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Abgabewelle in hessischen Tierheimen

Nach Lockdown und Home-Office - Abgabewelle in hessischen Tierheimen

Hunde und Katzen werden gerade bei vielen Tierheimen in Hessen abgegeben. Auch in Reichelsheim bei der Organisation „Tiere in Not Odenwald“ sind es ungewöhnlich viele Tiere.

Vorsitzende Ute Heberer sagt: "Das liegt daran, dass sich Hundekäufer vorher nicht informieren. Die meisten sind dann verwundert, wenn der angeschaffte Hund aggressiv ist und Familienmitglieder beißt. Deswegen wollen viele ihre Hunde früh wieder loswerden."

"Hunde am Besten nicht bei Ebay kaufen"

Doch gerade die schwierigen Hunde könne man nicht aufnehmen, sagt Ute Heberer. Deswegen rät sie: Vor dem Hundekauf gut informieren über die Rasse und ob die zu einem passt. Am Besten wäre es, den Hund nicht bei Ebay zu kaufen. Bei Katzen sei die Abgabewelle nicht ganz so schlimm, dafür würden vermehrt ausgesetzte Tiere gefunden.

In Darmstadt rechne man auch mit Abgabewelle

Im Tierheim in Darmstadt bereite man sich derzeit auf die Abgabewelle vor. Hier sei die zwar noch nicht so stark, mit Sorgen schaue man aber auf die Anzeigen in diversen Internetportalen.

Eine Sprecherin sagt: "Bei Ebay sind hunderte Anzeigen. Die Besitzer versuchen erst ihre Hunde dort zu verkaufen, um noch Geld daran zu verdienen. Wenn das nicht klappt, werden sie zu uns kommen." Beim Tierheim in Lampertheim werden nicht direkt Tiere abgegeben. Trotzdem seien zur Zeit alle Zwinger voll, weil man von einem anderen Tierheim Tiere übernommen hätte, heißt es auf Anfrage.

FFH-Reporter Felix Breiner bei "Tiere in Not" im Odenwald

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Mittelhessen

Im Tierheim in Marburg-Cappel gilt derzeit ein Aufnahmestopp für Katzen, da es so viele verwilderte gerade junge Katzen gebe, so Tierheim-Leiterin Maresi Wagner im FFH-Gespräch. Coronabedingt erlebt das Tierheim, dass viele Tierhalter nicht für den Urlaub vorgesorgt haben. Deshalb gebe es viele Anfragen mit dem Anliegen, gerade kleine Tiere wie Kaninchen vorübergehend abgeben zu dürfen. Doch das sei nicht möglich. Darunter seien sicherlich viele "Corona-Anschaffungen".

Vermehrt Kleintiere abgegeben

Außerdem würden ausgesetzte junge Kleintiere vermehrt abgegeben. Auch hier vermutet das Tierheim, dass sie während des Lockdowns angeschafft worden seien, sagt uns Tierheimleiterin Maresi Wagner. Sigrid Faust-Schmidt vom hessischen Tierschutzverband rät Tierhaltern nun, bei Betreuungsproblemen Hund, Katze oder Kaninchen nicht gleich abzugeben. Außerdem fordert die Tierschützerin eine Beratungspflicht für alle "Neu-Tierhalter".

Siegrid Faust-Schmidt: "Wünschen uns eine Beratungspflicht"

Landestierschutzverband Hessen

© FFH

Osthessen

Das Tierheim Gelnhausen rechnet fest mit einer Welle von "Corona-Tieren", die im Tierheim abgegeben werden - so war es auch schon letztes Jahr.

Das Tierheim spricht aktuell noch von "Ruhe vor dem Sturm". Schon im vergangenen Jahr kam es im Sommer zu einer Abgabe-Welle. Tierheim-Leiterin Corinna Wink im FFH-Gespräch: "Während Corona wurden vor allem Hunde angeschafft, weil sich viele zuhause und im Home Office einsam gefühlt haben oder sich durch einen Hund einen geregelteren Tagesablauf gewünscht haben. Irgendwann wurde der Hund zu mühsam oder die Leute waren nicht mehr im Home Office - dann wurden die Tiere einfach im Tierheim abgegeben."

Rhein-Main

Beim Tierschutzverein Bad Homburg werden ungewöhnlich viele Tiere abgegeben, die Leiterin sagt: "auf heftige Art und Weise".

Als Grund wird meist genannt, dass der Hund nach Home-Office-Zeiten die ganze Zeit alleine zuhause sei und dort durchdreht und nur noch bellt. Manche wollen jetzt auch in den Urlaub fahren und danach ihren Hund auch nicht mehr zurück nehmen.

Die meisten Hunde seien auch falsch entwickelt, weil sich niemand um sie gekümmert habe und sie schon mehrmals die Besitzer wechseln mussten. Der Tierschutzverein versucht jetzt die Tiere direkt zu vermitteln, dass sei aber bei der großen Anzahl nicht machbar.

Nordhessen

In Nordhessen ist die Situation noch recht entspannt. Weder im Tierheim Wau-Mau-Insel in Kassel noch im Tierheim Beuern in Felsberg werden momentan übermäßig viele Tiere abgegeben.Und auch an einen Aufnahmestopp ist hier noch nicht zu denken, man sei aber schon in banger Erwartung, heißt es. "Die ganz große Welle erwarten wir nach den Sommerferien", sagt Tatjana Rippel vom Tierheim Beuern im FFH-Gespräch.

Der Absatz von Hunden und Katzen sei im letzten Jahr dreimal so hoch gewesen, wie in den Vorjahren. Welpen seien in Deutschland kaum noch zu bekommen gewesen und selbst Züchter von seltenen und sonst nicht so sehr gefragten Hunderassen hätten die Nachfrage kaum stillen können. Tatjan Rippel sagt uns: "Momentan sind die Kapazitäten noch da, aber wenn es dann richtig losgeht, ist auch relativ schnell Schicht. Wir sind ein kleines Tierheim, wie die meisten hier in Nordhessen, und dem entsprechend auch schnell überlastet."

Ute Heberer: "Tiere wurden nicht gut erzogen, das ist der Hauptgrund""

Vorsitzende von "Tiere in Not Odenwald" in Reichelsheim

© FFH
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