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Kinotipp: Joker

Kinotipp: Joker - Der beste Joker aller Zeiten

Es ist die Zeit der bösen Clowns: Pennywise geistert noch in „Es 2“ durch die Kanalisation, schon gehen wir mit Batmans Gegenspieler Joker auf einen harten Psychotrip. FFH-Kinomann Volker Willner urteilt: eine grandios gespielte One-Man-Show, die uns als Zuschauer stark fordert.

Zehn Euro kostet unser Kinoticket, neun ist es wert.

Es ist ein raues, blutiges Drama. Ein Psychogramm, das uns zeigt, wie der psychisch kranke Arthur Fleck unaufhaltsam Richtung Wahnsinn trudelt, lange bevor Batman zum Helden von Gotham City wird.

Hauptdarsteller Joaquin Phoenix spielt am Anschlag. Sein Joker ist eine ausgemergelte, traurige Kreatur, die an der Welt und an sich selbst verzweifelt. Er möchte ein Clown sein, der alle zum Lachen bringt, doch er scheitert schon auf kleiner Bühne an sich selbst – und am kalten Gotham. Da helfen ihm auch die sieben Sorten Psycho-Pharmaka nicht, die er sich einwirft.   Zwei Stunden lang leiden wir mit ihm und verstehen, warum er zur tickenden Bombe wird. Die Kamera klebt an seinem Gesicht und zeigt die Risse, wo die weiße Schminke trocknet, und den gruselig roten Mund, wenn er in den unpassendsten Momenten in Lachkrämpfe verfällt.

Mit solcher Seelentiefe haben wir den Joker in den Batman-Filmen nie gesehen. Jack Nicholson hat ihn als eindimensionalen Clown gespielt. Zuletzt war Jared Leto in „Suicide Squad“ als Joker einfach ein komplett irrer Gewalttäter. Heath Ledgers oscarprämierte Darstellung galt lange als das Maß aller Dinge - nun läuft ihm Joaquin Phoenix den Rang ab, höchst beeindruckend in jeder Filmsekunde. Er hat sich konsequenterweise 23 Kilo runtergehungert für die Rolle. Neben Phoenix‘ genialer Leistung sind auch Musik und Kamera oscarreif.

So paradox es klingt: Gerade das extrem hohe Niveau macht „Joker“ auch anstrengend. Der Film hält Dich als Zuschauer wie in einem Schraubstock – bis zum Abspann.  

Joker - der Trailer

Volker Willner

Reporter:
Volker Willner

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