicher PCR-Test

Bisher gibt es für alle Kita-Beschäftigten die Möglichkeit, sich zweimal in der Woche auf Corona testen zu lassen. Dies möchte der Kreis jetzt auch für die Kinder anbieten. Dabei kam eine Methode aus Nordrhein-Westfalen gerade zur rechten Zeit, so die Kreisverwaltung: Die sogenannten Lolli-Tests sind PCR-Tests und seien somit verlässlich, kinderleicht in der Anwendung und gesundheitlich völlig unbedenklich. 

Freiwillig zweimal pro Woche

Die Testungen sollen auf freiwilliger Basis zweimal wöchentlich als Pooltests in der Kindergruppe stattfinden. Morgens machen die Kinder ihren Lolli-Test selbst, entweder im gemeinsamen Morgenkreis oder beim Ankommen in der Einrichtung. Unter Anleitung und gemeinsam mit den Erzieherinnen lutschen sie 30 Sekunden an einem Tupfer wie an einem Lutscher. Danach werden alle Proben in einem einzigen Röhrchen zusammengemischt und mit einem Transportdienst an ein Labor bei Karlsruhe geschickt.

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© FFH

Ist Gruppentest positiv, folgen Einzeltests 

Im Labor werden dann die Poolproben ausgewertet. Nur wenn der Sammeltest positiv ausfällt, wird die Kitaleitung umgehend informiert. In diesem Fall müssen alle Kinder und Fachkräfte der betroffenen Kitagruppe in Quarantäne, um weitere Infektionen zu verhindern. Alle Kinder aus dem positiven Pool sollen dann zuhause einen separaten Lolli-Test machen. Das entsprechende Testmaterial bekommen die Eltern vorab von der Kita mit nach Hause. Diese Einzelprobe geben die Eltern wieder in der Kita ab. Im Labor kann dann festgestellt werden, wer aus der Gruppe mit dem Corona-Virus infiziert ist.

"Können Infektionsketten schneller unterbrechen"

Die Eltern des betroffenen Kindes, die Kitaleitung sowie das Gesundheitsamt werden über das Ergebnis unterrichtet. Über alle weiteren Maßnahmen informiert dann das Gesundheitsamt, so die Kreisverwaltung.  Landrat Thomas Will zum freiwilligen Testangebot: "Da Kinder oft asymptomatische Corona-Verläufe haben, können im Zweifel Infektionsketten schneller unterbrochen und weitere Infektionen in den Familien verhindert werden. Die Lolli-Tests in Kitas sind somit ein weiterer sinnvoller Baustein in der Pandemiebekämpfung und bietet allen Beteiligten im Kita-Alltag mehr Sicherheit."

Lollitests für Kita-Kinder auch in Mittelhessen

Im Landkreis Gießen bieten die 26 Corona-Testcenter des Deutschen Roten Kreuzes und der Johanniter Unfallhilfe ebenfalls Lolli-Coronatests für Kinder an. Diese werden allerdings als Schnelltests verwendet. In den vergangenen drei Monaten wurden bereits 5.000 Kinder im Kindergartenalter getestet.

Durch die Tests gut vorbereitet

DRK-Vorstand Christian Betz sagt im FFH-Gespräch: „In der Gemeinde Staufenberg oder auch im Stadtteil Gießen-Nord machen Kindertagesstätten bereits einmal die Woche Spaziergänge mit den Kindern zum Testcenter und lassen die Kinder bei uns testen. Das klappt prima und alle bewegen sich davor und danach an der frischen Luft.“ Der Landkreis Gießen und das DRF Mittelhessen sehen sich demnach gut vorbereitet für den Fall, dass mehr Coronatests in Kindergärten notwendig würden.

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Marc Wilhelm

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