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Weniger Flüge - schlechtere Wettervorhersagen?

Martin "Wetter" Gudd erklärt - Ungenaue Vorhersagen durch weniger Flüge?

© dpa

Die Corona-Pandemie bestimmt ja alle Lebensbereiche seit Monaten. Auch wir Meteorologen haben mit ihren Auswirkungen zu kämpfen, und zwar auf eine ganz spezielle Art und Weise. Denn es fliegen weniger Flugzeuge, und das wiederum bewirkt durchaus schlechtere Wettervorhersagen.

Viele Flugzeuge liefern im Normalbetrieb ja auch Wetterdaten aus der Reiseflughöhe. Temperatur, Feuchte und andere Parameter werden nach unten gefunkt und finden Verwendung in den Supercomputern der Wetterdienste. Seit Beginn der Pandemie ist aber der globale Flugverkehr sehr stark zurückgegangen, um bis zu 80 oder gar 90 Prozent.

Vor allem in den Tropen und auf der Südhalbkugel macht sich der Datenschwund stark bemerkbar. Denn dort sind die "normalen" Wetterstationen ja ohnehin schon seltener als bei uns auf der Nordhalbkugel und die Flugzeugdaten sind besonders dort eine sehr notwendige Grundlage für die Berechnungen der Prognosen.

Genauigkeit der Wetterprognosen schwankt

Berechnungen haben ergeben, dass durch die fehlenden Flugzeugdaten seit dem Frühjahr 2020 durchaus die Qualität der globalen Wettervorhersage leidet. Als erstes ist natürlich die Windvorhersage für die Reiseflughöhe der Flugzeuge betroffen, hier macht sich der Schwund der Daten unmittelbar bemerkbar.

Aber auch bei der Vorhersage des "normalen" Wetters am Erdboden kann es zu leichten Verschlechterungen kommen. Davon betroffen sind hauptsächlich die entfernteren Regionen, in denen die Datengrundlage von vornherein schon geringer war als bei uns. So können Temperaturprognosen für Sibirien oder Grönland bis zu 2 Grad schlechter werden als vorher.

Mitteleuropa merkt's nicht

Bei uns in Mitteleuropa hingegen dürfte sich die Verschlechterung der Wettervorhersagen im Rahmen halten bzw. so gering bleiben, dass wir es nicht merken. Denn hier ist die sonstige Wetterdatendichte so groß, dass der Schwund der Flugzeugdaten aufgefangen werden kann.

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