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Luca und Co: Das können die neuen Corona-Apps

Luca-App und Co - Brauchen wir eine weitere Corona-App?

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Scannen statt Zettel ausfüllen: Digitale Lösung für die Kontaktverfolgung

Es ist März und Deutschland diskutiert über eine App gegen Corona. Dem einen oder anderen mag dies bekannt vorkommen. Doch die derzeit diskutierte Luca-App erfüllt einen anderen Zweck, als die Corona-Warn-App. Von Datenschützern kommt aber ganz ähnliche Kritik, wie wir sie bei den frühen Entwürfen der offiziellen Corona-Warn-App auch diskutiert haben.

Hilft uns eine weitere App aus der Corona-Krise? An vielen Stellen wird derzeit der Einsatz der "Luca-App" diskutiert, um ein Öffnung von Restaurants und Veranstaltungs-Locations zu ermöglichen. Mit der App sollen Besucher dann beim Betreten einen Code mit ihrem Smartphone scannen und so automatisch ihre Kontaktdaten hinterlassen. Wird später eine Infektion festgestellt, kann eine Liste mit allen in diesem Zeitraum anwesenden Gästen direkt an das Gesundheitsamt übermittelt werden. Die App ersetzt also die Zettel mit den Kontaktdaten, die wir bisher ausfüllen mussten. Die Idee an sich ist nicht wirklich neu, ähnliche Systeme gibt es schon einige auf dem Markt. Wirklich durchsetzen konnte sich bisher aber noch kein System. Nun wird in der Politik diskutiert, ob die Luca-App quasi zum Standard erklärt und ihre Einführung flächendeckend empfohlen werden soll.

Warum überhaupt eine weitere Corona-App?

Die Kontaktverfolgung - also das Warnen von möglichen Infizierten, bevor sie weitere anstecken - ist seit Beginn der Pandemie ein Schwachpunkt in der deutschen Anti-Corona-Strategie. Die offizielle Corna-Warn-App soll zwar eigentlich diese Aufgabe übernehmen, ist aber trotz allem nicht weit genug verbreitet, um andere Maßnahmen zu ersetzen. Darum sind Gastwirte und Veranstaltungs-Locations immer noch verpflichtet, die Kontaktdaten von ihren Gästen zu erfassen.

Mit einer einheitlichen App, die dies für die Gäste automatisiert, ginge dieser Prozess deutlich schneller. Außerdem kann eine solche App in gewissem Rahmen auch die Richtigkeit der Daten sicherstellen, indem Beispielsweise die Telefonnummer bei der ersten Anmeldung verifiziert wird. Die Anbieter können außerdem genau filtern, in welchem Zeitraum sich ein Gast im Lokal aufgehalten hat und dann nur die wirklich relevanten Kontaktdaten an die Gesundheitsämter übermitteln.

Wie soll die Kontakterfassung mit der Luca-App funktionieren?

Beim ersten Starten der App gibt der Nutzer seinen Namen, Telefonnummer und seine Adresse in die App ein. Am Eingang eines Restaurants checkt man sich dann ein, indem man einen QR-Code scannt. Beim Anbieter wird nun gespeichert, wer das Restaurant betreten hat. Mit aktivierten Ortungsfunktionen erkennt die App außerdem, wann man das Restaurant wieder verlassen hat und vermerkt auch diese Information in einer Datenbank. Wird nun bei einem Gast eine Corona-Infektion diagnostiziert, lässt sich mit diesen Daten eine Liste aller Personen erzeugen, die zur selben Zeit im Restaurant waren. Diese können dann vom örtlichen Gesundheitsamt kontaktiert werden.

Zusätzlich kann bei Luca auch jeder Nutzer sein eigenes privates Event starten. Genau wie im Restaurant erhält man einen QR-Code, den Freunde beispielsweise bei der nächsten Gartenparty scannen können (sobald diese wieder erlaubt sind).

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Klassische Kontaktverfolgung mit Zettel und Stift

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

Im Gegensatz zur Corona-Warn-App fallen bei Luca ein Haufen Daten an, die auf den Servern des Anbieters gespeichert werden. Diese sollen laut Hersteller zwar mehrfach verschlüsselt sein und nur von den zuständigen Gesundheitsämtern entschlüsselt werden können, trotzdem ähnelt die App damit sehr den ersten Entwürfen der Corona-Warn-App. Nach starken Protesten ist die Bundesregierung damals umgeschwenkt und hat für die Corona-Warn-App einen Ansatz gewählt, bei dem die Daten ausschließlich auf den Smartphones verbleiben.

In dieser Hinsicht wäre die Luca App ein Rückschritt, denn hier werden die Bewegungen aller Nutzer in den letzten 14 Tagen zentral an einem Ort gesammelt. Im Gegensatz zur Corona-Warn-App ist bei Luca auch der Programmcode des Systems nicht veröffentlicht - Nutzer müssen also den Versprechen der Macher vertrauen, dass sie mit diesem Datenschatz sorgsam umgehen. Dementsprechend melden sich auch viele Kritiker zu Wort. Die Netzaktivistin und Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg (Die LINKE) kommentiert: "Ich dachte bisher, öffentliche Stellen haben nach dem Start der Corona Warn App verstanden, welche große Bedeutung Transparenz, Überprüfbarkeit, Dezentralität und Vertrauen auf die Verbreitung und Akzeptanz einer App haben, die sensible Gesundheitsdaten betrifft. Da habe ich mich wohl geirrt. [...] Die Luca App wiederum ist intransparent, speichert alles zentral und nichts an ihr ist Open Source. Für mich ist damit keine Vertrauenswürdigkeit in die Luca App gegeben."

Immerhin bei der Überprüfbarkeit wollen die Luca-Macher nun nachlegen und haben angekündigt, den Programmcode der App bis Ende März komplett zu veröffentlichen.

Rapper Smudo hat keine Datenschutzbedenken bei Luca

Rapper Smudo von den Fantastischen Vier hat die Entwicklung der App unterstützt und setzt sich für deren Verbreitung ein.

Gibt es Alternativen?

Die Idee der Luca App ist nicht neu. Unter dem Name "Wir für Digitalisierung" haben sich fast 50 Anbieter ähnlicher Kontakterfassungs-Lösungen zusammengetan. Ihre Idee: Statt einer App die überall eingesetzt wird lieber eine zentrale Schnittstelle entwickeln, über die die Gesundheitsämter auf die Kontaktdaten verschiedener Anbieter zugreifen können. So könnte jeder die App verwenden, die ihm persönlich am liebsten ist. So gäbe es Beispielsweise mit der schweizer App Notify Me eine Alternative, die ohne zentrale Datenspeicherung auskommt, Allerdings hieße das auch, dass man möglicherweise mehrere Apps parallel installieren muss, wenn das Lieblings-Restaurant die bevorzugte App nicht unterstützt.

Kann ich Luca schon benutzen?

Bisher sind erst einige wenige Gesundheitsämter an die App angeschlossen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern ist hierbei Vorreiter und hat das System landesweit eingeführt. Bei uns in Hessen kann man die App derzeit nur im Landkreis Waldeck-Frankenberg nutzen. Es gibt aber schon einige weitere Kreise wie Fulda, Hersfeld-Rotenburg oder der Rheingau-Taunus-Kreis, die ihr Interesse bekundet haben, die App einzuführen. Am Ende steht und fällt es aber damit, wie die Geschäfte und Restaurants reagieren. Spätestens dann wird sich auch zeigen, welches App-System sich letztendlich durchsetzt oder ob die Bedenken der Nutzer überwiegen.

Marc Adler

Autor
Marc Adler

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