NachrichtenMagazin >

Kinotipp: Das Udo Jürgens Musical

Kinotipp: Ein Musical - "Ich war noch niemals in New York"

Als Musical gibt’s die Hits von Udo Jürgens schon länger. Das schafft’s jetzt vom Theater auf die Leinwand – mit Starbesetzung. FFH-Kinomann Volker Willner urteilt: Der kunterbunte Klaumauk nervt anfangs, macht dann aber Spaß.

Zehn Euro kostet unser Kinoticket – sieben ist es wert.

Fernsehmoderatorin Lisa (Heike Makatsch) hat‘s nicht leicht: Der Quotendruck lässt der Single-Frau keine Zeit für die Liebe. Dann haut‘s ihrer Mutter (Katharina Thalbach) bei einem Sturz das Gedächtnis weg,  die beiden Ladys landen auf einem Kreuzfahrtschiff – natürlich nach New York – und da geht’s drunter und drüber.

Musicals musst du mögen. Sonst hast du keinen Spaß an „Ich war noch niemals in New York“ - dieser bonbonfarbenen Welt, den gewollt künstlich wirkenden Kulissen und den spontanen Gesangsausbrüchen. Doch selbst Musical-Fans stellt der Film auf eine harte Probe. Die erste halbe Stunde ist so überdreht und hektisch, dass man schon versucht ist, sich aus dem Kino zu schleichen. Schnell sollen wir das ganze Personal und seine Beziehungen untereinander  kennenlernen. Das macht’s anstrengend. Zum Glück kommt der Unterhaltungsdampfer in ruhigeres Fahrwasser und wir genießen die Überfahrt.

Das Ensemble macht einen Klassejob: Uwe Ochsenknecht als öliger Womanizer singt mitreißend, auch Heike Makatsch performt souverän. Katharina Thalbach und Moritz Bleibtreu schlagen sich wacker, auch wenn’s für eine Zweitkarriere im Musikbusiness vielleicht nicht reicht. Mehr als 20 gut gewählte Udo-Jürgens-Hits passen in die knapp 130 Filmminuten: die Gastarbeiterromantik von „Griechischer Wein“ genauso wie die Fressorgien-Hymne „Aber bitte mit Sahne“ oder der Trennungstränen-Song „Liebe ohne Leiden“.

So schafft der Film das, was gute Musicals können müssen: uns berühren, mitsingen lassen, glücklich machen.

Ach ja: Sorry, liebe Darmstädter. Eure Stadt kommt nicht gut weg. Dass der dröge Statistiker Alex ausgerechnet aus Darmstadt kommt, muss für ein paar Lacher herhalten. Im Titelsong „Ich war noch niemals in New York“ heißt’s deshalb auch:  „ging nie durch Darmstadt in zerriss‘nen Jeans.“  

Trailer: Ich war noch niemals in New York

Volker Willner

Reporter
Volker Willner

blog comments powered by Disqus
nach oben