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Neue Corona-Regeln für Hessen: 2G möglich

Neue Corona-Regeln in Hessen - Lage in Kliniken ist jetzt entscheidend

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Eine neue, angepasste Coronaschutzverordnung gilt in Hessen ab Donnerstag, 16. September. Ein wichtiger Punkt: Die Hospitalisierung und die Belegung der Intensivbetten löst die 7-Tage-Inzidenz ab. Außerdem können unter anderem Gastronomen entscheiden, nur noch Geimpfte und Genesene zu bewirten.

Hessen lockert die Corona-Regeln für Geimpfte und Genesene und legt den Fokus bei der Beurteilung der Corona-Lage auf die Situation in den Krankenhäusern. Die Corona-Pandemie entwickle sich zunehmend zu einer Pandemie der Ungeimpften, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts in Wiesbaden. "Deshalb betreffen die weiterhin notwendigen Einschränkungen vor allem sie, während Geimpfte und Genesene davon immer weniger betroffen sind."


Hier finden Sie die neuen Corona-Regeln im Überblick.


Das 2G-Optionsmodell

Veranstalter und private Betreiber haben die Möglichkeit, ausschließlich Geimpfte und Genesene einzulassen. Auch das Personal muss sich an die 2G-Regel halten. In diesem Fall entfallen wesentliche coronabedingte Einschränkungen: Es gelten keine Abstandsregeln mehr und auch die Maskenpflicht sowie die Kapazitätsbeschränkungen fallen weg. Von der 2G-Pflicht ausgenommen sind Kinder unter 12 Jahren.

Bouffier: Es gelten keine Einschränkungen mehr

Ob nur noch Geimpfte und Genesene in Restaurants und zu Friseuren dürfen, das entscheiden die Betreiber selbst, sagt Ministerpräsident Bouffier.

Die Inzidenz ist Geschichte - jetzt geht es um die Hospitalisierung

In einem zweistufigen Eskalationsstufenkonzept sind nun die Hospitalisierungsinzidenz und die Intensivbettenbelegung Indikatoren für weitreichendere Schutzmaßnahmen.

Wie ist die Lage in den Krankenhäusern?

Die Hospitalisierungsinzidenz beschreibt, wie viele Personen je 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen wegen einer Corona-Erkrankung im Krankenhaus landesweit neu aufgenommen wurden. Die Gesamtbettenbelegung und auch die 7-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen werden wie auch die Anzahl der vollständig gegen eine Corona-Erkrankung geimpften Personen als weitere Faktoren weiterhin berücksichtigt und beobachtet.


Stufe 1 wird relevant, wenn der Hospitalisierungswert über 8 steigt oder die Zahl der Intensivpatienten über 200 liegt.

Stufe 2 kommt zum Tragen, wenn der Hospitalisierungswert über 15 steigt oder die Zahl der Intensivpatienten über 400 liegt.


Wenn eine der Stufen erreicht wird, kommt die Landesregierung zusammen und beschließt neue Maßnahmen. 

Die aktuelle Hospitalisierung in Hessen liegt nach Angaben der Landesregierung bei 2,51. Die Zahl der belegten Intensivbetten beträgt 146, 10 davon Verdachtsfälle.

Bouffier: Entscheidend ist jetzt die Krankenhaus-Lage

Ministerpräsident Bouffier erklärt, wie die Hospitalisierungsrate entsteht

Hessen reagieren am FFH-Mikro zwiegespalten

Am FFH-Mikro zeigen sich die Menschen hinsichtlich der 2-G Regelung allerdings skeptisch. "Es spaltet die Gesellschaft", so eine Frau. Andere freuen sich, dass sie im Restaurant keine Maske mehr tragen müssen. Mit Blick auf die Hospitalisierungsrate als neue Leitmarke für eventuelle Einschränkungen reagieren die Menschen hauptsächlich positiv.

FFH-Umfrage: 2-G Regelung kommt

Hessen sind am FFH-Mikro skeptisch

FFH-Umfrage: Hospitalisierungsrate statt Inzidenz

Zustimmung von vielen Hessen am FFH-Mikro

Veranstaltungen

Veranstaltungen (das gilt ab 25 Personen) können in 3G oder auch im 2G-Optionsmodell durchgeführt werden. Entsprechend muss sich auch das Personal an die Vorgaben halten.

Drinnen: 3G, Maskenpflicht bis zum Platz, bis 500 Personen plus Geimpfte und Genesene genehmigungsfrei.

Draußen: Bis 1.000 Personen plus Geimpfte und Genesene genehmigungsfrei. Bei mehr als 1.000 Personen genehmigungspflichtig.
Bei den 3G-Veranstaltungen muss ein Abstands- und Hygienekonzept vorliegen.

