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Nachhaltige Projekte in Hessen

Umweltschonend und innovativ - Nachhaltige Projekte in Hessen

Wusstet ihr, dass in Hessen nachhaltige Smartphones, umweltschonende Einkaufsnetze oder handgefertigte Teppiche hergestellt werden? Im FFH-Land gibt es eine Menge Angebote, die sich für Nachhaltigkeit, Artenschutz und einen bewussten Umgang mit Ressourcen einsetzen. Wir haben uns mal umgeschaut und stellen euch einige Projekte vor.

Nordhessen

Handgefertigte Insektenhotels

© C. Sasse

Jedes Insektenhotel ist ein Unikat, das der 77-jährige Gerhard Sasse aus Liebenau-Lamerden in Handarbeit in seiner Werkstatt gefertigt hat.

Sie sind klein, kompakt und jedes ist ein Unikat: Die handgefertigten Insektenhotels von Gerhard Sasse aus Liebenau-Lamerden (Landkreis Kassel). Sie sollen künftig Wildbiene und Co. in heimischen Gärten ein Zuhause bieten. In unterschiedlich groß gebohrten Löchern können sie sich einnisten. Passend zum landesweiten "Tag der Nachhaltigkeit" am 10. September startet im Kreishaus (Wilhelmshöher Allee 19-21 in Kassel) der Verkauf. Ein Insektenhotel kostet 6 Euro. 

Sasse stammt aus einer Familie von Zimmermännern und Stellmachern. Sein Hobby, das Holzarbeiten wurde ihm damit praktisch in die Wiege gelegt. In seiner Freizeit hat der 77-Jährige bereits das ein oder andere Insektenhotel gebaut.

Die Idee, die die kleinen Häuschen zu verkaufen, hatte allerdings seine Bekannte Angelika Schröder, die Artenschutzbeauftragte des Landkreises Kassel. Der Erlös soll daher wieder in ein Nachhaltigkeitsprojekt im Landkreis fließen "Bienen und andere bestäubende Insekten sind wichtig für die biologische Vielfalt", erklärt Schröder, "das offensichtliche Ausmaß ihres Verlusts verlangt unsere Aufmerksamkeit und unser Engagement." Das Projekt ist ein Teil der Initiative "...es summt und brummt im Landkreis Kassel". 

Mit einem passenden Unterschlupf für Bienen, Hummeln, Wildbienen aber auch Marienkäfer und viele weitere Arten könne jeder einen kleinen Beitrag leisten. "Wer keinen geeigneten Platz hat, der kann die Insektenhotels auch an Freunde und Verwandte verschenken", schlägt Schröder vor. Wichtig ist: Die Insektenhotels sollten an einem sonnigen und gleichzeitig wind- und regengeschützten Platz aufgehängt werden.

Nachhaltige Smartphones

Smartphones und Tablets entwickeln sich rasant weiter. Mittlerweile sind sie schon fast zum Wegwerfprodukt verkommen - denn oft werden bereits nach wenigen Jahren Softwareupdates eingestellt, einzelne Teile wie Akkus lassen sich nicht mehr zerstörungsfrei austauschen. Dem will die Shift GmbH aus dem nordhessischen Falkenberg (ca. 30 Kilometer südlich von Kassel) ein Ende bereiten.

2014 haben der Designer und Erfinder Carsten Waldeck, sein Bruder Samuel und sein Vater Rolf das Unternehmen gegründet, um nachhaltige Smartphones und Tablets auf den Markt zu bringen. Unter der Marke "Shiftphones" sind seitdem verschiedene Smartphone-Modellserien entstanden. Anders als die Smartphones der Marktführer wie Apple, Samsung und Huawai, lassen sich die nachhaltigen Geräte des nordhessischen Familienunternehmens leicht öffnen und kostengünstig reparieren. Alle Teile sind austauschbar, wodurch auch jederzeit Upgrades vorgenommen werden können. Das günstigste Modell kostet rund 400 Euro.

