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Kränze und Kerzen: Beschäftigte trauern um Klinik

Aus für Klinik Ingelheim - Beschäftigte trauern mit Kränzen

© Privat/ Stefanie Klemann

Trauer und Ratlosigkeit: Die Beschäftigten der Ingelheimer Klinik trauern heute gemeinsam vor der Kreisverwaltung um ihre Arbeitsplätze. 

Lange Zeit haben sie für ihre Jobs gekämpft und auf Vieles verzichtet - Doch nach Jahren der Hängepartie und mehrerer Insolvenzen ist jetzt klar: die Türen der Ingelheimer Klinik bleiben endgültig geschlossen. Die rund 190 Beschäftigten trauern heute gemeinsam vor der Ingelheimer Kreisverwaltung um ihren Arbeitsplatz.

"Eine Mischung aus Trauer und Wut", so schätzt Betriebsratschefin Stefanie Klemann die aktuelle Gefühlslage der Mitarbeiter der Ingelheimer Klinik ein. Über Jahre hat sich der Niedergang der Klinik angebahnt, doch bis zuletzt haben sie und ihre Kollegen für einen weiteren Betrieb gekämpft. Vergebens, das Krankenhaus hat die Arbeit nun eingestellt, die letzten verbliebenen Patienten wurden entweder gesund entlassen oder auf die umliegenden Krankenhäuser verlegt.

Klemann: "Schließung in Zeiten der Pandemie ein absolut falsches Signal"

Betroffen davon sind neben den Mitarbeitern aus der Pflege und der Verwaltung vor allem Patienten aus Ingelheim, denn die nächsten Krankenhäuser in Mainz und Bingen sind mindestens 20 Minuten entfernt. Entscheidende Minuten, wenn es zu einem medizinischen Notfall kommt. Gerade in der aktuellen Corona-Pandemie sei das ein unverständliches Signal der Politik, sagte uns Klemann im FFH-Interview:

Betriebsratschefin Stefanie Klemann zur Klinik-Schließung

"Wir sind in der Corona-Pandemie ein intaktes Haus gewesen, jetzt müssen wir schließen"

© FFH/ Eisenmann

Kranzniederlegung  und gemeinsamer Abschied vom Arbeitsplatz

Briefe an Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn – sie haben alles nichts genützt, die Klinik konnte keinen passenden Investor finden. Zu unwirtschaftlich dei der Betrieb im Vergleich zu großen Krankenhäusern. Vor der Ingelheimer Kreisverwaltung haben die Beschäftigten deshalb heute Kränze und Trauerkerzen zum Abschied abgelegt. Zum einen ein Abschied vom gemeinsamen Arbeitsplatz, zum anderen ein alamierendes Signal an die Politik und die Menschen in Ingelheim, erklärt die Betriebsratsvorsitzende. Auch sie wird die kommenden Tage kurz vor Weihnachten nutzen, um Bewerbungen zu schreiben. Wie es für die restlichen Mitarbeiter weitergehen soll, das weiß vor Ort noch keiner.

OB um Anschlussbeschäftigung bemüht

Unterstützung bei der Jobsuche hat unterdessen Oberbürgermeister Ralf Claus (SPD) angeboten. In seinem eigenen Rathaus werde man aktuell prüfen, ob Verwaltungskräfte und technische Angestellte übernommen werden können. Ärzltiches und Personal und Pflegekräfte haben dagegen hohe Chancen in umliegenden Einrichtungen eine neue Stelle zu bekommen.

Robin Eisenmann

Reporter
Robin Eisenmann

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