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Deutsche Bauern kämpfen ums Überleben

Bauern kämpfen ums Überleben - Mainz: Proteste gegen ignorante Politik

© FFH/ Felix Unverzagt

"Wie sollen wir unseren Familienbetrieb weiterführen? Wie sollen wir diese Verordnungen umsetzen, ohne aufgeben zu müssen?" - dafür stehen die Fragezeichen der Bauern.

Die deutschen Bauern haben die Nase voll: Sie fühlen sich von der Politik übergangen und in der Öffentlichkeit als Buhmann hingestellt. Der Vorschlag für das neue "Aktionsprogramm Insektenschutz" hat das Fass nun zum Überlaufen gebracht. Hunderte, vielleicht tausende Bauern, hauptsächlich aus Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz, protestierten heute in Mainz vor dem Hotel, in dem die Agrarminister der Bundesländer tagen. Die Verzweiflung steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

Sie wären gerne gefragt worden

Die Politiker haben entschieden, eine ganze Reihe von Insektiziden zu verbieten. Das Problem dabei ist aber, dass die Landwirte auf einige dieser Mittel angewiesen sind, damit es keine verheerenden Ernteausfälle gibt. Immer mehr deutsche Bauern werden so durch diese und andere Umweltschutzverordnungen in den Ruin getrieben. Man sei ja für Naturschutz und Biodiversität, sagte uns Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied- aber nicht von oben herab, und ohne sich mit den Landwirten abzustimmen. Deshalb habe man jetzt eine Erklärung verfasst, in der die Situation der Bauern erklärt und Vorschläge für eine umsetzbare Agrarpolitik gemacht werden.

Fehlende Wertschätzung

Umweltschutzgebiete, 5 Meter breite Grünstreifen neben den Feldern, Maßnahmen für Tierwohl- in der Vergangenheit sei schon sehr viel gemacht worden, erzählen die Vorsitzenden der Landes-Bauernverbände. Sie haben aber nicht das Gefühl, dass der Aufwand gewürdigt wird. Im Gegenteil: Umweltschützer, Städter, Politiker, Medien- sie alle würden von den Bauern immer mehr fordern, ohne wirklich eine Ahnung davon zu haben, welche Zwänge sich aus dem landwirtschaftlichen Betrieb ergeben. Teilweise macht sich Resignation breit: Wenn die Bauern in Deutschland weiter so unter Druck gesetzt würden, müssten immer mehr Lebensmittel aus dem Ausland importiert werden. Dort würden die Umweltauflagen erst recht nicht eingehalten. 

Bauern seit Generationen- jetzt aufgeben?

"Wir erreichen mit der Agrarpolitik zum Teil das krasse Gegenteil von dem, was wir uns vorgenommen haben und richten unnötig Schäden an", meint Dr. Volker Wissing, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau in Rheinland Pfalz. Er versichert den Bauern, dass er für sie kämpft. Denn er wisse, dass es bei Familien, die seit vielen Generationen als Landwirte leben, am Essenstisch um ein Thema gehe: Müssen wir den Betrieb aufgeben, oder können wir uns irgendwie weiter durchschlagen?

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes im FFH-Interview

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