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Expertenteam soll sexuellen Missbrauch aufklären

Bistum Limburg - Expertenteam arbeitet Missbrauch auf

Der Limburger Bischof Georg Bätzing spricht bei der Abschlusspräsentation des Projekts "Betroffene hören - Missbrauch verhindern“. 

Die Übergabe des Projekts zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs in der Kirche soll ein "Beginn der Ehrlichkeit sein". Doch selbst die offizielle Veranstaltung zeigt: Es gibt tiefe Verletzungen. Die Arbeit kommt für manche zu spät.

Fast ein Jahr lang haben Wissenschaftler, Kirchenvertreter und Betroffene den Umgang mit sexuellem Missbrauch im Bistum Limburg analysiert. Am Samstag wurden die Ergebnisse des Projekts "Betroffene hören - Missbrauch verhindern" in der Frankfurter Paulskirche an Bischof Georg Bätzing und Ingeborg Schillai, Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung, übergeben. Sie waren die Auftraggeber des in neun Teilprojekte unterteilten Unternehmens. Schillai sprach am Samstag von einem "Beginn der Ehrlichkeit", nannte aber auch die Grenzen des Projekts: "Es wird nicht alles gut durch ein solches Projekt." Es mache keinen Missbrauch ungeschehen.

46 erfasste Missbrauchsfälle

Die aus der Sicht vieler von Missbrauch Betroffener gewünschte öffentliche Nennung der Täter und Vertuscher könne es aus juristischen Gründen nicht geben, sagte der Jurist Josef Bill zur Aufklärung von 46 erfassten Missbrauchsfällen. Die Klarnamen der Kleriker könnten nur dem Bischof als Auftraggeber des Projekts genannt werden.

Elend und Leid bei schwer traumatisierten Betroffenen festgestellt

"Wir haben bei unseren Untersuchungen ein unbeschreiblich großes Maß an Elend und Leid der oft schwer traumatisiert zurückgelassenen Betroffenen feststellen müssen", sagte Bill und kritisierte das "Ausmaß fehlender Sensibilität und Ignoranz" der Personalverantwortlichen der Kirche, die immer wieder Priester nach sexuellem Missbrauch von Kindern oder Jugendlichen in andere Gemeinden versetzten, statt sie auch juristisch zur Verantwortung zu ziehen.

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