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Prozess gegen Ali B. geht weiter

Prozess Ali B. geht weiter - Polizisten sagen aus

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Nach dem Aufsehen erregenden Prozessauftakt um den Mord an der Schülerin Susanna aus Mainz ist die Verhandlung gegen Ali B. weiter gegangen. Vor dem Landgericht Wiesbaden wollte der Angeklagte seine Aussage nicht fortsetzen. Der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk befragte den Iraker lediglich zu seiner Ausreise in die Heimat und seinem Asylverfahren. Ali B. war wenige Tage nach dem gewaltsamen Tod von Susanna mit seiner Familie in den Nordirak ausgereist. Die kurdischen Sicherheitsbehörden nahmen ihn dort fest und übergaben ihn der Bundespolizei. Sein Asylantrag war Ende 2016 abgelehnt worden.

Polizei ging nicht von Verbrechen aus

Der 22 Jahre alte Iraker hatte zum Prozessauftakt gestanden, das 14-jährige Mädchen im Mai 2018 in Wiesbaden-Erbenheim getötet zu haben. Den weiteren Vorwurf der Vergewaltigung bestritt er. Die Leiche von Susanna war nach einer großen Suche am 6. Juni 2018 in einem kleinen Wald gefunden worden. Nach den Angaben der Ermittler lag sie in einem Loch, das mit Erde und Ästen bedeckt worden war. Die Polizei ging anfangs nicht von einem Verbrechen aus, es habe keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass dies ein besonderer Fall sein könnte, berichtete am Montag eine Beamtin der Wiesbadener Polizei vor Gericht. Nach dem Fund von Susannas Leiche war Kritik aufgekommen, ob umfassend genug nach der Schülerin gesucht wurde, die zuvor schon mehrfach von zu Hause verschwunden war. 

Erst ein Zeuge brachte entscheidende Hinweise

Erst die Aussage eines Jugendlichen aus Ali B.s Flüchtlingsunterkunft zum Tatort und zu dem 22-Jährigen als Täter habe den entscheidenden Hinweis gebracht, sagte die Beamtin. Ali B. habe ihm von der Tat erzählt. Der Jugendliche habe gefasst und glaubhaft gewirkt. Er sei nicht früher zur Polizei gegangen aus Angst vor der Familie und um nicht selbst mit dem Fall in Verbindung gebracht zu werden. Von Morgen an steht Ali B. zusammen mit diesem Jugendlichen, einem mindestens 14 Jahre alten Afghanen, wegen einer weiteren schweren Straftat vor dem Landgericht: Der 22-Jährige soll zweimal eine Elfjährige vergewaltigt haben, bei einem Vorfall in der Nähe eines Supermarktes gemeinsam mit dem wesentlich jüngeren Mittäter. 

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