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Martin "Wetter" Gudd: Hitze ist menschengemacht

Martin "Wetter" Gudd - Hitze: Frankfurt bald wie Madrid

© dpa

Brütend heiße Sommer und Temperaturen, die im Juni schon über 35 Grad klettern: Die Klimazonen verschieben sich so, dass es in Frankfurt im Sommer bald so heiß sein kann, wie sonst in Madrid. FFH-Wetterexperte Dr. Martin Gudd erklärt, warum die Hitze bei uns bedenklich ist...

Der Ist-Zustand beim Wetter

Am Sonntag war's wieder knalleheiß und es sind neue Rekorde gefallen. Der Deutsche Wetterdienst meldete am Abend, dass es in Bernburg/Saale in Sachsen-Anhalt mit 39,6 Grad so heiß war wie noch nie an einem Juni-Tag in Deutschland. Der Allzeit-Temperaturrekord von 40,3 Grad für Deutschland blieb jedoch unerreicht.

Montag wird's dann nicht mehr so heiß, aber immer noch bis 31 Grad.

Wetter-Rekord im Juni 2019

Und einen Fabelrekord stellt der Juni bei uns auch auf. Es gab noch nie so viele Tage mit krasser Hitze (über 35 Grad) wie im Juni 2019. Mit dem Sonntag sind es drei Tage mit 35 Grad und mehr. Eigentlich darf es im Juni nur so bis 33/34 Grad gehen. Früher waren 35 Grad im Juni die absolute Ausnahme (z.B. 1947 oder 1976). Aber seit Anfang des 21. Jahrhunderts hat sich das geändert, und vor allem etwa die letzten 10 Jahre brachten regelmäßig 35 Grad im Juni.

Ist das noch normal?

Das Muster passt zur menschengemachten Klimaerwärmung: Es gibt immer mehr krasse Hitzewellen, es wird immer früher immer heißer. Früher gab es mehr als 35 Grad fast immer nur in Juli und August, und auch da nur ausnahmsweise. Heute eben schon im Juni.

Die Ursache für die Hitze

Die Arktis. Dort im Nordpolargebiet ist die Erwärmung in den letzten Jahren viel stärker gewesen als bei uns. Früher gab es im Sommer dort nur um die 0 Grad. Heute sind manchmal 20 Grad drin und sogar mehr.

Folge Nr. 1: Der Unterschied in der Temperatur zwischen Arktis und Tropen wird immer kleiner.  

Folge Nr. 2: Dadurch wehen, salopp gesagt, die Winde in der Atmosphäre schwächer. Denn Winde wehen aufgrund der Temperaturunterschiede zwischen zwei Orten. Je stärker der Unterschied, umso heftiger der Wind - und eben umgekehrt: Je schwächer der Unterschied, umso schwächer auch der Wind.

Was macht ein schwächerer Wind? Er weht nicht mehr geradlinig, sondern fängt an hin- und herzuschwanken, er "mäandriert". Bei uns weht er dann also nicht mehr geradlinig von Westen wie früher, sondern häufiger aus Nord bzw. aus Süd.

Wind aus Süd = höhere Temperaturen

Mit den Winden aus Süd wird es im Sommer bei uns schneller heißer als früher, die Hitze wird stärker als früher. Denn die kalte Nordluft kann ja nicht mehr richtig dagegenhalten, sie ist ja nicht mehr richtig "kalt". Die Hitze breitet sich bei uns also immer stärker aus mit immer höheren Temperaturen. Früher startete die Hitze über Südspanien mit 40 Grad, sie kam bei uns mit 33 Grad an. Heute startet sie dort mit 44 Grad und kommt bei uns mit 37 Grad an.

Verschiebung von Klimazonen

Insgesamt findet eine "Verschiebung" der Klimazonen statt. Frankfurt hatte in den Übersommern 2003 und 2018 das Klima wie normalerweise in Südfrankreich, in Freiburg war es so wie normalerweise in Barcelona. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Frankfurt im Sommer so heiß wird wie Madrid oder Rom.

Das sagt die Wissenschaft

Die Wissenschaft ist sich absolut einig, dass der Mensch das alles zu verantworten hat. Denn alle natürlichen Faktoren zusammengenommen (Sonne, Vulkane usw.) haben bei weitem nicht die Kraft, die derzeitigen Veränderungen zu erklären. Nur die menschengemachte Erhöhung des CO2-Anteils in der Atmosphäre kann das alles zufriedenstellend erklären. Da herrscht absolute Einigkeit.

Es gab zwar schon immer Klimaschwankungen. Aber es gab noch nie solche krassen Änderungen in so kurzer Zeit. Bemerkenswerterweise gibt es immer noch Menschen, die an all dem zweifeln - aus welchen Gründen auch immer...

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