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"Drive-In" für Corona-Patienten in Hessen

Neu in Marburg und Groß-Gerau - "Drive-In" für Corona-Patienten

Im Kampf gegen das neuartige Corona-Virus gehen hessische Ärzte neue Wege – mit "Drive-In"-Schaltern. Sie gibt es für begründete Verdachtsfälle jetzt etwa in der Kreisklinik in Groß-Gerau und in einer Arztpraxis in Marburg. 

Wer in einem Risikogebiet war oder Kontakt mit Corona-Infizierten hatte, kann nach telefonischer Anmeldung in der Praxis von Dr. Ulrike Kretschmann in Marburg direkt auf dem Parkplatz im Auto sitzen bleiben. Die Ärztin und Helferinnen in Schutzkleidung nehmen dann direkt dort den Abstrich für den Test.

Geringere Ansteckungsgefahr für andere

So werde die Ansteckungsgefahr für andere Patienten minimiert und es müsse danach nicht die ganze Praxis desinfiziert werden, sagte die Ärztin im Gespräch mit uns. Besonders auf Patienten mit chronischen Leiden wie Diabetes und geschwächtem Immunsystem wirke das beruhigend, sagt die Ärztin. Bis das Testergebnis da ist, müssen die Patienten dann zuhause in Quarantäne bleiben.


Ähnliches System an der Kreisklinik in Groß-Gerau

Auch die Kreisklinik in Groß-Gerau hat ein ähnliches System eingeführt. Hier wurden bereits mehrere Fälle getestet. Auch hier gibt es im Vorfeld eine telefonische Absprache, die Patienten werden dann direkt an einen Seiteneingang der Klinik bestellt und dort der Abstrich gemacht. "Der Drive-In für Corona-Tests wird als Alternative zur normalen Untersuchung in unserer MVZ-Praxis (Medizinisches Versorgungszentrum) angeboten", sagte Krankenhaussprecher Martin Wohlrabe. Die Möglichkeit werde bisher gut angenommen.

FFH-Reporter Marc Wilhelm spricht mit der Groß-Gerauer Klinikchefin Erika Raab

Prof. Dr. Erika Raab

Geschäftsführerin Kreisklinik Groß-Gerau

© FFH

Eigene Quarantänestation

Alle Tests waren bislang negativ. Für die Klinik bietet das Verfahren große Vorteile: "Durch das Angebot, sich auch im eigenen Fahrzeug testen zu lassen, bleiben Verdachts-Patienten sozusagen in ihrer eigenen Quarantänestation", erklärte Geschäftsführerin Erika Raab. Die medizinische Fachkraft, die die Abstriche nimmt, trage entsprechende Schutzkleidung. "Andere Klinikbedienstete und Patienten kommen mit dem Verdachtsfall nicht in Berührung. So wird die Gefahr einer Ansteckung deutlich minimiert."

Idee aus Südkorea

Inspiriert haben die Ärzte auch Berichte über ein ähnliches System in Südkorea, wo Mediziner Verdachtsfälle auch direkt im Auto testen - allerdings in viel größerem Maßstab als bei uns in Hessen. Deshalb appelliert die Marburger Ärztin Ulrike Kretschmann auch an das Land, die Praxen dabei zu unterstützen, solche "Drive-Ins" großflächig einzurichten. 

© dpa

Roxana Sauer, die Ärztliche Leiterin des Medizinischen Versorgungszentrum an der Kreisklinik Groß-Gerau, geht zu einem Patienten am "Corona-Drive-In"

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