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Martin "Wetter" Gudd: Keine Panik, das ist Winter

Martin "Wetter" Gudd: - Keine Panik, das ist nur Winter

© dpa

Rollt etwa wirklich ein "Jahrhundertwinter" auf uns zu? FFH-Wetterexperte Martin Gudd beruhigt: Das ist ein ganz normaler Winter. Kälte gehört dazu. 

Es ist Winter, und es ist kalt geworden. So weit, so gut. Was in den letzten Tagen dabei jedoch manchen von uns vielleicht ein wenig skurril vorkam, waren die medialen Begleiterscheinungen zu dieser ersten richtigen Kältewelle im Winter 2018/19. Wir wurden in ihrem Vorfeld nämlich außer von solch obligatorischen Bezeichnungen wie "Kältehammer", "Russlandpeitsche" und "sibirischer Kälte" auch von "4-Wochen-Winter", "Jahrhundertwinter" und sogar von solch exotischen Bezeichnungen wie "Arctic Outbreak" geradezu bombardiert.

Wer sich gefragt hat: Was steckt hinter dem ganzen Tamtam? Nun, ganz einfach: Nicht allzu viel. Denn es ist Januar. Es ist bei uns eine Weile kalt. Es gibt örtlich knackigen Frost. Und es kann eben manchmal schneien. So, wie wir das in vielen Wintern erleben. Nicht mehr und nicht weniger.

Die jetzige Kälte: Ausgleich zu milden Wochen

Im Prinzip handelt es sich - salopp gesagt - um einen Ausgleich der bisherigen viel zu milden Witterung. Die letzten Wochen waren (trotz der Berichte über die Schneemassen in den Alpen) bei uns im Prinzip nur mild, bewölkt und nass, und das Wetter kam bislang vom eben milden Nordatlantik. Seit Mitte Januar hat sich - wie fast immer üblich - nach etwa sechs Wochen diese Großwetterlage umgestellt. Das Wetter kommt nun nicht mehr so richtig vom Atlantik, sondern eher vom Nordmeer und von Nordeuropa zu uns, wird zum Teil aber auch bei uns hier vor Ort produziert.

Wetter aktuell ist völlig normal

Das geschieht nämlich so: Wenn jetzt der milde Einfluss des Ozeans fehlt, kann sich der europäische Kontinent ordentlich abkühlen. Obendrein liegt hier und da etwas Schnee, was die Abkühlung noch verstärkt. Daher wird es nun hier vor Ort (!) prinzipiell von Tag zu Tag immer kälter. Die Sonne hat keine Kraft, dagegenzuhalten, und so hat sich der Frost jetzt in den letzten Tagen ganz ordentlich verstärkt. Morgens früh gibt es mittlerweile Temperaturen unter -10 Grad, vor allem dort, wo die Landschaft schneebedeckt ist. Das alles ist ein vollkommen normaler Abkühlungsvorgang im Winter und hat überhaupt nichts mit irgendeiner "sibirischen" oder "russischen" Kälte zu tun. Die Luft kommt nämlich überhaupt nicht von dort zu uns.

Knackig kalt in diesen hessischen Regionen

Dass es bei einer solchen normalen Kälte durchaus auch zu Tiefstwerten von -20 Grad und weniger kommen kann, ist ebenfalls nicht ungewöhnlich. Denn in Deutschland gibt es vor allem in den östlichen Mittelgebirgen häufig "ungünstige" Lagen, in denen sich die Kaltluft sammelt und in denen es selbst in milden Wintern oft tiefgefroren ist. Beispiele in unserer Heimat sind die Hochrhön rund um Frankenheim, der östliche Vogelsberg nahe Grebenhain, einige Regionen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg oder die Lahnauen zwischen Gießen und Marburg. Dort ist es schon dann knackig kalt, wenn es rund um Kassel, Gießen oder Frankfurt einfach nur leicht frostig ist.

Bleibt es so kalt?

Nach den jetzigen Berechnungen dauert die aktuelle "Vor-Ort-Kältewelle" erst einmal bis zum Ende der Woche. Richtung Wochenende dürfte ein Schwung an Schnee und Regen so Freitag/Samstag nach Hessen kommen und es allmählich wieder milder machen, zumindest für ein oder zwei Tage. Spaßigerweise kommt dieser Tiefausläufer dann wieder vom Nordatlantik. 

Ob die Kälte danach im Endeffekt wirklich vier Wochen lang dauert wie von manchen behauptet, weiß kein Mensch. Denn es gilt nach wie vor: Seriös und konkret sind Wettervorhersagen nur bis etwa 5 Tage im Voraus, alles danach ist ein Kann, nicht Muss - und Prognosen über eine Woche bzw. über zehn Tage im Voraus sind im Prinzip nur Kaffeesatzleserei.

Das aktuelle Wetter in deiner Region findest du hier: FFH-Wetter

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