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Mias Mörder tot in Gefängniszelle aufgefunden

Nach Tat in Kandel - Mörder von Mia tot in Gefängniszelle

© dpa

Der wegen Mordes an seiner Ex-Freundin Mia in Kandel (Rheinland-Pfalz) verurteilte Abdul D. ist tot in seiner Zelle in der Jugendstrafanstalt Schifferstadt aufgefunden worden. Ersten Erkenntnissen zufolge hat sich der aus Afghanistan stammende Mann erhängt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten.

Keine Videoüberwachung der Zelle

D. hat sich nach Angaben des Justizministeriums in Mainz in der Nacht zum Donnerstag mit Schnürsenkeln und Kopfkissenbezug erhängt. Die Einzelzelle sei von außen verschlossen gewesen, sagte Sprecher Christoph Burmeister. Eine Obduktion soll genauere Erkenntnisse zum Todeszeitpunkt bringen. Die Zelle sei nicht videoüberwacht gewesen, weil es keine Anzeichen für eine Selbsttötungsabsicht gegeben habe.

Über acht Jahre Haft

Er war Anfang September 2018 nach dem tödlichen Messerangriff auf die 15-jährige Mia wegen Mordes verurteilt worden. Die Richter verhängten acht Jahre und sechs Monate Haft nach Jugendstrafrecht.

Diskussionen um Altersfestellung von jungen Flüchtlingen

Die Tat kurz nach Weihnachten 2017 in einem Drogeriemarkt der kleinen Stadt in der Pfalz hatte bundesweit für großes Entsetzen gesorgt. Der Fall fachte außerdem die Diskussion um die Altersfeststellung von jungen Flüchtlingen an. Rechtspopulistische Gruppen nahmen den Fall zum Anlass, um in Kandel gegen die Asylpolitik der Bundesregierung zu protestieren.

Wie alt war Abdul D.?

Abdul D. war nach seiner Ankunft in Deutschland als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aufgenommen und betreut worden. Er gab sein Alter zunächst mit 15 Jahren an. Nach der Tat kamen Zweifel auf, ob er tatsächlich so jung ist. Ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass er zum Zeitpunkt der Tat mindestens 17 Jahre und sechs Monate, wahrscheinlich aber schon 20 Jahre alt war. Verurteilt wurde er nach Jugendstrafrecht, wie ein Gerichtssprecher sagte.

Tat nach Trennung

Als Motiv für die Tat hatte die Staatsanwaltschaft Eifersucht und Rache angenommen. Sie ging davon aus, dass Abdul D. Mia bestrafen wollte, weil sie sich wenige Wochen vor der Tat von ihm getrennt hatte.

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