AUSNAHMEREGELUNG: Bei Volksfesten, Weihnachtsmärkten und ähnliche Veranstaltungen im Freien fällt die 3G-Regel weg.

Hier gilt jetzt die 3G-Regel

Die 3G-Vorgaben gelten nun landesweit in Innenbereichen von Veranstaltungen, Freizeiteinrichtungen, Museen, Sportstätten, Gaststätten (außer Kantinen für Betriebsangehörige) und bei körpernahen Dienstleistungen. Es müssen ab Donnerstag die Gäste, Kunden und Mitarbeiter einen Negativnachweis vorlegen. Erleichterungen gibt es für Personal durch die regelmäßige Teilnahme an zweimal wöchentlichen Betriebstestungen. In Übernachtungsbetrieben sind Negativnachweise bei der Anreise und bei längeren Aufenthalten im Anschluss zweimal wöchentlich erforderlich.

In Außenbereichen wird die Verpflichtung zum 3G-Nachweis, da wo er bislang gilt, gestrichen. Ausnahme: Bei Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Gästen ist ein Negativnachweis vorzulegen.

Quarantäne-Regelungen

Geimpfte und Genesene sind grundsätzlich von der Quarantäne befreit. Infizierte müssen für 14 Tage in Quarantäne, ebenso ihre Haushaltsmitglieder. Infizierte Kinder U6 sowie Kinder vor der Einschulung und Schülerinnen und Schüler können sich jedoch ab dem 7. Tag der Infektion mit PCR-Test freitesten. Haushaltsangehörige (Kinder/Geschwister) von Infizierten frühestens am 10. Tag (wegen der Inkubationszeit).

Nur noch enge Kontaktpersonen sollen in Quarantäne

Im Falle einer PCR-bestätigten Infektion wird regelmäßig nicht mehr pauschal eine ganze Schulklasse oder Gruppe in Quarantäne geschickt, sondern nur noch enge Kontaktpersonen (z.B. Sitznachbarn) entsprechend Entscheidung des Gesundheitsamtes. Für alle anderen gilt: 14 Tage tägliche Tests und Maske auch am Platz.

Freitesten ist möglich

Die engen Kontaktpersonen können sich ab dem fünften Tag nach Feststellung der Infektion freitesten lassen. Nicht geimpfte oder genesene Kinder und Jugendliche mit COVID-Symptomen (Fieber, Husten, Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns) besteht in der Schule und in der Kita ein Betretungsverbot; diese können sich jedoch freitesten.

Präsenzunterrichtpflicht an den Schulen

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Symbolfoto

Es gilt ab Donnerstag Präsenzunterricht für alle Klassen. Zwei Mal pro Woche soll getestet werden. In den ersten zwei Wochen nach den Ferien: drei Mal pro Woche. Die Maske ist im Schulgebäude und im Klassenzimmer bis zum Sitzplatz zu tragen. Während des Unterrichts kann die Maske abgesetzt werden. In den ersten zwei Wochen nach den Sommerferien: Unterricht mit Maske. Bei Coronafall in der Klasse muss 14 Tage die Maske am Sitzplatz getragen und tägliche Tests durchgeführt werden.

Kontaktdatenerfassung

Aufgrund der steigenden Impfquote entfällt die Kontaktdatenerfassung in weiten Teilen. Künftig müssen Kontakte nur noch an folgenden Orten erfasst werden (beispielsweise mit Hilfe der Luca-App):

  • Vulnerable Einrichtungen: Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Behindertenheime
  • Diskotheken, Tanzlokale, Clubs (3G und 2G-Modell)
  • Prostitutionsstätten (3G und 2G-Modell)

Kritik: Politische Entscheidung wird abgewälzt

Die Zulassung des sogenannten 2G-Modells stößt bei vielen betroffenen Anbietern aber auf Skepsis. Sowohl das hessische Gastgewerbe als auch das Friseurhandwerk warfen der Landesregierung vor, sie verlagere die Debatte um Impfquoten und Impfbereitschaft zu den Betrieben.

"Auf Wirtschaft abgewälzt"

"Die Politik kann es nicht entscheiden, somit wird es auf die Wirtschaft abgewälzt über das Hausrecht", sagte René Hain, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes des Friseurhandwerks Hessen, der Deutschen Presse-Agentur. Sehr verhalten zu den Plänen äußerte sich auch der hessische Industrie- und Handelskammertag.

Kritik auch von der Oppsoition

Die Opposition im hessischen Landtag reagierte mit großer Kritik auf die Einführung des 2G-Optionsmodells. Die Fraktionen von FDP, AfD und Linke warnten vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Druck und Zwang seien der falsche Weg, um Menschen zu einer Corona-Impfung zu motivieren.

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