Nachrichten > Nordhessen, Wiesbaden/Mainz, Magazin >

Stoßlüften: So machen's Schulen im FFH-Land

Jacke an, Fenster auf - Die Lüft-Methoden an Schulen im FFH-Land

© dpa

In vielen Schulen wird aktuell "quergelüftet", so dass auch die Türen zu den Fluren beim Lüften geöffnet werden. Und da wiederum die Fenster nach außen. 

Was früher der Tafeldienst war, ist zu Corona-Zeiten in Schulen, Büros und anderen Arbeitsstätten der Lüft-Dienst. Wie Schulen im FFH-Land das mit dem Lüften machen? Methoden gibt's viele - wir haben an der Albert-Schweitzer-Schule in Kassel nachgefragt und die IGS in Mainz-Bretzenheim besucht, wo eine innovative DIY-Lüftungsanlage zum Einsatz kommt. 

Schulleiter Markus Crede von der Albert-Schweitzer-Schule in Kassel sagt im FFH-Gespräch, das Gute sei, dass sämtliche Beteiligte, also Eltern, Schüler und das Kollegium, Einsicht beim Thema Lüften zeigen. "Es gibt wenig Unmut, alle Beteiligten sehen, dass es gerade keine Alternative gibt und es jetzt eben so ist", erklärt er. 

Heißt: Mindestens alle 20 Minuten wird gelüftet. Dazu werden nicht nur die Fenster in den Klassenräumen geöffnet, sondern auch die Türen zum Flur und auf den Fluren wiederum die Fenster nach außen. So kann die frische Luft gut zirkulieren. 

Und weil wir uns nicht mehr im Hochsommer befinden, lautet die Devise während der Lüftungspausen "warm einpacken!". Einige Eltern hätten schon nachgefragt, ob es denn okay sei, wenn sie ihren Kindern Decken und warme Schals für die Lüftungspausen mitgeben würden, erzählt der Schulleiter. "Klar, ist es!", lautet seine Antwort. 

Die Schüler sind gut vorbereitet auf die neuen Lüftungspausen, wie sie unserer Reporterin Madleen Khazim erzählen. 

Jacke, Schal, Tee: So sind die Schüler aufs Stoßlüften vorbereitet

"German Stoßlüften" wird im Ausland abgefeiert 

Stoßlüften ist für uns hier in Deutschland eben kein neues Konzept. Da gewöhnt man sich schnell dran. Deshalb ist es für uns auch umso merkwürdiger, dass man im Ausland deutsche Fenster, das Stoßlüften und die Möglichkeit des Fensterkippens abfeiert. 

Ähnlich wie in Amerika werden in Ländern wie zum Beispiel Großbritannien hauptsächlich Schiebe- oder Klappfenster verbaut. Die bieten erst gar nicht die Möglichkeit, sie zu kippen.

Auf YouTube finden sich hunderte Videos zum Thema "German Windows". Der Inhalt dieser Videos ähnelt sich: Menschen, die nicht aus Deutschland kommen und hier völlig baff sind, dass man Fenster entweder komplett öffnen oder kippen kann. 

Innovatives DIY-Lüftungssystem aus Mainz

© FFH

Das selbstgebaute Lüftungssystem an der IGS Mainz-Bretzenheim. 

Nicht stoßlüften muss die IGS in Mainz-Bretzenheim. Zumindest ein Klassenzimmer. Denn dort wird aktuell ein selbstgebautes Lüftungssystem getestet und für sehr gut befunden. Rund 200 Euro kosten die Materialien, die man dafür im Baumarkt besorgen kann. 

Dr. Frank Helleis, Ehemann einer Lehrerin und Angestellter am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, hat sich das Lüftungssystem ausgedacht. Es besteht aus großen Schirmen, die in Deckenhöhe über den Tischen der Schüler hängen und dafür sorgen, dass die ausgestoßenen Aerosole gezielt in ein großes Abzugsrohr geleitet werden, mit dem jeder Schirm via einem kleineren Rohr verbunden ist. 

Ein Ventilator am gekippten Fenster sorgt dafür, dass die Luft angesaugt und nach außen transportiert wird. Bis zu 90 Prozent der Aerosole können so zuverlässig rausgeleitet werden, ohne dass stoßgelüftet werden muss. 

Materialien gibt's im Baumarkt

Die Bau-Anleitung könnt ihr hier runterladen. Das smarte Lüftungssystem ist auch für Turnhallen oder Büros geeignet, eben für jeden Raum, der über ein kippbares Fenster oder ein Oberlicht und eine Steckdose für den Ventilator verfügt. 

Dr. Frank Helleis über seine DIY-Lüftungsanlage

Schulleitung und Schüler sind begeistert

Auch Schulleiter Roland Wollowski ist begeistert von der Lüftungsanlage und möchte perspektivisch gerne jeden Klassenraum damit ausgestattet haben. Im Gespräch mit FFH nannte er einige Vorteile der günstigen DIY-Konstruktion: "Bei dauerhaften Betrieb, würden wir auch eine bessere Wärme- und CO2-Bilanz erzielen, was gut für die Umwelt wäre und den Schülern dabei helfen würde, konzentrierter zu arbeiten."

Für Schüler Niklas ist ein klarer Vorteil, dass die Temperatur durch die Lüftungsanlage im Klassenzimmer nicht so extrem sinkt, wie beim Stoßlüften: "Gerade, wenn man mehrstündige Klausuren schreibt, werden einem durchs Stoßlüften die Finger ganz schön kalt, was ziemlich unangenehm ist." Unter den Hauben der Lüftungsanlage fühle er sich sicher, erzählt er unserem Reporter Christoph Visone. 

Schulleiter Roland Wollowski über die DIY-Lüftungsanlage

Schüler Niklas über die DIY-Lüftungsanlage

nach oben