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Staubteufel: Tornado-Optik, ist aber keiner

Staubteufel ist kein Tornado - Dr. Martin Gudd erklärt den Unterschied

FFH-Hörer Daniel Schey hat einen großen Staubteufel auf einem Spargelfeld bei Pfungstadt gefilmt. Unser Wetter-Experte Dr. Martin Gudd erklärt, was es damit auf sich hat. 

Sieht aus wie ein Tornado, wirbelt wie ein Tornado - ist halt nur kein Tornado! Bei diesen durchaus bedrohlich wirkenden Dingern handelt es sich vielmehr um einen sogenannten Staubteufel. Die sind in der Regel meist nur wenige Meter breit und hoch, und nur ganz selten wachsen sie zu solchen Dimensionen an wie sie FFH-Hörer Daniel Schey hier auf einem Spargelfeld bei Pfungstadt gefilmt hat. Sie dauern nur sehr kurz, meist nur wenige Sekunden und sind genauso schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen sind. Daher auch der Name.

So entstehen Staubteufel

Der grundlegende Unterschied zum richtigen Tornado ist die Entstehungsweise. Denn Staubteufel entstehen immer nur bei schönem (!) Wetter vom Erdboden her, wenn durch die Sonneneinstrahlung der Erdboden sehr stark erwärmt wird. Dann entsteht zwischen Boden und darüber liegenden Luftschichten ein großer Temperaturunterschied. Der Ausgleich geschieht dadurch, dass Luft vom Boden aus abrupt nach oben steigt, und zwar in spiralförmiger Drehung. Über Sand und Ackerboden kann die aufsteigende Luft dann Staub und Dreck mit nach oben nehmen und wird so als Wirbel sichtbar.

Die dicken Staubteufel, so wie hier bei Pfungstadt, sind auch in der Lage, kleine Gegenstände mit nach oben zu reißen. Das sieht man im Video von FFH-Hörer Daniel Schey sehr schön an den mit nach oben geschleuderten Spargelfolien.

Staubteufel kommen bei schönem, sonnenscheinreichem und tagsüber warmem Wetter sehr häufig vor und werden eben manchmal auch schön als faszinierende Luftwirbel sichtbar. Am häufigsten sind sie natürlich über den Wüsten der Erde, dort werden sie auch Sandteufel genannt.

So entstehen Tornados

Der richtige Tornado entsteht hingegen ganz anders, und zwar bei wechselhaftem, gewittrigem Wetter, von oben herab aus den Wolken. Denn dann kann in manchen Fällen in der Gewitterwolke eine Drehung entstehen, und die setzt sich mitunter zum Erdboden hin fort. Das wird dann als Wolkenrüssel sichtbar. Der ist im Vergleich zu dem doch sehr kleinen Staubteufel in der Regel viel, viel größer – und daher auch viel schädlicher.

Also: Staubteufel und Tornados sehen zwar gleich aus, sind aber grundverschieden. Aus fachlicher Sicht sollte man daher auch die Bezeichnung „Mini-Tornado“ für solche Dinger weglassen.

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