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Martin Gudd klärt auf: Eisheilige oder nicht?

Martin Gudd klärt auf - Gibt's die Eisheiligen jetzt oder nicht?

© dpa

Letztes Jahr noch die fetten 30 Grad! Und 2019? Mit Ach und Krach mal 15 Grad oder ein wenig mehr. Dieser Mai hat sich dazu entschlossen, erst einmal kühl und wechselhaft zu sein, ganz im Gegensatz zu seinem heißen Vorgänger von 2018. Liegt das etwa an den Eisheiligen, von denen man jetzt immer wieder hört und liest? FFH-Wetterexperte Dr. Martin Gudd klärt auf. 

In der letzten Zeit konnte man häufig lesen oder hören, dass diese ganze kühle Witterung die vorgezogenen Eisheiligen seien. In der Tat stehen die ja in den nächsten Tagen auf dem Kalender. Für uns in Hessen sind dabei Pankratius (12.5.), Servatius (13.5.) und Bonifatius (14.5.) ausschlaggebend. Im Norden von Deutschland gehören dazu auch Mamertus (11.5.) und im Süden schließlich Sophia ("Die kalte Sophie", 15.5.).

Doch ist das wirklich so? Die einfache Antwort lautet: Nein!

Die aktuell kühle Witterung, die wir seit Anfang Mai haben, hat nichts mit den Eisheiligen zu tun. In Wirklichkeit ist dafür ein regelmäßig vorkommender Kälterückfall ohne besonderen Namen verantwortlich, der - so wie in diesem Jahr - häufig um den Zeitraum Ende April/Anfang Mai einsetzt, und der oft mehrere Tage lang andauert.

Die "wirklichen" Eisheiligen sind viel später

Die Eisheiligen auf dem Kalender dagegen sind nur noch bloße "Fassade", es sind lediglich noch Bezeichnungen ohne großen Realitätsbezug. Denn wir vergessen oft folgendes: Durch die Kalenderreform Ende des 16. Jahrhunderts wurden einst zehn Tage gestrichen: Auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582, folgte gleich Freitag, der 15. Oktober 1582. Die Folge: Alle kalendergebundenen Witterungsregelfälle (wie es die Eisheiligen sind) verschoben sich damals ebenfalls um zehn Tage.

Die "wirklichen" Eisheiligen finden sich also heutzutage nicht mehr zwischen dem 12. bis 15. Mai, sondern meist so zwischen dem 22. und 25. Mai wieder. In der Tat gibt es zu dieser Zeit bei uns in Hessen oft noch kühles Wetter, in den Mittelgebirgen nicht selten mit letztem Frost. Diese echten Eisheiligen sind heute nur noch regional als "Kleine Eisheilige" bekannt.

Wichtigste Regel: Beim Wetter gibt's keine Regel

Bei den anderen Witterungsregelfällen ist das übrigens genauso: So liegt der "echte" Siebenschläfertag (auf dem Kalender weiter der 27. Juni) heute in Wirklichkeit in den ersten Julitagen, und das Weihnachtstauwetter, das heute meist punktgenau zu den Festtagen kommt, trat in früheren Jahrhunderten regelmäßig schon Mitte Dezember auf.

Dem Wetter selbst sind solche kalendarischen Überlegungen meist egal. So auch in diesem Jahr: Es geht erst mal wechselhaft und meist eben kühl oder nur mäßig temperiert weiter:

Das Wetter in den kommenden Tagen

Samstag: Schon wieder ein neues Regentief! Es überzieht schon seit den Nachtststunden weite Teile von Hessen, und es bleibt heute einfach nur nass und grau. Im Süden des Landes gibt es mit viel Glück örtlich Sonne, allerdings zusammen ebenfalls mit Schauern und örtlichen Gewittern. Dort - an der Grenze zu Baden-Württemberg - gibt es stellenweise über 15 Grad, sonst ist es unter den meist geschlossenen Regenwolken mit kaum 10 Grad deutlich kühler. Zum Abend hin verzieht sich das Regentief "Zacharias", und dann bessert sich das Wetter deutlich. Es wird allerdings auch schnell ziemlich frisch.

Sonntag: Wieder ganz nett mit einer Mixtur aus Sonnenschein und dicken Wolken. Die Schauer halten sich zurück, und die Temperatur erreicht am Muttertag bis zu 16 Grad.

Neue Woche: Voraussichtlich tendenziell wieder etwas kühler. Die Nächte werden wieder frisch, im Norden sind möglicherweise wieder die 0 Grad dabei. Am Tage geht es hoch auf 14/15 Grad, dafür scheint zeitweise die Sonne, und es bleibt meist trocken.

Die Aussichten für eure Region immer aktuell hier: Das FFH-Wetter

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