Montiert wird das Smartphone oder das Tablet in der Shift-Manufaktur in Falkenberg. Ebenso legen die Waldecks Wert auf nachhaltige und zukunftsweisende Ideen und Fairness in den Bereichen der Rohstoffgewinnung sowie auf eine Lieferkettentransparenz. Dabei wird ein Teil des Gewinns gleich wieder in andere nachhaltige Projekte, wie den Unverpackt Laden in einem verlassenen Fachwerkhaus ihres Heimatorts investiert. 

Weitere Infos zum nordhessischen Familienunternehmen gibt es hier. 

Recycelte Teppiche

Umwelt- und Naturschutz stehen bei Auswahl der Rohstoffe und ihrer Verarbeitung an erster Stelle: Bei der Teppichmanufaktur Habbishaw in Rückersfeld (Homberg Efze) werden aus Schafswolle und Leinen seit rund 70 Jahren nachhaltige Teppiche hergestellt. Das Familienunternehmen wird mittlerweile in dritter Gerneration von Teja Habbishaw geführt. 

Bei der Teppichmanufaktur können Kunden ihren Wunschteppich mithilfe einer Computersoftware nach eigenen Farb- und Mustervorlieben designen. Anschließend wird der Teppich in der Manufaktur von Hand gewebt. Dabei legt das Familienunternehmen Wert darauf, dass nur Naturprodukte verwendet werden, die zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind.  Als Material dient daher meist zu 100 Prozent Schurwolle oder Leinen. Wenn einmal im Jahr die Schafe geschoren werden, wird die Wolle direkt in der Manufaktur gesponnen.

In einem weiteren regionalen Familienbetrieb wird die Wolle anschließend mit umweltfreundlichen Verfahren - ohne Chemikalien - eingefärbt. Alle Teppiche bleiben dadurch biologisch abbaubar und können vollständig kompostiert werden. Wer seinen Teppich, sollte er nach einigen Jahren ausgedient haben, nicht auf den Kompost werfen möchte, kann ihn wieder zur Manufaktur bringen. Dort werden die einzelnen Fäden wieder aufgelöst, gewaschen und zu Recycling-Teppichen gewebt. 

Weitere Infos zur Teppichweberei gibt es hier. 

Car-Sharing mit Lastenradverleih

Gerade im ländlichen Raum ist man bei schlechter Infrastruktur ohne Auto schnell aufgeschmissen. Im nordhessischen Jesberg hat Michael Schramek daher das Car-Sharing-Unternehmen "Regio.Mobil" gegründet. Mittlerweile gibt es in Nordhessen mehere Stationen, bei denen unter anderem viele E-Autos gemeinschaftlich genutzt und auch Lastenfahrräder ausgeliehen werden können. 

Weitere Infos gibt es hier. 

Mittelhessen

Ressourcenschonende Blechfabrik

© Michael Heindrich/Blechwarenfarbik Limburg

Die Geschwister Trappmann von Blechwaren Limburg haben für die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Umgestaltung des Familienunternehmens den Deutschen Umweltpreis gewonnen. 

Durch eine clevere Umgestaltung spart die Blechwarenfabrik Limburg im Jahr rund 2600 Tonnen CO2 sowie etwa 100 Tonnen Weißblech ein. Dafür wurde die Blechwarenfabrik in diesem Jahr mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. 

Der Strom für die High-Tech-Produktion von Eimern, Kanistern und Blechdosen stammt dabei etwa von Solarzellen, die Abwärme des Lackierofens wird abgeleitet und zum Heizen oder umgewandelt für die Klimatisierung der Fabrik genutzt. Zudem wird ein Großteil der Blechabfälle aufgesammelt und recycelt.

Das Unternehmen produziert Verpackungen aus Metall für chemisch-technische Füllgüter, wie zum Beispiel Farben und Lacke. Annika (28) und Hugo Sebastian Trappmann (37) hätten die Blechwarenfabrik Limburg als Geschäftsführer durch High-Tech-Digitalisierung ganz im Sinne des Klima- und Ressourcenschutzes neu konzipiert, würdigte die Jury. Bereits seit zehn Jahren gehöre das Familienunternehmen in diesem Bereich mit seinen 320 Beschäftigten zu den führenden Firmen in Deutschland. 

