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Warum dieses April-Wetter so extrem ist

Hessen ist staubtrocken - Warum dieses April-Wetter so extrem ist

Überaus sonnig und knochentrocken: Das war bislang der April 2020. Damit mauserte er sich zu einem Monat der Extreme. Statt launigem Aprilwetter gab es bislang fast nur Sonne satt. Viele Tage brachten die astronomisch mögliche Sonnenscheindauer von 13 bis 14 Stunden. Und da ist natürlich klar, dass der Regen bislang keine Chance hatte. 

Dieser April ist extrem

Der April ist in Hessen zwar ohnehin normalerweise mit so 40-50 Liter Regen auf den Quadratmeter ein recht trockener Monat. Vor allen Dingen in den Mittelgebirgen fällt, im Vergleich zu den anderen Monaten, oft die geringste Regenmenge des gesamten Jahres.

Aber diesmal war es extrem: Bislang blieb es oft staubtrocken. Den letzten ergiebigen Regen in ganz Hessen hatten wir am 12. März.

Kein Regen in manchen Gebieten

Seitdem gab es regional nur noch am 20. und 21.März, 29. März, 13. und 18. April einige Regenschauer. Vor allen Dingen in Südhessen fiel gebietsweise den gesamten April über noch kein Tropfen Regen. Die Trockenheit dauert auf Hessen bezogen damit schon unglaubliche 47 Tage. Die letzten 9 Tage waren sogar überall absolut trocken.

Der Einfluss von Hochdruckgebieten

Verantwortlich für diesen Zustand ist eine bestimmte Wetterlage, bei der alle Regenwolken von uns abgehalten werden. Das passiert dann, wenn wir im Einflussbereich von Hochdruckgebieten liegen. Hier kann sich in der Regel kein Regenwetter entwickeln.

Dabei haben sich in den letzten Wochen sogenannte blockierende Hochdruckgebiete hervorgetan: Das Zentrum dieser Hochs liegt auf dem Atlantik. Vor der Küste von Westeuropa.

Luftberg hält Regen auf

Dort ist das Wasser recht kühl, was Hochs mögen, so dass sie sich Hochdruckgebiete dort wochenlang aufhalten können - ohne sich groß von der Stelle zu bewegen. Das Hoch wirkt dort quasi wie ein Luftberg, der alles, was an Regen Richtung Mitteleuropa marschieren will, aufhält.

Die Regenwolken werden entweder Richtung Norwegen abgelenkt oder eben direkt ins Mittelmeer. Bei uns in der Mitte bleibt es hingegen trocken.

Kühler Morgen, warmer Nachmittag

Während einer solchen Hochdruckblockade gibt es für Hessen eigentlich nur zwei Wettersituationen: Wenn das Hoch besonders stark ist, kommt die Luft gerne von Norden oder Nordosten.

Das heißt: kühle Vormittage, mäßig warme Nachmittage, ein böiger Wind, oft blauer Himmel, nur manchmal Wolken und insgesamt knochentrockene Luft.

Ist das Hoch etwas schwächer, kann sich unter Umständen etwas feuchtere Luft von Frankreich und Spanien bei uns mal breitmachen. Dann ist es insgesamt etwas wärmer, nicht ganz so windig und es sind hier und da Schauer möglich. Was aber nur der berühmte "Tropfen auf den heißen Stein" ist.

Dieser April ist kein Einzelfall

Der April 2020 ist in Sachen Sonne und Trockenheit kein Einzelfall. Schon in den letzten Jahren hat sich die Witterung im April grundlegend geändert: Das normale wechselhafte "Aprilwetter" wird immer seltener. Dafür werden trockene und sonnige Aprilmonate immer häufiger.

Das Nass bleibt aus

Immer häufiger blockieren die Hochdruckgebiete die notwendigen Regenwolken. Immer häufiger bleibt das Nass von oben aus und es wird immer wärmer und sonniger. Dafür dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit die anthropogene Klimaerwärmung verantwortlich sein. Sie führt dazu, dass sich vor allem das Nordpolargebiet im Vergleich viel stärker erwärmt als Mitteleuropa.

Damit aber werden die Temperaturunterschiede zwischen Nord und Süd immer geringer, die "normale" windige Westwindwetterlage vom Atlantik wird immer seltener. Stattdessen etablieren sich eben Hochdruckgebiete und trocknen den Kontinent aus.

Regen in dieser Woche

Der nächste nennenswerte Regen für Hessen ist jetzt aber in der neuen Woche in Sicht. In den nächsten Tagen dürfen wir in ganz Hessen wieder mal auf ein paar Regenwolken hoffen.

Diese Regenwolken kommen von Frankreich zu uns und beenden vorerst die große Hochdruckblockade. Damit kann sich zumindest für eine Zeitlang wieder mal wechselhaftes Wetter einstellen. Neben dem Dienstag dürfte vor allem die zweite Wochenhälfte zeitweise Regen bringen.

Ob das dann der große Nässe-Durchbruch ist oder wahrscheinlich doch wiederum nur eine ganz kleine Linderung der Trockenheit, bleibt zwar abzuwarten. Aber es ist besser als nichts, und jeder Tropfen Regen, der jetzt vom Himmel fällt, wird von der Natur dringend benötigt.

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