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Schulstart in Hessen - das sind die Corona-Regeln

Schulstart in Hessen - Das sind die Corona-Regelungen

Für über 700.000 Schülerinnen und Schüler hat in Hessen das neue Schuljahr begonnen.  Erstmals seit vielen Jahren steigen die Gesamtschülerzahlen in Hessen an - im Vergleich zum Vorjahr um 1.500.

"Recht auf Bildung ist ein hohes Gut"

Wegen Corona sollen die Schulen auf Abstands- und Hygieneregeln achten. Zuletzt hat Kultusminister Lorz noch eine Maskenpflicht außerhalb der Unterrichtsräume angeordnet. Eine hundertprozentige Sicherheit gegen eine Infektion gebe es trotzdem nicht, sagte Lorz unserem Reporter. Aber das Recht der Kinder auf Bildung sei ein "hohes Gut" - daher müsse man den Balanceakt zwischen diesem Recht auf Bildung und dem Gesundheitsschutz eingehen.

Neuerliche "flächendeckende Schulschließungen auf jeden Fall vermeiden"

Sobald es lokal zu Infektionen kommt, werden die Gesundheitsämter mit einer betroffenen Schule entscheiden, wer in Quarantäne und zum Test muss und wie lange möglicherweise Teile der Schule vorübergehend geschlossen werden . "Wir müssen aber alles tun, um eine erneute längerfristige, flächendeckende Schulschließung zu verhindern", so Kultusminister Lorz.

"Jede Krise hat auch etwas Gutes"

Jede Krise hat auch etwas Gutes, sagt Kultusminister Lorz – die Ausstattung der Schulen mit digitalen Lernplattformen und Videokonferenzsystemen, die Ausstattung der Lehrer und bedürftiger Schüler mit Laptops – all das geht jetzt schnell voran – auch mit Millionenhilfen aus Berlin.

Bei Infektionen schnell wieder auf digitales Lernen umschalten

Denn: Der Präsenzunterricht startet heute zwar – aber Corona macht an keinem Schultor halt, so Lorz – heißt: Es wird Corona-Infektionen geben – dann muss man schnell wieder auf digitales Lernen umschalten können.

Kultusminister Lorz: "Ein gewisses Risiko bleibt."

ABSTANDSREGELN

Der in Bus und Bahn oder auch Geschäften gebotene Mindestabstand von 1,5 Metern gilt nicht in den Klassenzimmern - die ganze Klasse soll wieder gemeinsam in einem Raum unterrichtet werden. Wo immer möglich, sollte insbesondere bei Besprechungen, Konferenzen sowie schulbezogenen Veranstaltungen jedoch ein Mindestabstand von 1,5 m eingehalten werden.

Zuletzt hatte noch eine Schülerin aus Frankfurt geklagt für den Mindestabstand auch in Klassenzimmern. Sie argumentierte damit, dass die vorgesehenen Corona-Regelungen in den Schulen zu einem höheren Ansteckungsrisiko führten. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb im Klassenraum andere Abstandsregeln gälten als in fast allen Bereichen des täglichen Lebens. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof wies die Klage jedoch in einem Eilverfahren ab.

KRANKHEITS-SYMPTOME

Schulkinder (und auch Kita-Kinder) mit einem Schnupfen sollen künftig in Hessen nicht mehr sofort nach Hause geschickt werden. Die entsprechenden Leitlinien seien angepasst worden, sagte die hessische Sozialstaatssekretärin Anne Janz (Grüne).

Eine solche Maßnahme müsse nur noch bei den für die Erkrankung mit Covid-19 typischen Symptomen wie Fieber, trockener Husten oder allgemeine Abgeschlagenheit ergriffen werden. Personen mit einer Symptomatik, die auf eine Covid-19-Erkrankung hindeutet, dürfen die Einrichtung nicht betreten.

Anne Janz, Staatssekretärin für Soziales: "Schnupfennase kein Grund nach Hause zu gehen."

HYGIENE

Das Hessische Kultusministerium betont: Die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zur Hygiene sind wo immer möglich zu beachten. Das bedeutet:

  • Verzicht auf Körperkontakt wie Umarmungen und Händeschütteln
  • Einhalten der Husten- und Niesetikette sowie
  • gründliche Händehygiene.

Die Maßnahmen beziehen sich laut Kultusministerium nicht nur auf Klassenräume, sondern auf alle Räume. So sind z. B. auch für Lehrerzimmer, Sekretariate oder Versammlungsräume organisatorische Maßnahmen zu ergreifen, die eine bestmögliche Umsetzung von Hygieneregeln ermöglichen.

  • Lüften: Es ist auf eine intensive Lüftung der Räume zu achten. Mindestens alle 45 Minuten ist eine Stoßlüftung bzw. Querlüftung durch vollständig geöffnete Fenster über mehrere Minuten vorzunehmen, wenn möglich auch öfter während des Unterrichts.
  • Reinigung: Auf eine regelmäßige Reinigung des Schulgebäudes ist zu achten. Eine routinemäßige Flächendesinfektion in Schulen wird auch in der jetzigen SARS-CoV-2-Pandemie durch das RKI nicht empfohlen. Hier ist die angemessene. Reinigung völlig ausreichend.

SPORTUNTERRICHT

Sport darf wieder in allen Schulformen und Jahrgangsstufen unterrichtet werden, es gelten jedoch Schutzmaßnahmen. Zuletzt waren Kontaktsportarten nur mit maximal zehn Personen möglich. Künftig wird unter anderem jeder Schülergruppe ein festgelegter Bereich innerhalb der Sportstätte zugewiesen, die Gruppen dürfen sich nicht mischen.

Der direkte körperliche Kontakte sollte auf das "sportartspezifisch notwendige Maß" reduziert werden, heißt es in einer Anlage zum Hygieneplan. Überörtliche schulsportliche Wettbewerbe bleiben verboten.

MUSIKUNTERRICHT

Musikunterricht ist unter Einhaltung von Vorgaben möglich. Gemeinsames Singen und gemeinsames Musizieren mit Blasinstrumenten bleibt aber bis Ende Januar 2021 im Klassenraum untersagt - die Lehrer müssen dafür mit den Schülern ins Freie gehen.

CORONA-TESTS FÜR LEHRER

Hessens Lehrerinnen und Lehrer können sich vorerst freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Das Land Hessen übernimmt die Kosten. So soll das Infektionsrisiko an den Schulen minimiert werden. Für die rund 60.000 Lehrer und Schul-Sozialpädagogen gilt das Angebot. Alle 14 Tage können sie zum Test – mindestens bis zu den Herbstferien. Eine Verpflichtung zur Teilnahme besteht aber laut Ministerium ausdrücklich nicht.

Ursprünglich sollten die Lehrer zu den Testzentren der Kassenärztlichen Vereinigung. Die sind aber jetzt durch Reise-Heimkehrer komplett überlastet. Deshalb gibt’s nun für die Lehrer eine Liste mit mehr als 300 Ärzten – hier können sie sich online zum Test anmelden. Viele haben auch bereits nach Terminen gefragt.

WEITERE INFOS FÜR SCHÜLER, ELTERN UND LEHRER

Das Hessische Kultusministerium hat noch weitere Informationen zusammengefasst. Hier finden Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen Antworten auf aktuelle Fragen.

FFH-Reporter Marc Wilhelm berichtet vom ersten Schultag an der Eichgrundschule in Rüsselsheim

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