Südhessen

Nachhaltige Schule

FFH-Reporter Marc Willhelm hat die jungen Gärtner bei der Kartoffel-Ernte besucht

Gleich eine eigene nachhaltige „Produktionskette“ haben Schüler und Lehrer an der Reichenberg-Schule in Reichelsheim (Odenwald) aufgebaut. Die Schulgarten AG baut auf zwei Ackerflächen Obst und Gemüse an. Zucchini, Kürbisse, Kartoffeln und Co. werden dann von der Koch AG weiterverarbeitet. Sogar eigenen Saft aus dem Obst der eigenen Streuobstwiesen stellen die Schüler her. Ernte die die Schule nicht selber verbraucht, wird auf dem schuleigenen Marktstand verkauft.

Und die Energiedetektiv AG achtet bei allem darauf, dass nirgendwo unnötig Strom verschwendet wird. Und die Energiedetektive haben zusätzlich einige andere Ideen, wie an der Grundschule noch mehr Energie gespart werden kann: durch LED-Lampen, Fassaden-Dämmung und neue Fenster.

Osthessen

Netz-Einkaufstaschen aus Biobaumwolle

Damit kommt loses Obst nicht mehr in die Tüte: Die Netzfabrik Baumbach stellt in Lauterbach wiederverwertbare Einkaufsnetze her, die Kunden immer wiederverwenden können, anstatt Plastik- oder Papiertüten zu kaufen. Das Einkaufsnetz besteht zu 100 Prozent aus Biobaumwolle und kann mit einem individuellen Firmenlogo versehen werden. Seit über 65 jahren stellt das Familienunternehmen Netze aller Art her.

Begonnen hatte die Rudolf Baumbach GmbH mit der Fabrikation von Wollwaren und Babybekleidung, heute stellt sie neben Einkaufsnetzen auch Fußball- und Gepäcknetze sowie Halterungen für Fluggesellschaften und Automobilhersteller her. 

Weitere Infos zur Netzfabrik der Rudolf Baumbach GmbH gibt's hier. 

Unverpackt-Läden

Plastikfrei einkaufen liegt im Trend: Neben den Unverpacktläden des Behindertenwerk Main-Kinzig in Gelnhausen und Hanau gibt es in Osthessen beispielsweise Emmas Unverpacktladen in Fulda und den Elanie-Naturmarkt in Bad Soden-Salmünster

Hier kann man verschiedene Waren des täglichen Gebrauchs in der gewünschten Menge abwiegen und in wiederverwendbare Gefäße füllen. Das Sortiment ist oft ganz unterschiedlich. Wärend es in Gelnhausen neben Hüsenfrüchten, Cerealien, Nudeln, Reis, Nüssen und Schokolade auch Liköre, Sirups, Öle und Seifen gibt, bietet der Elanie-Naturmarkt auch Obst und Gemüse von regionalen Bio- Landwirten an. Auch Milch und Molkereiprodukte sowie Käse und Wurstwaren gibt's dort im Mehrwegglas. In Emmas Unverpacktladen in Fulda gibt es auch abfüllbare Reinigungsmittel, feste Shampoos, Seifen, Bambuszahnbürsten und mehr. 

Den Unverpackt-Trend haben inzwischen auch  Supermarkt-Ketten für sich entdeckt – zum Beispiel Tegut und Edeka bieten in vielen Märkten Unverpackt-Stationen an. 

Repair-Cafés

Ausgediente Haushaltsgegenstände wie Staubsauger, Radio, Nähmaschine und Co. werden allzuschnell entsorgt. Bevor sie auf dem Müll landen kann allerdings der Gang zum Repair-Café lohnend sein. In Gelnhausen oder Fulda beispielsweise helfen Hobby-Tüftler ehrenamtlich bei der Reperatur kaputter Elekto-Geräte, Fahrräder, Spielsachen und Ähnlichem. Dadurch werden die Nutzungsdauer verlängert und Ressourcen geschont. Die Wartezeit wird hier mit Kaffee und Kuchen versüßt. 

Das Repair-Café in Gelnhausen öffnet einmal im Monat für drei Stunden. Die "Erneuer:Bar" in Fulda hat je nach Reperaturbereich an verschiedenen Tagen in der Woche geöffnet. 

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