Nachrichten > Top-Meldungen, Magazin >

Über 35 Grad im Juni: Sehr krass und ungewöhnlich

Ü35 Grad im Juni: Ungewöhlich - Dr. Martin Gudd erklärt, warum das so ist

© FFH

Schon 32 Grad vormittags um 11 Uhr auf der FFH-Kantinenterrasse. 

Bis zu 36 Grad sind drin! So hoch steigt das Thermometer zum Beispiel in Südhessen und im Rhein-Main-Gebiet. Und zwar nicht nur am Donnerstag, sondern voraussichtlich auch am Freitag. Selbst in Nord- und Osthessen werden es bis zu 33 oder 34 Grad. Nur in den Mittelgebirgen bleibt es ein wenig "frischer". Diese heftigen Temperaturen im Juni sind ungewöhnlich und krass. 

Die aktuellen Temperaturen und Aussichten für deine Region: FFH-Wetter

Mitte Juni normal Schafskälte

Im Sommer wird’s bei uns ja öfter heiß. Aber so früh im Jahr so heiß? Das ist doch sehr krass und sehr ungewöhnlich. Denn normalerweise gehört der Temperaturbereich jenseits der 35 Grad nicht zum Portfolio des Juni, sondern eher zum Juli und zum August. Bis dahin hat sich der Kontinent genügend aufgeheizt, dass diese extreme Temperatur leichter erreicht werden kann. In diesem Jahr sind wir also etwa zwei Wochen früher dran als normal. Und nicht nur das: In vielen Jahren herrscht ja jetzt zu Mitte Juni eher die Schafskälte mit Temperaturen teils deutlich unter 20 Grad. Da fallen die Ü35-Werte in diesem Jahr wirklich aus dem Rahmen.

Steht bedenklicher Rekord bevor?

Einerseits ist es ja so, dass man diese Hitze als Ausgleich zum kühlen Frühjahr sehen könnte. Denn beim Wetter kommt es häufig vor, dass zwei entgegengesetzte Extreme aufeinanderfolgen. Aber über 35 Grad Mitte Juni, das ist schon wirklich heftig. Und dann - deutschlandweit gesehen - auch gleich mehrere Tage hintereinander. Möglicherweise werden es stellenweise bis zu 37 Grad (eventuell am Freitag in Südhessen und in Nordbaden am Rhein oder am Samstag in der Lausitz), und das kratzt schon bedenklich am Rekordniveau für den Juni.

Wir erleben also eine krasse Hitzewelle, was das frühe Auftreten im Jahr angeht. Über 35 Grad im Juni, das gab es auch früher nur sehr selten, zuletzt am 26. Juni 2019 (also über eine Woche später im Jahr als diesmal). 2019 war übrigens das Jahr, wo wir im Juli schließlich mit über 40 Grad einen neuen hessischen Allzeitrekord der Temperatur vermelden durften (am 25. Juli). Es wird also spannend, was da in diesem Jahr noch so auf uns zurollt.

Klimaerwärmung ist schuld 

Bemerkenswert ist es auf jeden Fall, mit welcher Leichtigkeit und Schnelligkeit sich mittlerweile solche krassen Ü35-Hitzewellen bei uns in Deutschland einstellen, und zwar nicht nur einen Tag lang, sondern gleich mehrere Tage hintereinander. Das liegt - mit so ziemlich absoluter Sicherheit - an der voranschreitenden Klimaerwärmung. Denn die sorgt dafür, dass Hitzewellen stärker werden und länger ausfallen als früher - wie man in diesem Jahr schön sehen kann.

Übrigens steht das kalte Frühjahr auch nicht im Widerspruch dazu. Denn ein wärmeres Klima bedeutet für uns in Deutschland mehr sogenannte meridional geprägte Wetterlagen. Die Winde kommen also häufiger entweder aus Nord oder Süd und viel weniger aus dem milden Westen wie früher. Daher ist es entweder gleich ziemlich kalt oder gleich ziemlich warm. Die Unterschiede sind somit größer als früher. Auch das kann man in diesem Jahr schön sehen.

nach oben