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Mehr Bio: Das kaufen wir während Corona

Was wir in der Krise kaufen - Bio und Socken top, Lippenstift flop

© dpa

Über eine Jahr stecken wir jetzt schon in der Corona-Krise und in der Zeit hat sich einiges geändert. Nicht nur wie wir leben, sondern auch wofür wir unser Geld ausgeben. Wer in die Verkaufszahlen der letzten Monate schaut findet vieles erwartbare, aber auch einige Überraschungen.

Unsere coronabedingten Änderungen im Lebensstil haben massive Auswirkungen auf den Handel. Nicht nur, weil viele Geschäfte lange gar nicht öffnen durften, sondern weil sich auch unsere Einkaufsgewohnheiten geändert haben.

Klar, wer nicht ins Büro geht, braucht auch keinen neuen Anzug. Aber dafür gemütliche Socken und kuschelige Hausschuhe. Das sagen zumindest die Verkaufszahlen der Modehändler. Auch alles was das Zuhause schön macht, war im letzten Jahr stark nachgefragt. Uns selber machen wir dafür weniger schön: die Verkaufszahlen von Kosmetik sind eingebrochen.

Corona ist gut für Bio

Ein Gewinner der Corona-Krise, den man auf den ersten Blick sicher nicht auf dem Schirm hatte, sind die Bio-Bauern im Land. Durch Home-Office, Kontaktverbot und geschlossene Restaurants kochen die Deutschen deutlich mehr und legen dabei auch viel Wert auf Bio-Qualität. Laut dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft stieg der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln im vergangenen Jahr um über 20 Prozent und damit doppelt so stark wie die Nachfrage nach Lebensmitteln insgesamt.

Neben den Supermärkten profitierten davon vor allem kleine Hofläden und Höfe die ihre Produkte über das Internet vertreiben. Vermutlich weil einige Kunden aus Angst vor Infektionen die großen Supermärkte meiden und wenn möglich ihre Lebensmittel lieber in kleineren Läden kaufen.

Nachrichten- und Mediennutzung steigt

Das Bedürfnis nach Information und Unterhaltung daheim ist während der Corona-Zeit stark gestiegen. Und auch die Bereitschaft dafür zu bezahlen. Der Verkauf von digitalen Zeitschriften-Abos ist im vergangenen Jahr um 31 Prozent nach oben gegangen. Und auch die Nutzung von kostenlosen, werbefinanzierten Online-Nachrichtenangeboten hat stark zugelegt.

Die Beratungsgesellschaft Deloitte hat in einer Umfrage einen Zugewinn von rund 35 Prozent berechnet. 30 Prozent gab an das Radio verstärkt zu nutzen. Paradoxerweise nutzen diese gestiegenen Zahlen den Verlagen aber nicht wirklich. Denn durch den Lockdown brachen gleichzeitig die Werbeeinnahmen ein.

Neben den Nachrichtenangeboten profitierten vor allem die Streaming-Dienstleister von den vielen Abenden auf der Couch, die gefüllt werden wollen. Aber auch das klassische Fernsehen, in den letzten Jahren eher auf dem absteigenden Ast, hat im Pandemie-Jahr wieder einen Schub bekommen. Rund 20 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr deutlich mehr Fernsehen geschaut zu haben als zuvor.

Ein wenig mit Vorsicht behandeln muss man diese Zahlen allerdings. Denn sie basieren nur auf der Selbsteinschätzung der Befragten, die durchaus durch die vielen Veränderungen im letzten Jahr auch daneben liegen kann.

Raus aus dem Anzug, rein in die Jogginghose

Während der Corona-Zeit machen wir es uns auch kleidungstechnisch bequem. Der Verkauf von Jogginghosen ist dank Home-Office um 43 Prozent gestiegen, der Verkauf von Anzügen im Gegenzug um fast 60 Prozent eingebrochen.

Auch ein echter Verkaufsschlager im letzten Jahr waren Strümpfe. Und die auch gerne bunt und fröhlich. Laut Online-Händler Zalando hat sich der Verkauf von Socken und Strümpfen seit Beginn der Krise verdoppelt. Und natürlich: Wer daheim ist braucht Hausschuhe. Deren Verkauf ging während des zweiten Lockdowns im Herbst um fast 70 Prozent nach oben, hat eBay ermittelt.

Kein Lippenstift im Video-Call

Wer weniger Menschen trifft, hat auch weniger Grund sich aufzuhübschen. Dementsprechend sind die Umsätze für Schönheits-Kosmetik im Jahr 2020 um rund 13 Prozent zurückgegangen, gibt der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel an. Besonders hart trifft es Lippenstifte, deren Verkauf ging um fast die Hälfte zurück, schätzten die Marktforscher der npd Group. Kein Wunder, würde er doch sowieso in vielen Fällen hinter der Maske verschwinden.

Wir putzen und waschen

Alles was irgendwie "sauber" macht, hatte ein besonders gutes Jahr 2020. Ganz vorne weg der Verkauf von Seife, der um sagenhafte 77 Prozent nach oben geschnellt ist. Aber auch Haushaltsreiniger (plus 18 Prozent) und Geschirrspülmittel (plus 15 Prozent) haben wir im letzten Jahr verstärkt gekauft.

Dem Alkohol ist die Krise fast egal

Wie ist es eigentlich mit dem Alkohol? Trinken wir weniger weil Bars, Clubs und Kneipen zu sind? Oder doch eher mehr, weil sich viele daheim das eine oder andere Gläschen zusätzlich genehmigen? Die Antwort lautet, zumindest im deutschlandweiten Durchschnitt: Weder noch! Der Alkoholkonsum der Deutschen zeigt sich von der Krise im Vergleich zu anderen Produkten ziemlich unbeeindruckt und geht nur leicht zurück.

Den stärksten Einbruch muss das Bier hinnehmen - im Schnitt hat jeder Deutsche knapp 5 Liter Bier weniger als im Vorjahr getrunken (das entspricht einem Minus von 5,4 Prozent), gibt das statistische Bundesamt an. Der Verbrauch von Schaumwein und Spirituosen geht um 2,1 und 0,9 Prozent zurück. 

Marc Adler

Autor
Marc Adler

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