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Kinotipp: Friedhof der Kuscheltiere

FFH-Kinotipp - Friedhof der Kuscheltiere

Stephen Kings Gruselklassiker ist wiederauferstanden. FFH-Kinomann Volker Willner urteilt: Grillt Deine Nerven, hetzt aber durch die Handlung.

Zehn Euro kostet das Kinoticket, acht ist es wert.

Check die Gegend, in die Du ziehen willst, sehr sorgfältig. Hätten sich die Creeds bloß an diese Regel für angehende Immobilienbesitzer gehalten. Aber in Horrorfilmen fängt das Grauen meist mit dummen Fehlern an. Und so zieht die Arztfamilie in ein Häuschen in ruhiger Waldrandlage – mit einer alten Begräbnisstätte für Tiere hinterm Grundstück. Hundkatzemaus, die dort verbuddelt werden, kehren als teuflische Biester zurück.

Das erste Mal zuckst Du im Kinosessel schon nach ein paar Minuten zusammen. Nicht, weil’s schon gruselig wäre. Sondern einfach, weil ein Truck vorbeidonnert. Die Nerven sind schließlich in Alarmbereitschaft. Entspannter wird es nicht mehr. Machen wir uns nix vor. Die meisten kennen die Story und wissen, wie der Wahnsinn eskaliert. Aber geschickt verändert der Film Details aus dem Buch und der Erstverfilmung von 1989 und gewinnt so zusätzlichen Thrill.  

Die Neuverfilmung kommt bestens ohne Stars aus der A-Riege aus: Jason Clarke und Amy Seimetz spielen die Eltern am Limit. John Lithgow hat als leicht verwahrloster Nachbar mit Herz großartige Szenen. Aber der größte Hingucker sind die beiden Kinder der Creeds. Wenn Kids in Horrorfilmen schlecht gecastet sind, kann nichts die Chose retten. Hier fragst Du Dich, wie die Regie die Kleinen geführt hat, dass sie ihre alptraumhafte Rollen (hoffentlich) ohne bleibende Schäden spielen konnten. Jeté Laurence als neunjährige Ellie meistert ihren großen Part sehr souverän. Lucas Lavoie als ihr kleiner Bruder ist mit seinen angsterfüllten verweinten Augen schlicht perfekt.

Schade, dass sich der Film zu wenig Zeit nimmt für die Verzweiflung der Familie, für ihre Trauer. So verzichtet er zugunsten von Handlung auf Wirkung. Schade auch, dass man ausgerechnet dem eigentlichen Friedhof der Kuscheltiere ansieht, dass er im Studio entstanden ist, statt im Wald. Das ist die einzige handwerkliche Schwäche dieses gelungenen Remakes.

Trailer: Friedhof der Kuscheltiere

Volker Willner

Reporter:
Volker Willner

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